Kirche muss marktfähig werden


Quelle: http://www.das-weisse-pferd.com

Nur wenn es gelingt, an die moderne Gesellschaft und Kultur anzuknüpfen, wird das Christentum überleben. Darin waren sich der belgische Fundamentaltheologe Lieven Boeve (Leuven) und der deutsche Pastoraltheologe Matthias Sellmann (Bochum) am Dienstagabend bei einer Diskussion im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen einig. Die Entwicklung der christlichen Tradition sei ein Prozess der „Rekontextualisierung“, die Kirche habe sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder neuen Kontexten angepasst.

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Das Lesen der „Zeichen der Zeit“ sei demgemäß auch eine zentrale Botschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen, scheine jedoch – so der Eindruck der Diskutanten – zu einer Minderheitenposition geworden zu sein. Boeve und Sellmann zeigten sich beide kritisch gegenüber dem Schlagwort einer „Rückkehr zum Kern“ des Christlichen und forderten stattdessen eine bewusste, ernsthafte Auseinandersetzung mit der Gegenwart.

Boeve plädierte für eine „Theologie der Unterbrechung“: Ein offen verstandenes Christentum müsse Andere in ihrem Anderssein, ja als Ort einer möglichen Offenbarung Gottes ernst nehmen und zugleich zu kritischer Selbstreflexion fähig sein. Theologisch legitimiert werde dies durch Jesus Christus selbst, den Boeve als „Unterbrechung im Namen Gottes“ bezeichnete. So unterbreche Jesus beispielsweise im Handeln an der ehebrecherischen Frau (Joh 7,53-8,11) ein geschlossenes, repressives Gesetzesverständnis. Er hebe das Gesetz nicht auf, „aber befreit es von geschlossenen Strukturen und setzt die Frau wieder in ihr Recht ein, selbst zu sprechen“.

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3 Comments

  1. Die schamlose Dreistigkeit, mit der sich eine Sekte mit – selbst im Vergleich zu anderen Religionen – besonders absurden Inhalten namens Christentum anmaßt, die politische Kultur bestimmen zu wollen, spottet jeder Beschreibung. Besonders die diversen kirchlichen Institutionen gehen einem mit dem unverschämten Anspruch, moralische Werte und gesellschaftspolitische Positionen für sich zu vereinnahmen, gewaltig auf den Wecker.

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  2. Nö. Es gibt da den Begriff „Product Life Cycle“. Dinge kommen, Dinge vergehen. Heutzutage kann man halt keine Pferdekutschen, Keuschheitsgürtel oder Galgen verkaufen. Wird einfach nicht mehr gebraucht. Und so ist’s mit dem ewiggestrigen auch.

    Wird auf dem Jahrmarkt der Kuriositäten angeboten wie sauer Bier, es wollen aber immer weniger haben. So einfach ist das. Das ist ganz normale Marktwirtschaft, die sogar in den real-existierende möchtegern-sozialistisch/kommunistischen Ländern funktioniert.

    Wenn keiner mehr Tuopflandriges isst, wird es nicht mehr verkauft => nicht mehr hergestellt …

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  3. Wenn Religioten über das Christsein diskutieren, kommt es mir stets vor, als wäre ich ungewollt in einer psychiatrischen Klinik in ein Gruppengespräch mit Klinikinsassen geraten. Religion scheint offenbar so eine Art von Bazillus zu sein, der sich mit Vorliebe in Gehirnen festsetzt, bei denen die Wirklichkeit sich auf seltsame Weise vom realen Denken entfernt hat. Heilung wäre in diesen Fällen durchaus möglich, aber die frühkindliche Gehirnwäsche hat zweifellos ihre Spuren und Eindrücke hinterlassen, die nur schwer auszulöschen sind.

    Aber vielleicht gelingt es einsichtigen Lehrern ja, eine rekontextualisierende Diskussionskultur des Ausgleichs zu entwickeln, in der nicht ausschließlich der eigene, religiöse Standpunkt vertreten wird, sondern Argumente zur Stärkung des jeweils anderen Standpunktes in Erwägung gezogen werden. Mit anderen Worten: Eine Rückkehr zum pragmatischen Vernunftdenken, welches sich über verlogene, überlieferte Mythen und Legenden endlich hinwegsetzt.

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