Christlich-Jüdisches Menschenbild ist überholt und angestaubt


Quelle: Südkurier

Brauchen wir das christliche Erbe noch? Nein, befindet FDP-Generalsekretär Christian Lindner, der dieses Erbe für gestrig hält

Südkurier

Die FDP ist – abgesehen von der Linkspartei – jene Partei, die den Kirchen am fernsten steht. Ihr Programm wurzelt im Liberalismus des 19. Jahrhunderts, der die Freiheit des Einzelnen aufs Podest stellte und ihn aus den Bindungen an Kirche und Tradition lösen wollte. Die Vorstöße der Mit-Regierungspartei in diesem Jahr zielen alle in eine Richtung: Sie wollen die Kirchen auf private Vereinigungen stutzen und ihnen den Zugang zu staatlicher Förderung verwehren. Kirche ja, Kirchensteuer nein – so lautet die Marschroute. Nun dreht ein führender FDP-Mann das liberale Rad noch kräftig weiter: Christian Lindner, Generalsekretär der Bundespartei, wünscht sich die Abkehr vom christlich- jüdischen Menschenbild, das er für überholt und angestaubt hält.

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4 Comments

  1. @Joe:
    Ich sagte ja schon, dass diese Kommentare vom Artikelautor stammten und fand einfach, dass ich sie kommentieren musste, weil sie immerhin zwei von vier Absätzen des gesamten Artikels ausmachen.

    Zur republikanischen Identität: Ich vermute eher, dass Lindner mit dem Begriff eine weiterentwickelte Version des römischen, rudimentär-demokratischen Modells vorschwebt, also eines, bei dem Menschen stolz darauf sein können, zu sagen „Ich bin ein Bürger dieses Staats und habe deshalb die und die Rechte und Möglichkeiten, genau wie jeder andere hier auch. Und genau wie alle anderen BIN ich dieser Staat.“
    Ich persönlich habe einfach mehrere Probleme mit dem Begriff, die alle auf dem konservativen US-Vorbild basieren:
    1. Ersten bilden die Republikaner in den USA zum einen eine Gegenpartei zu den Demokraten, obwohl die Republikaner technisch gesehen ebenfalls demokratisch sind.
    2. Die Konservativität der Republikaner ist extrem und geht soweit, dass das Handeln der Partei schon an Feudalismus grenzt – was auch das Problem bei den deutschen konservativen Parteien ist. Alle Gesetze, welche die Fortschritte der letzten Jahrzehnte wieder rückgängig machen, kommen aus konservativen Parteien, wie zum Beispiel der der Republikaner. Ebenso die meisten Facepalm-Vorschläge wie das eingeschränkte Wahlrecht für Rentner und Hartz-4-Empfänger in Deutschland, oder Aufforderungen vermeintliche Staatsfeinde der USA einfach zu töten. Das hat zwar nichts mit Lindners Vorschlag zu tun, ist aber das, was heutzutage die republikanische Identität darstellt.
    3. Dasselbe gilt für die stark militaristische Politik, die die Republikaner fahren um das wirtschaftliche Überleben des Staates zu ermöglichen, was zur Folge hat, das selbst Verbündete zu idealistischen Feinden werden. Damit kommen sie sogar dem römischen Vorbild erschreckend nahe.
    4. Lindner mag einfach ein laizistisches Modell meinen, aber es dürfte ihm wegen der religiösen Verbohrtheit der in den Medien dominanten US-Republikaner schwerfallen, diese Idee mit seinen Vorstellungen zu verkaufen, ohne dass sie mit dem US-Modell assoziiert wird.

    Die Idee an sich und die Courage, öffentlich darüber zu reden, finde ich aber gut.
    Nur schade, dass Lindner ein FDPler ist. Diese Partei ist für mich allein deshalb unwählbar, weil sie traditionell mit der konservativen CDU kuschelt. Dadurch ist sie einfach nur ein Stimmenfänger für alle Stimmen, die für das am Ende doch nicht durchgeführte FDP-Programm (welches in vielen Dingen einen Gegensatz zum CDU-Programm darstellt) abgegeben werden.

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  2. @ Stefan: Hm… Also ich finde nicht, dass man den Vergleich zu den USA in diesem Fall ziehen kann. Ich verstehe das so, dass Lindner ein eher laizistisches Programm vorschwebt. Also kein „In god we trust“-Ding.
    Du meinst diese Sätze?

    „Sie ist jüdisch-christliches Erbe. Wer sie ersetzen will, müsste schon Besseres auf Lager haben als einen nebelhaften „Republikanismus“, den der FDP-General propagiert.“

    Die stammen nicht von Lindner sondern von dem Autolobotomisten, der Lindner lediglich aus seiner beschränkten Sicht kommentiert, und sind so revisionistisch, wie du schreibst.

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  3. Ich weiß nicht so richtig…
    Die Idee mit der republikanischen Identität als Ersatz für die christlich-jüdische halte ich für fragwürdig. Der Begriff riecht einfach zu stark nach der imperialistischen Politik der konservativen US-Partei.
    Und die letzten zwei Absätze mit dem Kommentar des Artikelautors grenzen schon wieder an typisch christlicher Geschichtsrevision.

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  4. Die neue Hoffnung heißt Christian Lindner. (Ein gutes und vertrauenswürdiges Zeichen wäre, wenn er seinen Vornamen noch ändern könnte.) 😉
    Was mir gefällt ist der Satz:“ Ihr Programm wurzelt im Liberalismus des 19. Jahrhunderts, der die Freiheit des Einzelnen aufs Podest stellte und ihn aus den Bindungen an Kirche und Tradition lösen wollte“. Das o.g. Vorhaben von Herrn Lindner und seiner Mit-Regierungspartei findet meine volle Zustimmung.

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