Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Der Attentäter von Oslo und seine christianistische Weltsicht
[…]So schreibt er etwa: „Wenn es einen Gott gibt, dann werde ich in den Himmel kommen wie alle früheren Märtyrer der Kirche.” … In seinem Manifest schreibt er, dass jeder Tempelritter, wozu er sich zählt, vor seiner “Operation” zur Kirche gehen sollte, auch wenn er, wie er, nicht besonders gläubig sei. Dort solle er Gott um Vergebung bitten und darum, dass er der Seele und der Rüstung aus Stahl geistlichen Schutz und Vertrauen einflößen möge. War er also vor seinen Anschlägen in der Kirche? … Den Grund, warum er so radikalisiert wurde, sieht er in angeblich hunderten Angriffen muslimischer Jugendlicher („Dschihad-Rassisten-Angriffe“) auf hilflose norwegische Jugendliche[…]

„Spiegel“: Atheisten erobern Gesellschaft
[…]Atheismus erobert „auf breiter Front“ die Gesellschaft, berichtet der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. „Gottlose Trendsetter“ zeichneten sich durch Werte-Ortientierung und Weltoffenheit aus – und sie wüssten oft mehr über Gott als Christen oder Muslime. Was unterscheidet Atheisten von Gläubigen? Das hat der „Spiegel“ Forscher gefragt. Diese stellen fest: „Während früher die Religionslosigkeit tendenziell von gebildeten, wohlhabenden, männlichen Städtern gepflegt wurde, erobern die Atheisten nun auf breiter Front die Gesellschaft.“ Sie seien stark werteorientiert, setzten sich stärker als der Durchschnitt gegen Todesstrafe, Diskriminierung und Krieg ein, und sie hätten weniger Vorbehalte gegen „Ausländer, Homosexuelle, Oralsex und Haschisch“. Wohl am erstaunlichsten ist die Erkenntnis, dass Atheisten in den USA oft mehr über Gott wüssten, als die Gläubigen selbst – gefolgt von Juden und Mormonen. So radikal wie die „neuen Atheisten“ um Richard Dawkins, seien aber die wenigsten. Die Mehrheit sei eher „religiös indifferent oder milde agnostisch“. Auch die Situation in Deutschland nimmt der „Spiegel“ in den Blick. Nach der Wende hätten sich die Kirchenaustritte im Osten des Landes noch beschleunigt, erklärt der Religionssoziologe Detlef Pollack. Grund ist seiner Meinung nach die Nähe von Staat und Kirche in der Bundesrepublik. Religion werde als „herrschaftsnah und aus dem Westen kommend“ wahrgenommen. Deutschland widerlege zudem die Annahme, dass ökonomische Unsicherheit die Menschen gläubiger mache. Die Ölkrisen der siebziger Jahre, die Wendezeit und die aktuelle Finanzkrise seien mit Austrittswellen einher gegangen, ein Grund sei die Kirchensteuer. Pollack nimmt an, dass künftig auch in Westdeutschland die Konfessionlosenrate auf 70 Prozent steigen wird. Verschwinden werde die Religion aber nie ganz – Grund sei ein „Diaspora-Effekt“. Wenn Gläubige in die Minderheit gerieten, rückten sie automatisch näher zusammen und stärkten ihre Gemeinschaft.[…]

Der beleidigte Vatikan
[…]Nach den heftigen Angriffen der irischen Regierung auf die katholische Kirche im Zusammenhang mit einem Missbrauchsreport reagiert der Vatikan am Montag mit einer diplomatischen Protestnote. Der Vatikan hat am Montag Erzbischof Giuseppe Leanza, den Vatikanbotschafter in Irland, zu Konsultationen nach Rom zurückberufen. Dies gab der Vatikan am Montag bekannt[…]

Nach Irland nun Australien: Kein Schutz des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen, Priester würden aber eher sterben als sich danach zu richten
[…]Katholische Priester werden das Siegel des Beichtgeheimnisses nicht brechen. Darauf wies ein Sprecher der Australischen Bischofskonferenz, Brian Lucas, hin. Der australische Senators Nicholas Xenophon zuvor die Einführung von Gesetzen vorgeschlagen, welche katholische Priester zwingen sollen, das Beichtgeheimnis zu brechen, falls sie innerhalb der Beichte Kenntnis von Missbrauchsfällen erlangen. Dieser Vorschlag „hilft nicht, Kinder zu schützen und widerspricht dem fundamentalen Recht der Menschen, ihre Religion auszuüben“, erläuterte Lucas. Priester würden sich einem solchen Gesetz nicht fügen, sondern eher sterben als das Beichtgeheimnis verletzen.[…]

Nur noch 49 Prozent der Oberbayern sind katholisch
[…] Ab sofort sind Katholiken in Oberbayern in der Unterzahl. Erstmals in diesem Jahr liegt ihre Zahl nur noch bei 49 Prozent. Viele Andersgläubige sind zugezogen; manche Katholiken sind ausgetreten. Die Skandale um Missbrauchsfälle und Bischof Mixa im vergangenen Jahr haben wesentlich dazu beigetragen, dass viele oberbayerische Schäfchen ihrer Kirche adieu sagten. Das einst so katholisch gläubige Alt-Baiern wird religiös bunter durch die vielen „zugereisten“ Protestanten oder orthodoxe und muslimische Einwanderer. Zugleich steigt die Zahl der Konfessionslosen. Religionswissenschaftlerin Anne Koch von der Ludwig-Maximilians-Universität in München sucht nach Gründen: „Was man bestimmt sagen kann ist, dass es einen Trend gibt, hin zum Säkularismus in unserer Gesellschaft.“ … Zwar gefallen die Traditionen, zwar werden die kirchlichen Feste gefeiert, aber man zeigt sich offen für andere Richtungen: Leben und leben lassen gehört zur bayerischen Lebensart. Außerhalb der Großstadt hält man es freilich noch etwas genauer mit der Religion. Ob nun als Glaube, Brauchtum oder Touristenattraktion – der Katholizismus wird Oberbayern wohl noch lange prägen, auch wenn Bayern selbst in den entferteren Winkeln immer säkularer wird, wie dieser Passant bezeugt: „I geh gern in’d Berg. Und wenn i so a Wiesn oder an Baum oschau, dann halt i a Zwiegspräch mit’m liam Gott und des reicht. Der Pfarrer is ja a Märchenerzähler. Dem glaub i nix.“[…]

