Der tibetische Glückskeks und der Laizismus


Die Exiltibeter haben einen neuen Regierungschef: Lobsang Sangay. Bild: dapd

Von der Dorfschule über eine Eliteuniversität zum Regierungschef: Das politische Sagen bei den Exiltibetern hat jetzt Lobsang Sangay. Für einige Tibeter ist das nicht einfach.

Von Georg Blume taz.de

Es ist sieben Uhr morgens. Der kleine Dorfplatz vor dem tibetischen Exilparlament ist wie leergefegt. Nur ein paar Kinder warten auf den Schulbus. Lobsang Sangay aber ist auch schon unterwegs. Der 42-jährige Harvard-Jurist trägt eine lange graue Robe mit grünen Seidenmanschetten, darunter eine beiges Hemd mit Rundkragen. Auf den ersten Blick erinnert der hochgewachsene, schlanke Tibeter an einen jungen Pastor.

Er wird in den nächsten zwei Tagen kaum Zeit finden, seine Robe abzulegen. Eine Zeremonie wird der nächsten folgen. Denn Sangay, der Überflieger aus dem lauschigen Darjeeling, der es von der indischen Dorfschule bis an die berühmteste Universität der USA schaffte, übernimmt in diesen zwei Tagen das politische Führungsamt des Dalai Lama.

Noch nie zuvor in der tibetischen Geschichte hat es das gegeben: Ein Dalai Lama – vom traditionellen Glauben her das göttliche Oberhaupt aller Tibeter – tritt seine Macht freiwillig an einen gewählten Politiker ab. Das ist zumindest die offizielle Version.

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Foto: brightsblog