Der Glaubenszweifel ist kein Produkt der Moderne


Quelle: FAZ.NET

Über Säkularisierung muss neu gesprochen werden
Nichts Menschliches war dem Mittelalter fremd: Dorothea Weltecke bewahrt in der hitzigen Atheismus-Debatte einen kühlen Kopf und stellt heraus, dass der Glaubenszweifel kein Produkt der Moderne ist.

Von Wolfram KinzigFAZ.NET

Was ist ein Atheist? Ist das jemand, der davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, der Gottes Interesse an der Welt bestreitet oder der im traditionellen Sinne ein gottloser Schurke ist? In der Geschichte hat man alle drei Bedeutungen mit dem Begriff des Atheismus verbunden. Die erste Bedeutung ist die in der Moderne geläufige (die sich dann weiter ausdifferenzierte), die zweite haben schon in der Antike die Epikureer vertreten (weshalb sie von ihren Gegnern als „Atheisten“ gescholten wurden), und die dritte darf man voraussetzen, wenn es in Psalm 14,1 und 53,2 heißt: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott.“

Die Atheismusforschung der Gegenwart orientiert sich in erster Linie an der erstgenannten Bedeutung. Wenn sie historisch orientiert ist, stößt sie dann aber auf die Schwierigkeit, „Atheisten“ ausmachen zu müssen, bevor die moderne Bedeutung des Begriffs in Gebrauch kommt. So kam man in der einschlägigen religions- und philosophiegeschichtlichen Forschung der letzten Jahrzehnte zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, in welchen Quellentexten man eine Bestreitung der Existenz Gottes dokumentiert sah. Die Betriebstemperatur der Diskussion ist dabei erstaunlich hoch, da sehr schnell weltanschauliche Voraussetzungen der einzelnen Wissenschaftler ins Spiel kommen. Darunter leidet dann schnell die historische Präzision.

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2 Comments

  1. »Der Glaubenszweifel ist kein Produkt der Moderne« Die Geschichte des dokumentierten Unglaubens geht sogar bis in die griechische Antike zurück. Filmtipp:

    Jonathan Miller – A Brief History of Disbelief
    The Atheism Tapes (Interviews)

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  2. Mich interessiert es herzlich wenig, wie man mich einstuft. Ich selbst verstehe mich als Atheist, also ein Mensch, der nicht an die Existenz eines Gottes oder himmlischen Schöpfers glaubt. Die Bezeichnung Gottesleugner wiederum gefällt mir deshalb nicht, weil es ja nicht möglich ist, etwas Nichtexistentes zu leugnen. Mit anderen Worten: Wenn es keinen Gott gibt, kann man ihn ja auch nicht leugnen.

    Dass es schon zu allen Zeiten, seit der Begründung des Christentums, Glaubenszweifler gab, ist auch nichts grundlegend Neues. Ich führe nur ein Beispiel an: Giordano Bruno (1548 – 1600), ein italienischer Priester, Dichter und Philosoph. Er wurde durch die Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und vom Gouverneur von Rom zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Erst Im Jahr 2000 erklärten der päpstliche Kulturrat und eine theologische Kommission, die Hinrichtung sei nunmehr auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht zu betrachten. Dieses Beispiel belegt, dass Glaubenszweifler im Mittelalter gefährlich lebten und der Verfolgung ausgesetzt waren. Uns steht zum Glück der Brightsblog zur Verfügung, wo wir unsere Gotteszweifel unzensiert – und ohne Bestrafung befürchten zu müssen – vortragen können. Vor Verfolgung brauchen wir uns nicht zu fürchten. Nickpol und Subkuttan beschützen uns und wachen über uns gottlose Gesellen !

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