Religion und Politik: Balanceakt zwischen den Extremen


Karsten Fischer reflektiert die Beziehung des modernen liberalen Staates zu den Religionen

Der Politikwissenschaftler Karsten Fischer analysiert das spannungsreiche Verhältnis zwischen Religion und Politik im liberalen Staat. Dessen weltanschauliche Neutralität gilt es gegen religiöse Einflüsse zu verteidigen, nicht zuletzt um der Religion größtmögliche Freiheit zu gewähren.

Von Samuel Müller /e-politik.de/

In seinem Buch Die Zukunft einer Provokation. Religion im liberalen Staat tritt Karsten Fischer für eine klare Trennung zwischen Religion und Politik ein – eine Position, die er in höchst aufschlussreicher Weise aus politiktheoretischer, ideengeschichtlicher und zuweilen theologischer Perspektive herleitet und begründet.

Die facettenreiche Problematik von Religion im politischen Raum entfaltet Fischer in elf ineinandergreifenden, neuen und überarbeiteten Aufsätzen. Dabei werden zunächst grundsätzliche Probleme des säkularen Verfassungsstaats und dessen Entstehung erörtert. Im zweiten Teil wendet sich der Autor dem religiösen Fundamentalismus zu. Sodann, mit Rekurs auf Ernst Troeltsch und in Abgrenzung zu Carl Schmitts politischer Theologie ebenso wie zu Jürgen Habermas‘ neuerlichem Religionsverständnis, kristallisiert sich insbesondere im dritten Abschnitt Fischers liberale Position deutlich heraus, die er im letzten Teil des Buches auf den Punkt bringt.

Die Kernthese

Die strikte Unterscheidung zwischen dem Religiösen und dem Politischen, so lässt sich Fischers Position zusammenfassen, ermöglicht die weltanschauliche Neutralität des liberalen Staats, wodurch dieser wiederum Religionsfreiheit für verschiedene Glaubensrichtungen gewährleisten kann. Das Problem ist dabei jedoch, dass es Religionen inhärent zu sein scheint, Wahrheitsgehalte zu propagieren, die das gesamte menschliche Dasein betreffen, wodurch eine Trennung von Religion und Politik zur unvermeidlichen Provokation religiöser Überzeugungen wird.

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1 Comment

  1. Religion und Politik sollten auch deshalb getrennt agieren, weil es den Menschen nicht zuzumuten ist, gleichzeitig Lügen aus zwei verschiedenen Quellen zu ertragen.

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