Christen in Palästina: Wut über Israels Siedlungspolitik


Der Pressesprecher des weltweiten Hilfswerks „Kirche in Not“ in Deutschland, André Stiefenhofer, ist vor kurzem von einer dreiwöchigen Projektreise in den Nahen Osten zurückgekehrt. Im Gespräch mit der Journalistin Eva-Maria Vogel berichtet er über die aktuelle Situation der Christen im Heiligen Land, deren Zukunft in einem eigenen Staat und wie den Christen im Heiligen Land geholfen werden kann. Kathnews dokumentiert das Interview mit André Stiefenhofer im Wortlaut.

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Herr Stiefenhofer, wie erleben Christen im Heiligen Land die Umbrüche im Nahen Osten? 

Die Christen im Heiligen Land sind zum Großteil Palästinenser. Dementsprechend erleben sie die Umbrüche aus einer ganz anderen Situation heraus als es ihre Glaubensbrüder zum Beispiel in Ägypten oder auch Jordanien tun. Die Rolle des Staates Israel und die damit einhergehenden Konflikte sind die „Brille“, durch die die Christen die Ereignisse im Nahen Osten beobachten. Es herrscht große Wut über die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland und der Wunsch nach einem wirklich souveränen palästinensischen Staat ist greifbar. Aus dieser Situation heraus empfinden die palästinensischen Christen eine gewisse Sympathie für die Revolutionen und Demokratiebewegungen im Nahen Osten und der Schulterschluss zu den Muslimen ist stärker ausgeprägt, als das in anderen Ländern der Fall ist. Es wird aber auch deutlich wahrgenommen, dass man in Palästina nun schon über 40 Jahre darum kämpft, sich aus einer reinen Protestbewegung mit oftmals terroristischen Zügen zu einem tragfähigen demokratischen Staat zu entwickeln. Der Weg dahin ist in Palästina auch nach über 40 Jahren noch nicht abgeschlossen und so herrscht Skepsis, ob die Umbrüche anderswo sofort zu demokratischen Systemen führen werden. Die Christen fürchten eher, dass der Nahe Osten noch Jahrzehntelang instabil bleiben wird, bis sich neue Staatsformen herausgebildet haben.

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1 Comment

  1. Ich bezweifle, dass die Christen in Palästina einen bedeutenden Einfluß auf die Friedenspolitik in Israel haben. Von den rund 40 Millionen arabischen Christen leben schließlich nur rund 154.000 Christen in Israel. Dass sich bei aller Sympathie für Israel deren Siedlungspolitik als kontroproduktiv darstellt, steht jedoch außerhalb jeden Zweifels.

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