Deutungshoheit über den Islam (Haben wir sie – oder wer?)


Von E. Ahrenswissen bloggt

„Dürfen Muslime der Politik und den Medien die Deutungshoheit über den Islam überlassen?“ fragt Christian Abdul Hadi Hoffmann am 14.07.2011 auf islam.de. Herr Hoffmann ist Vorsitzender der Muslimischen Akademie in Deutschland. Dabei fragt er sich auch, „wie und von wem heute entschieden wird, was „richtiger“ und „mißbrauchter“ Islam ist“. Offensichtlich hätte er gern, dass gerade diese Unterscheidung eine mosleminterne Angelegenheit sein soll.

Dabei ist dies bei uns für uns selbst eine Kernfrage, die unserer Antwort bedarf. In welchem Maße ist es möglich, Erscheinungen des Islam in unserer Mitte zu beurteilen und als tolerabel zu akzeptieren oder nicht? Diese Grenze der Akzeptanz ist für Christian Hoffmann lediglich die Staatstreue. Dabei bezieht er sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 19.12.2000 in Sachen Zeugen Jehovas, nach dem nicht der Text (die Programmatik) der Religion Grundlage einer Beurteilung der Verfassungsmäßigkeit sei, sondern die tatsächlichen Aktivitäten bzw. Handlungen ihrer Mitglieder.

Nach dieser großzügigen Auslegung der Verfassung wäre also analog gesehen eine Religion, die Menschenopfer bei Vollmond fordert, solange akzeptabel, bis das erste Opfer auf dem Altar des Mondgottes tatsächlich blutig geschlachtet werden würde. Klar wäre aber schon, dass bereits im Vorfeld solcher kriminellen Handlungen die heftige Kritik am Programm einer derartigen Religion einsetzen würde – ob es den Anhängern dieser fiktiven Religion nun gefallen würde oder nicht. Man kann auch die Kritik an einer solchen angenommenen Religion nicht mit dem Argument abwehren, andere könnten sich nicht in die feineren geistigen Gegebenheiten dieses Glaubens hinein versetzen und wären deswegen eines Urteiles über ihn nicht fähig.

So ist es selbstverständlich einem Atheisten möglich, Aussagen über die dogmatischen Feinheiten des Christentums zu machen, wenn er sich damit beschäftigt hat. Die Erfahrung zeigt, dass er hierbei eher zu genaueren Definitionen kommt als viele Christen selber, denen weiter gehende Kenntnisse ihrer eigenen Glaubensinhalte eher unbekannt sind. Die Aussage, dass nur Anhänger einer Religion selbst diese beurteilen können ist stets die erste allgemeine Verteidigungslinie solcher Organisationen gegen Kritik von außen und als Argument erkennbar durchsichtig und daher unbeachtlich.

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2 Comments

  1. Sagen wir’s mal so: Wenn z.B. Muslims in Saudi-Arabien von unseren Frauen fordern, dass sie bei Besuchen in diesem Land ein Kopftuch tragen müssen, dann dürfen wir im Gegenzug doch erwarten, dass man uns in Deutschland die Deutungshohheit über die Praktiken des Islams zugesteht.

    Das gilt auch für Moslems, die sich nach wie vor erlauben, hier in Deutschland ihre Töchter zwangsweise zu verheiraten.

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  2. Ich erlaube mir eine ganz einfache Deutungshoheit:

    Some things are classic,
    some things are just old

    Entweder ist so altes Zeug:

    Sachbuch, DANN Mülleimer

    oder

    Roman, DANN nicht wichtig nehmen

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