Heilige Tat, christliche Unschuld


Soldaten einer spanischen Eliteeinheit bewachen El Cristo de la Buena Muerte in der Kirche des Militärbischofs kurz vor dem Besuch von Benedikt XVI in Madrid. Bild taz

„Schauerlich war es anzusehen, wie überall Erschlagene umherlagen und Teile von menschlichen Gliedern, und wie der Boden mit dem vergossenen Blut ganz überdeckt war.“ So schilderte ein christlicher Chronist das Massaker, das die Kreuzritter im Jahr 1099 während des Ersten Kreuzzuges an Muslimen in der Jerusalemer Al-Aksa-Moschee verübten. Tausende sind dabei den Quellen zufolge von den christlichen Rittern in einem Blutrausch umgebracht worden.

von PHILIPP GESSLER – taz

Insofern passt es sehr gut, dass sich der Attentäter von Oslo, Anders Behring Breivik, als Kreuzritter sah: Sein unfassbarer Blutrausch gleicht durchaus dem seiner historischen Vorbilder. Und nach allem, was man bisher weiß, hat ein zweiter, offenbar christlich geprägter Mann nun einen Anschlag auf Papstgegner während des Weltjugendtages in Madrid geplant, mit Giftgas. Wie hätte das enden können?

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3 Comments

  1. Äh…. Ich glaube ich habe meinen Beitrag unter dem falschen Topic abgeladen… Wie kann das sein? Egal. In Manuelem, oder wie das auf Latein heißt.^^

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  2. @ Manuel:

    Wie kommst du auf die abstruse Idee, dass die Brights, wenn ich mal so vermessen sein darf in „deren“ Namen diese Frage zu stellen, sogenannte „atheistische“ Genozide gutheißen? Es gibt doch kein „atheistisches Gesamtpaket“ oder einen „atheistischen Club – entweder du bist Mitglied mit unseren Ansichten oder nicht“. Diese Auffassung verrät den guten alten linientreuen Geist der RKK, wie er mir persönlich jedenfalls, zu oft begegnet ist. Wie jemand schon früher treffend schrieb, ist Atheismus an sich zunächst ein SEEEHHR weitgefasster Begriff, der an sich, noch keine irgendwie gearteten „Handlungsanweisungen“ beinhaltet.

    „Es gibt ein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott.“

    Ich glaube auf viel mehr werden sich „DIE“ Atheisten nicht einigen können. Hieraus die Verantwortlichkeit für Massenmorde ableiten zu wollen ist absurd. Hier heißt es erstmal diesen Begriff mit einer These oder meinetwegen einer Ideologie zu füllen. Und von dem schon geschilderten Ausgangspunkt gibt es sehr viele Wege, Abzweigungen, Irrwege und Sackgassen. (Es gibt auch Leute die behaupten schonmal Indie-Fallen auf diesen Wegen begegnet zu sein… egal.)
    Analog gilt das grundsätzlich auch für Religionen, welche argumentativ meistens aber auf einer anderen Basis stehen. Da tauchen dann plötzlich „heilige Schriften“ auf, die oftmals strukturelle Gefahren/Risiken beinhalten, die bei einer noch so wohlwollenden Auslegung stets in ihren Schriften weitergegeben werden, und oft genug latent vor sich hinköcheln.
    Dem gegenüber hat ein aufgeklärter Atheismus oder Agnostizismus den unschätzbaren Vorteil nicht von diesen Altlasten beschwert zu sein, was neben den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaften, der Philosophie, Psychologie und des Humanismus in meinen Augen einen erheblich weniger vorbelasteten Standpunkt darstellt. Ich jedenfalls versuche mich nicht auf Glauben oder Mutmaßungen oder ultimative Anweisungen zu stützen die nicht hinterfragt werden dürfen bzw. nicht argumentativ begründet sind.

    Und jetzt kommst du…

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  3. Selbstverständlich will sich niemand für Bluttaten wie in Oslo und in den USA am 9.11.2001 geschehen, verantwortlich fühlen. Fakt ist aber, dass allein das Vorhandensein von Religionen eine der Hauptursachen für kriegerische Handlungen und blutige Gewalttaten ist. Religionen erzeugen nun mal – ob gewollt oder ungewollt – Emotionen, in denen es zu unkontrollierten Handlungen von Anhängern und deren Gegner kommen kann, für die sich im Nachhinein niemand verantwortlich fühlt. Dies unabhängig davon, ob sich ein Einzelner oder ganze Gruppen, wie z.B. die Al-Qaida, als Handelnde erweisen. Eine zumindest moralische Mitschuld von Christen und Muslims an religiös motivierten Blutttaten läßt sich allein daraus ableiten, dass deren Organisationen ihren zu extremen Taten neigenden Mitgliedern eine Basis bieten, auf die sie sich letzten Endes berufen können. Ob dies zu Recht geschieht oder nicht, ist nicht so sehr von Belang. Entscheidend ist letztlich, dass religiöse Organisationen – allein durch ihre Existenz – erst die Voraussetzungen für ihre zum Extremismus neigenden Mitgliedern schaffen. Denn: Sowohl die christliche als auch die muslimische Religion können ihre kriegerische Historie nicht wegleugnen. Deren Geschichte ist schließlich Teil einer von Gewalt und Blut gekennzeichneten Tradition. Eine Tradition, die mit Blut, viel Blut geschrieben wurde.

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