Nur Beschränkte nehmen alles wörtlich


Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Chefredakteur der „Kathpress“ hat Richard Barta (1911-1986) als deren Herausgeber einige Jahre lang jeden Donnerstag Kommentare zum Zeitgeschehen, zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen verfasst. Als Beispiel für den bleibenden Wert der Gedanken des unvergessenen katholischen Publizisten dokumentiert „Kathpress“ einen dieser Kommentare, der vor 30 Jahren, am 14. Juli 1981, unter dem Titel „Ungewissheit und Wagnis“ veröffentlicht wurde:

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Oh, wie waren wir stolz darauf, dass unser Glaube ein reflektierter Glaube war, reflektiert vom Spiegel unseres Verstandes, gesiebt durch das Sieb unserer Vernunft. Wie die Pharisäer im Evangelium haben wir Gott gedankt, dass wir nicht so sind wie die Einfältigen, die Naiven, die Beschränkten, die das alles wörtlich nehmen, was man ihnen einmal in der Schule gelehrt hat. Die sich herumschlagen mit Sünde und Schuld, mit Geistern und Dämonen, mit Engeln und Teufeln. Das lasse sich doch alles weginterpretieren, haben wir gemeint. Im Namen der Wissenschaft – auch der Theologie – haben wir alles rational zu erklären versucht, Wunder, Heilungen, Erscheinungen.

Wir hatten einen so großen Nachholbedarf, eine katholische Aufklärung hätte es ja nie gegeben, sagte man, daran krankten wir eben. Wir hätten in uns immer noch Reste des „Köhlerglaubens“, wie die Aufklärer vor 200 Jahren sagten, des Glaubens der kleinen Leute, der Leute vom Lande, vom Wald, der Kohlenbrenner, eben der „Köhler“. Nicht Glaube, Kritik sollte das Kennwort unserer Zeit sein, Bibelkritik, Dogmenkritik, kritische Kirchengeschichte, kritisches Christentum. Vor dieser Kritik hielt nichts stand, am wenigsten das Mystische. Entmythologisierung war die Parole, Entmythologisierung, Beseitigung des Mythologischen, des Numinosen, des Religiösen am Christentum. Das Christentum sei keine Religion, das sei ganz etwas anderes.

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1 Comment

  1. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie ideologisch besoffen man sein kann um die offensichtlichen Schlüsse zu übersehen. Der Gute schreibt:

    „Wir haben das alles mitgemacht. Zuerst mit Stolz, dann mit leisem Zweifel, ob das denn wirklich der richtige Weg sei. Wir haben die Kirche blankgeputzt, alles in unsere Zeit und unsere Sprache übersetzt und alles rational erklärt. Bis wir draufgekommen sind, dass die Menschen aus dieser blankgeputzten und rationalerklärten Kirche immer mehr wegbleiben.“

    Na, dämmerts?

    „Sollen wir nun kehrtmachen? Aus dem kalten Licht der Vernunft in die warme Dämmerung eines nichtreflektierten Glaubens flüchten? Können wir das überhaupt noch? Und werden wir uns dann nicht wieder sehnen, nach Licht, nach Klarheit, nach der Ratio? Unruhig ist nicht nur unser Herz, unruhig ist auch unser Geist, bis er ruht in Gott. Unruhe ist unser Schicksal, Ungewissheit unser Tun, Wagnis unsere Aufgabe.“

    Wie war das noch? Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, oder so ähnlich? Mir scheint die „Aufklärer“ innerhalb der RKK haben schon vor 30 Jahren Angst vor der eigenen Courage entwickelt, weil sie befürchten den Ast abzusägen auf dem sie sitzen. Keine unberechtigte Furcht wie ich meine.

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