Mea Schearim: Eine Parallelwelt in Jerusalem


Bitte züchtig kleiden! Ein Schild am Eingang des Viertels Mea Schearim bittet Passanten um Rücksichtnahme. Foto: Lisa Mathon/Wikipedia

Einmal in der Woche – am Schabbat – steht ein Teil Jerusalems still. Der Grund: Das Viertel Mea Schearim ist von ultraorthodoxen Juden bevölkert. Ihren Kampf gegen die Einflüsse der modernen Welt und für die jüdische Tradition zeigt der Sender „Arte“ in der 90-minütigen Dokumentation „Gott bewahre!“.

pro-Medienmagazin

Mea Schearim ist eine abgeschottete Welt. Die Siedlung der ultraorthodoxen Juden in Jerusalem, der Haredim, ist für viele eine Art Mysterium. Die Alltagssprache dort ist Jiddisch, am Schabbat ruht das ganze Viertel, weder Autos fahren, noch ist das Arbeiten erlaubt. Elektrische Anlagen werden ausgeschaltet. Viele der strenggläubigen Juden verweigern die Kooperation mit dem Staat, leisten etwa keinen Militärdienst. Rund eine halbe Million Juden in Israel gehören dieser religiösen Gemeinschaft an. Die Haredim versuchen, ihr religiöses Erbe und ihre traditionellen Lebensformen zu schützen – und sie sehen den jüdischen Glauben durch den säkularen Staat und seine Institutionen verraten. In die geheimnisvolle Welt dieser Religionsgemeinschaft lädt „Arte“ am Sonntag, 17. Juli, 21.45 Uhr, ein. 90 Minuten lang zeigt der Sender das Leben der Frommen.

So beleuchten die israelischen Dokumentarfilmer auch die Gegensätze im Viertel. Shmuel-Haim Pappenheim etwa organisiert Massendemonstrationen gegen den jüdisch-zionistischen Staat, gibt die Wochenzeitung des radikalen ultraorthodoxen Lagers heraus, das Israel nicht anerkennt, und lehnt die Teilnahme an Wahlen ab, heißt es in der Programmankündigung. Im Gegensatz dazu ist der Rabbi Avraham Ravitz Anführer einer ultraorthodoxen politischen Partei und war auch Knesset-Abgeordneter und Minister der israelischen Regierung. Für Pappenheim ist Ravitz, weil er sich als haredischer Führer an der Regierung beteiligt, ein größerer Sünder als jeder nicht religiöse Jude, heißt es bei „Arte“.

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