Anders Breivik – Der Attentäter und die Hassblogger


Bild: 2083 - A European Declaration of Indepence

Er schrieb in rechten Blogs und war Mitglied bei den Rechtspopulisten: Der Mörder von Norwegen kam nicht aus dem „Nichts“, sondern aus der Szene der europäischen Multikulti-Hasser und Islamfeinde. Die beeilen sich nun zu versichern, dass Anders Breivik etwas falsch verstanden haben muss.

Von Frank PatalongSpiegel Online

Als sich über die Medien die Nachricht über das grauenhafte Massaker auf der norwegischen Insel Utøya verbreitete, wurde schnell klar, dass der Täter wohl aus dem anti-islamistischen, stramm nationalistischen Lager kam. Seit Jahren hatte er seine publizistischen Spuren in etlichen einschlägigen Blogs und auf Web-Angeboten hinterlassen. Die Betreiber entsprechender Angebote gingen prompt zur Verteidigungshaltung über. Man distanzierte sich – nicht in der nationalistischen, anti-islamistischen Sache, wohlgemerkt, aber in Bezug auf die Wahl der Methoden.

Anders Behring Breivik, so die Botschaft, war wohl Anhänger der rechten Sache, hatte da aber etwas falsch verstanden. Bomben und Massenmord, so die Argumentation, gehörten nicht zum Instrumentarium, das man nutzen wolle, um die westliche Welt von Muslimen und überhaupt allem Andersartigen, von den „Multikulturisten“ und „Kultur-Marxisten“ zu befreien. Nationalisten und Christen, argumentierte da ein rechter Blogger, mordeten per definitionem keine Kinder, „schon gar nicht Kinder der eigenen Rasse“.

Das deutsche Polit-Blog Politically Incorrect, vom Verfassungsschutz als nicht rechtsradikal eingestuft, weil es pro-amerikanisch und pro-israelisch sei, berichtete über die Anschläge unter der Schlagzeile „Fall Anders B. eine konservative Katastrophe“. Das Massaker sei eine verheerende Katastrophe, die über Norwegen hereingebrochen sei. Den Angehörigen der Opfer gelte „unser Mitgefühl“. Klingt nach Unglück, Naturkatastrophe, Unfall – für so etwas kann gemeinhin keiner was, und im konkreten Fall sowieso nur der Täter selbst.

Eine „konservative Katastrophe“ ist das Massaker für die rechten Blogger aber, weil die Verwechslungsgefahr so groß ist: Wo immer sich Breivik in der Szene schriftlich äußerte in den letzten Jahren, fiel er nicht als Fremdkörper auf. „Was er schreibt“, ist auch bei Politically Incorrect zu lesen, „sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten. (…) Ob Breivik an einer psychischen Krankheit leidet, die seither schlimmer geworden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.“

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5 Comments

  1. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Irre keine Gelegenheit bekommt, sich in aller Öffentlichkeit zu seiner Bluttat zu äußern, um sie zu rechtfertigen. Das käme einer Verhöhnung der Opfer gleich. Einfach unfaßbar, was eine explosive Mischung aus rechtsextremem, nationalistischem und christlich-fundamentalistischem Gedankengut anzurichten vermag.

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