Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Malta: Scheidung nun gesetzlich erlaubt, aber erst nach vier Trennungsjahren
[…]24 Prozent der Ehen auf Malta zerbrechen früher oder später. Jetzt hat offenbar aber auch das Parlament erkannt, dass es keinen Sinn hat, Eheleute aneinander zu binden, die nicht mehr zusammenpassen. Mit dem neuen Scheidungsrecht, das ab 1. Oktober in Kraft tritt, wird aber der Rücktritt vom Ja-Wort nicht einfacher. Es soll eine gesetzliche Trennungsfrist von vier Jahren gelten. Viele Malteken dürften die Scheidungsgerichte aber schon zu Beginn stürmen – denn sie warten lange genug.[…]

Christliche Fundis in Norwegen
[…]Zwar gehören etwa 80 Prozent der knapp fünf Millionen Einwohner der evangelisch-lutherischen Staatskirche an. Als kirchlich aktiv gelten indes lediglich zehn Prozent. Doch gerade diese religiöse Indifferenz rief bereits im 19. Jahrhundert Laienprediger auf den Plan, deren wachsende Bewegung auf eine »Wiedererweckung« des christlichen Glaubens in der Bevölkerung zielte. Daraus entstanden in der Folge zahlreiche Freikirchen, deren theologische Verkündigung stark von biblischen Prophezeiungen und Endzeitmythen geprägt war. An dieser apokalyptischen Matrix hat sich bis heute wenig geändert. Zwar haben die evangelikalen Bewegungen in Norwegen längst nicht den Einfluss wie in den USA. Aber deren stärkste dort, die Pfingstbewegung (40 000 Mitglieder), ringt vor allem gegen die römisch-katholische Kirche (67 000) um wachsenden missionarischen Einfluss. Diese Konkurrenzsituation gestaltet sich umso brisanter, als es mittlerweile in Norwegen 100 000 Muslime gibt. In Oslo beträgt deren Bevölkerungsanteil bereits 7,5 Prozent (landesweit: 2 Prozent). Zum Fundamentalistischen tendierende christlich-konservative Ansichten finden sich auch in der norwegischen Politik. So regierte von 1997 bis 2005 der lutherische Pastor Kjell Magne Bondevik von der Christlichen Volkspartei als Ministerpräsident das Land. Er engagierte sich leidenschaftlich im Kampf gegen Schwangerschaftsabbruch und gleichgeschlechtliche Ehen sowie für mehr christliche Fernseh- und Rundfunksender. Christlicher – wie jeder religiöse oder ideologische – Fundamentalismus führt zu Spaltungen in der Gesellschaft. Er kann – siehe USA – Kriege fördernd begleiten. Und er kann – siehe Norwegen – in Menschen ein pathologisch-destruktives Potenzial aktivieren, dessen Folgen für alle verheerend sind.[…]

Nahles fordert politikfreien Sonntag, ganz im christlichen Sinn
[…]SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat gefordert, in Deutschland einen politikfreien Tag einzuführen. So hätten Politiker mehr Zeit für ihre Familien und könnten Kraft für ihre Arbeit sammeln, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“. „Die Parteien sollten sich darauf verständigen, dass an einem festgelegten Wochentag – idealerweise am Sonntag – in der Regel alles ruht, was mit Politik zu tun hat“, sagte Nahles. Die Generalsekretärin verwies auf Schweden, wo selbst die Regierung auf eine familienfreundliche Terminplanung achte. Dieses Land stehe schließlich auch nicht vor dem Untergang, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ die Spitzenpolitikerin. Nahles ist im Januar erstmals Mutter geworden. Seither sei sie konzentrierter und entdecke Zeitreserven, sagte sie.[…]

Italien und die Mandatssteuer
[…]Italienische Steuerzahler können bestimmen, welche staatlich anerkannte religiöse Organisation oder welches staatliche Sozialprogramm die obligatorischen 0.8 Prozent ihrer jährlichen Einkommenssteuer erhalten soll. Dieses Geld kann von den Organisationen für religiöse, wohltätige, soziale und karitative Zwecke verwendet werden. 87 Prozent der „8 per mille“-Steuereinnahmen, rund eine Milliarde Euro pro Jahr, gehen an die römisch-katholische Kirche und zehn Prozent an die Sozialprogramme des Italienischen Staats. Die restlichen 2,5 Prozent der Mandatssteuereinnahmen verteilen sich auf die Waldenser- und Methodistenkirche, Jüdische Kultusgemeinde, Adventisten, Pfingstgemeinden, Baptisten und Lutheraner. Seit 2010 erhalten auch folgende Organisationen Geld aus dem Steuertopf des Staates: Orthodoxe Kirche, Apostolische Katholiken, Zeugen Jehovas, Buddhisten und Hindus.[…]

Träumen darf man ja mal …
[…]Der Catholica-Beauftragte der lutherischen Kirchen, Friedrich Weber, erwartet vom Papstbesuch in Deutschland «ein deutliches Wort» zur Situation der konfessionsverschiedenen Ehen. Er halte es «für an der Zeit, dass da etwas kommt», sagte Weber in einem Gespräch mit Lesern der «Braunschweiger Zeitung» (Dienstagsausgabe). Die evangelische Kirche drängt seit langem darauf, dass Protestanten offiziell gemeinsam mit ihrem katholischen Ehepartner an der katholischen Eucharistiefeier teilnehmen können. Katholiken ist die Teilnahme am evangelischen Abendmahl erlaubt. Benedikt XVI. wird im September in der Bundesrepublik erwartet. «Wir haben da nichts vorzuschreiben, aber Erwartungen kann man formulieren», sagte der braunschweigische Landesbischof Weber. Zudem erhoffe er sich vom Papst beim Besuch des Augustinerklosters in Erfurt, in dem Martin Luther noch als Katholik studiert habe, ein Wort zur Bewertung der Reformation. Es geht dabei nach den Worten Webers um die Frage, ob sie nur eine Spaltung der Kirche oder auch eine Befreiung aus deren Gebundenheiten und Verkrustungen gewesen sei.[…]

Freiburg: Kondom-T-Shirts gegen den Papst
[…] Gerade sind die selbst entworfenen T-Shirts angekommen: Auf weißem Stoff ragt der Turm des Freiburger Münsters empor, darüber ist ein riesiges, pinkfarbenes Kondom gestülpt. Eine gezielte Provokation. „Ich hoffe, wir können bis zum Papstbesuch jede Menge davon verkaufen“, sagt Ziervogel. Der 71-Jährige ist Initiator des Bündnisses Freiburg ohne Papst. Er will deutlich machen: „Hier freuen sich längst nicht alle auf den Papst!“[…]