Kirchliche Tabus aufbrechen


Quelle: http://www.freinberg.at

Zum Aufbrechen von „Tabuthemen“ in der Kirche hat der Salzburger Religionspädagoge Prof. Anton Bucher aufgerufen. Sei es der Umgang mit der Moderne, mit der Evolutionstheorie, mit Fragen des Priesteramtes, dem Zölibat und schließlich der Umgang mit dem Missbrauchsskandal – dies alles seien Themen, denen sich die Kirche nur unter Vorbehalt nähere. Dabei zähle es gerade zu den „Stärken einer Institution, ihre dunklen Seiten nicht zu vertuschen, sondern sie aufzuarbeiten“, unterstrich Bucher bei einem Votrag im Rahmen der heurigen Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreichs in Bad Tatzmannsdorf.

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Tabuisiert habe die Kirche „in den letzten Jahrhunderten vor allem die Moderne und neue wissenschaftliche Entwicklungen wie Sozialismus oder Evolutionismus“, so Bucher. Eine neue Form der Tabuisierung betreffe heute jedoch die Kirche selbst. So werde „die Kirche“ gerade in konservativen Kreisen als sakrosankt und unveränderlich angesehen, ähnliche Entwicklungen könne man bei der Interpretation der Dogmen als unveränderliche Lehrsätze feststellen, so Bucher.

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2 Comments

  1. Vorbemerkung. Es ist an der Zeit, hier (wo sonst?) einmal zu würdigen, was uns jeden Morgen pünktlich per E-Mail geliefert wird: Ein Überblick aus kritischer Perspektive über relevante Vorgänge im religiösen und kirchlichen Bereich. Ich kenne neben „Brights – Die Natur des Zweifels“ unter Federführung von Nickpol nur noch den „Humanistischen Pressedienst“, der täglich und dazu kostenlos einen Dienst anbietet, der es ermöglicht, die religiöse und kirchliche Szene im Blick zu haben. Was „Brights“ als Aufklärungsplattform leistet, bietet keine Tages- oder Wochenzeitung, schon deswegen nicht, weil sie alle mehr oder weniger Rücksicht nehmen wollen oder müssen auf ihre ach so gläubige Leserschaft. Dank also an Brights und seine unermüdliche Redaktion für diese wertvolle Arbeit!

    Kommentar zu „Kirchliche Tabus aufbrechen“

    Ich denke, dass der Religionspädagoge Bucher einer Fehleinschätzung unterliegt, wenn er meint, seine Kirche müsse sich der modernen Wissenschaft und den Fragen der Zeit öffnen, wenn sie mehr Zuspruch finden solle. Seine „oberste Heeresleitung“, bestehend aus den Bischöfen und dem Monarchen in Rom, haben viel besser verstanden als er, dass eine solche Öffnung den Niedergang nur beschleunigen würde. Denn was Bucher fordert, ist ja nicht weniger als Aufklärung, die bekanntlich gefürchtet wird wie das Weihwasser von jenem bekannten abgefallenen Engel. Die einzige Chance, dieser Institution noch eine gewisse Lebensspanne zu garantieren, besteht in einer weitgehenden Abkapselung ihrer Klientel von den Einsichten und Ansichten wissenschaftlich gebildeter und informierter Menschen. Die Evangelikalen zum Beispiel gehen diesen Weg oder die Pius-Brüder und scheinen ihr Publikum zu finden. Nicht wenige Menschen werden offenbar durch eine betont amoderne Lehre mit rigiden Ritualen angesprochen, bei strenggläubigen Muslimen kann man das ebenfalls gut beobachten. Wissenschaftsfeindlichkeit und Unbelehrbarkeit haben noch eine, wenn auch begrenzte, Zukunft – leider.

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  2. Wenn Prof. Bucher feststellt, dass es doch „die Stärken einer Institution sei, ihre dunklen Seiten nicht zu vertuschen, sondern sie aufzuarbeiten“, dann meint er damit doch sicher nicht die Institution Kirche ! Hat doch eben diese Institution der Welt nachhaltig das pure Gegenteil davon bewiesen. Bei der Vielzahl der dunklen Seiten dürfte sich eine Aufarbeitung für die Institution Kirche auch als nahezu aussichtslos erweisen. Denn: Wenn die Einsicht und das Unrechtsbewußtsein nur vordergründig vorhanden ist, vorgetäuscht wird oder gar völlig fehlt, kann eine Aufarbeitung zu keinem befriedigendem Ergebnis führen. In exakt dieser Situation befindet sich derzeit die katholische Kirche.

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