Wer behauptet, Atheisten = Mörder?


Quelle: hpd.de, Collage F. Lorenz

In dem heutigen Beitrag aus der Serie „Ohne Gott ist alles erlaubt?“ geht es um die Behauptung, dass Atheisten gleichzusetzen sind mit Mördern. Warum ist ein derart plumpes Argument überhaupt eine Diskussion wert? Auch auf den ersten Blick sollte es doch als allzu simple Pauschalisierung auffallen. Tatsächlich aber erfreut sich das Argument auch bei einflussreichen politischen oder religiösen Führern großer Beliebtheit.

Von Lukas Mihr Humanistischer Pressedienst

Denn keinesfalls kann behauptet werden, dass nur eine relativ kleine Zahl von Spinnern Atheisten allesamt als Mörder ansieht. Verfolgt man das Argument über die Geschichte hinweg, fällt auf, dass eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Apologeten eindeutig dem rechten Spektrum entstammt.

Zum ersten Mal wurde die Gleichsetzung von Kommunisten und Atheisten in der NSDAP verwendet. Im Wahlkampf warnten Plakate vor dem zerstörerischen Bolschewismus, der sich zum Ziel gesetzt hätte, die Christen allesamt auszurotten. Auch die höchste Parteigarde war davon überzeugt, dass nur der Glaube an Gott schlimmeres Unheil abwenden könne:

Adolf Hitler: “Heute sagen Sie [Staatspräsident Bolz], das Christentum sei in Gefahr, der katholische Glaube bedroht. Darauf habe ich zu erwidern: Zunächst stehen heute an der Spitze Deutschlands Christen und keine internationalen Atheisten. Ich rede nicht vom Christentum, sondern ich bekenne, daß ich mich auch niemals verbinden werde mit solchen Parteien, die das Christentum zerstören wollen. Vierzehn Jahre sind sie mit dem Atheismus Arm in Arm gegangen. Dem Christentum ist niemals größerer Abbruch getan worden, als in der Zeit, da diese christlichen Parteien mit den Gottesleugnern in einer Regierung saßen. Das ganze Kulturleben Deutschlands ist in dieser Zeit zerrüttet und verseucht worden.”
“Seit acht Monaten führen wir einen heroischen Kampf gegen die kommunistische Bedrohung unseres Volkes, die Verrottung unserer Kultur, Zersetzung unserer Kunst und Vergiftung unserer öffentlichen Moral. Der Leugnung von Gott, der Beschimpfung der Religion haben wir ein Ende gesetzt.”
“Und nicht minder haben wir aufgenommen den Kampf gegen die Zersetzung unserer Religion. Ohne daß wir uns irgendeiner Konfession verpflichteten, haben wir doch wieder dem Glauben die Voraussetzung gegeben, weil wir der Überzeugung waren, daß das Volk diesen Glauben benötigt und braucht. Wir haben daher den Kampf gegen die Gottlosenbewegung nicht mit ein paar theoretischen Erklärungen aufgenommen, wir haben sie ausgerottet.”

Joseph Goebbels: “Der Nationalsozialismus und der von ihm begründete Staat stehen auf der Grundlage des positiven Christentums. Sie geben den Konfessionen freie Betätigungsmöglichkeit und gewähren ihnen ihren starken Schutz. Am allerwenigsten aber sind sie [die Kommunisten] dazu geeignet, sich für Christentum und Konfessionen einzusetzen, die, als sie noch in Deutschland das große Wort führten, den Atheismus organisierten und der Gottlosenbewegung das Feld bereiteten.”

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