Pfarrer verbrennt Teile der Bibel
[…]Anglikanischer Theologe aus Wales entfernt „grausame“ Passagen. Doch diese Bibelverbrennung hat kaum Aufsehen erregt … Initiator war der anglikanische Pfarrer Geraint ap Iorwerth (Pennal/Westwales), und sein Anlass war das 400-jährige Bestehen der King-James-Bibel. Bis heute zählt das Werk, das König Jakob I. von England (1566-1625) erstellen ließ, zu den am weitesten verbreiteten Übersetzungen der Heiligen Schrift im englischen Sprachraum. Laut Iorwerth darf die literarische Qualität der Übersetzung nicht davon ablenken, dass einige Bibeltexte einen grausamen und abstoßenden Gott darstellten. Diese Passagen hat er ausgeschnitten und im Rahmen einer „Kunstaktion“ im Ort Machynlleth verbrannt. Dort sei sein künstlerisches Anliegen verstanden worden, sagte der Geistliche der Rundfunkanstalt BBC. Der Bischof von Bangor, Andy John, will eine Untersuchung des Vorfalls einleiten, denn dieser könne die religiösen Gefühle vieler Christen verletzt haben. Der Bischof räumt ein, dass es in der Bibel Stellen gebe, mit deren Verständnis heutige Leser ringen müssten. Aber Christen dürften nicht das aus der Bibel herausschneiden, was ihnen missfalle. Oft seien gerade diese Texte die herausforderndsten. Iorwerth erwiderte, er fühle sich verletzt dadurch, dass Menschen glauben könnten, er diene einem so grausamen Gott, und er halte alle Worte der King-James-Bibel für „heilige Wahrheit“. Er will eine „Schandmauer“ mit gewalttätigen Bibeltexten errichten[…]

Russisch-orthodoxe Kirche hat keinen Bock auf Staatskirche
[…]Die russisch-orthodoxe Kirche will keine Staatskirche werden. „Wir möchten nicht, dass die Kirche ein Teil des Staatsapparats wird und säkulare Funktionen übernimmt“, betonte Erzpriester Wsewolod Tschaplin, der die Synodalabteilung des Moskauer Patriarchats für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft leitet, in einem Interview mit der russischen Agentur „Interfax“. Tschaplin nahm damit zu einer neuen Umfrage Stellung, derzufolge 30 Prozent der Russen sich die orthodoxe Kirche als Staatsreligion wünschen, während 48 Prozent dagegen sind[…]

Christen müssen Sauerteig werden, Ungehorsam geht gar nicht
[…]Verständnis für die Anliegen der „Pfarrer-Initiative“, aber Kritik an deren „Aufruf zum Ungehorsam“ hat der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl geäußert. „Nein, zu Ungehorsam darf man nicht aufrufen“, sagte Krätzl laut dem Internetportal der Erzdiözese Wien am Sonntag bei einem Wallfahrtsgottesdienst in Mariazell. Richtiger wäre ein „Aufruf zu mehr Eigenverantwortung“ gewesen, betonte der langjährige Wiener Weihbischof. „Mehr Kollegialität, Mitbestimmung und gemeinschaftliche Willensbildung“, an diese Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils wolle die „Pfarrer-Initiative“ mit ihren Anliegen wohl erinnern, so Krätzl. „In ‚Gehorsam‘ steckt das Wort horchen, also hören“, erinnerte Krätzl demnach in seiner Predigt. „Zuerst und immer wieder hören: Gilt das nicht als oberstes Prinzip für alle, die Verantwortung tragen, leiten und führen müssen?“, so der Bischof unter Verweis auf die sonntäglichen Bibelstellen. Hören schmälere nicht Autorität, sondern fördere sie, betonte Krätzl. „Wir sollten in der Kirche lernen, besser aufeinander zu hören, auch auf Kritiker. Wer weiß, durch wen allen der Geist Gottes heute spricht?“, erinnerte der Weihbischof … Christen müssten in den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Problemen zum „unersetzlichen“ Sauerteig Europas werden, appellierte Krätzl. „Es ist nicht entscheidend, ob Gott oder das christliche Erbe in einer EU-Verfassung steht, sondern wie sehr die Christen selbst die Geschichte Europas verantwortlich mit gestalten und im Geiste Christi leben.“[…]

1 Comment

  1. Quote: „Nach Irland nun Australien: Kein Schutz des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen, Priester würden aber eher sterben als sich danach zu richten
    […]Katholische Priester werden das Siegel des Beichtgeheimnisses nicht brechen. …[…]“

    ………..das glaube ich auch. Viele müßten sich ja selbst anzeigen. 🙂
    Die haben es richtig gut, die Christen. Man sündigt, geht zum Beichten, betet als Buße ein „Vater unser“ oder zwei und alles ist wieder gut. Vor allem, man kommt nicht ins Gefängnis, lediglich in eine Hölle an die diese Verbrecher doch selbst nicht mehr glauben.
    Diese Scheinheiligkeit ist widerwärtig. Pfui Teufel.

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