Die Protokolle der Weisen von Mekka


Oslo 22.07.2011

Dass die Terroranschläge von Oslo und Utoya nicht von einem „islamistischen“, sondern von einem rechtsextremistischen Fanatiker begangen wurden, hat nicht nur den „Al-Qaida“- Automatismus der notorischen Terrorexperten irritiert.

Von Mathias BröckersTelepolis

Auch die medialen Platzhirsche der Deutungs- und Meinungshoheit ringen noch um die Sprachregelung. Da der Täter überlebt hat, kommt „Selbstmordbomber“ nicht in Frage, der Begriff „Terrorist“ ist seit 9/11 stramm mit dem Islamismus konnotiert und scheint den Leitartiklern bei einem blonden Norweger wohl noch eher unpassend, weshalb z.B. „Bild“ von Anders Behring Breivik nur als „Massenmörder“ oder „Killer“ spricht. Weiterhin kursieren mit „einsamer Wolf“, „Wahnsinniger“, „Bestie“ viele weitere Begrifflichkeiten, die das Massaker in die Richtung eines pathologischen Einzeltäters rücken.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Breivik völlig allein gehandelt hat – wenn er es tat, dann wäre er der Phänotyp jenes unauffällig mitten unter uns lauernden und planenden Terroristen, den „Sicherheitsexperten“ und Politiker seit Jahren als gefährlichste Spezies des internationalen Terrorismus porträtieren: ein „Schläfer“. Er wäre sogar der erste entdeckte und überführte Täter dieser besonders heimtückischen Terror-Spezies, vor der seit 9/11 so eindringlich gewarnt wird, weil sie jederzeit die heimische Fußgängerzone in die Luft jagen könnte. Dass es jetzt ein sozialdemokratisches Ferienlager in Norwegen war, passt da zwar noch irgendwie ins Bild; nicht aber, dass es sich bei dem Täter statt um eine bärtige Wickelmütze mit direktem Draht nach Tora Bora um einen glattrasierten, pro-amerikanischen, pro-israelischen Freund von Chanel, Technomusik, Web 2.0 und Designerdrogen handelt. Kein bildungsferner, mit ein paar Koransuren aufgehetzter Attentäter, der sich auf Jungfrauen im Jenseits freut, sondern ein lesender, analysierender Kopf, der sich die Rettung Europas auf die Tempelritter-Fahne geschrieben hat. Kein dumpfer, rassistischer Nazi in Knobelbechern und Glatze, sondern ein militanter Hardcore-Zionist, auf dessen Abschussliste liberale Juden ebenso stehen wie „Kulturmarxisten“ und „Multikulturalisten“ jeder Couleur.

Auch wenn es sich bei dem Massaker eindeutig um „Terrorismus“ handelt – eine gewalttätige Schreckenstat um Aufmerksamkeit zu erzielen – und bei dem Täter um einen „Terroristen“ im klassischen Sinne, der mit einem Bekennerschreiben auf sein Anliegen aufmerksam macht, werden diese eindeutigen Begriffe in den Medien irgendwie umschifft, und die übliche Alarmismus-Welle vor weiteren „Terrorgefahren“ oder gar vor „Schläfern“ gleich um die Ecke blieb ganz aus. Auch diese scheint, seit die Chiffre „9/11=Osama“ tief in das Weltgedächtnis penetriert wurde, nur noch auf „Taliban“ abonniert – sieht der „Terrorischt“ mal anders aus, verschlägt es den Schäubles dieser Welt erstmal die Sprache.

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1 Comment

  1. Es ist ungeheuerlich, den Täter als „Hardcore-Zionist“ zu titulieren. Das ist übelste antisemtische Volksverhetzung. Es ist ein zentraler Wirkmechanismus des Antisemitismus, die Juden oder eben ihren Staat Israel für jedes Unglück auf dieser Welt verantwortlich zu machen, seien es nun der Terrorangriff vom 11. September, die Finanzkrise in Griechenland oder ein Tsunami. Mit der Bezeichnung Hardcore-Zionist wird ein Teil der Schuld an den Morden in Norwegen indirekt und in suggestiver, perfider Weise Israel zugewiesen. Es ist typisch für den sogenannten „Antizionismus“, solche grotesken Zusammenhänge zu konstruieren, um Israel als Hort des Bösen darzustellen. Das geschieht aber nicht, weil der einzige freie und demokratische Staat im Nahen Osten in Wirklichkeit ein Terrorregime wäre, sondern weil es der JÜDISCHE Staat ist.

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