Der Pappa und die gesamte Christenheit – nicht ganz


Der Bischof von Rom soll allen dienen, denn das würde die gesamte Christenheit begrüßen, glaubt Reinhard Frieling. Foto: iStockfoto

Der Papst kann in außergewöhnlichen Situationen im Namen der gesamten Christenheit sprechen – so präzisiert der evangelische Ökumene-Experte Reinhard Frieling seine Aussagen zum Ehrenprimat des Papstes. Dies dürfe aber nur in Absprache mit den anderen christlichen Kirchen erfolgen.

Von Stephan Cezanneevangelisch.de

Er hoffe auf eine Gemeinschaft „mit, aber nicht unter dem Papst“, sagte Frieling knapp vier Wochen vor dem Besuch von Benedikt XVI. in Deutschland. Der langjährige Leiter des Konfessionskundlichen Instituts der evangelischen Kirche im hessischen Bensheim präzisierte damit frühere Medienberichte. „Der Papst kann um der Einheit der Kirche willen auf historisch gewachsene Rechte verzichten“, forderte der emeritierte Marburger Theologieprofessor. Mit einem gemeinsamen Ehrenoberhaupt würde das Christentum seine Botschaft glaubwürdiger vertreten „als eine in Tausende Kirchen gespaltene Religion.“

So müsse der Papst als „Diener der Einheit“ erlauben, dass sich Protestanten und Katholiken gegenseitig zum Abendmahl einladen. Frieling: „Meine zentrale Voraussetzung für eine Sprecherrolle des Bischofs von Rom ist ja die Forderung, der Papst müsse feierlich erklären, dass die Dogmen des I. Vatikanum über die Unfehlbarkeit und den Jurisdiktionsprimat nicht für die anderen Christen und Kirchen gelten.“ Die Dogmen wurden am 18. Juli 1870 während des Ersten Vatikanischen Konzils in Rom verkündet. Danach hat der Papst die höchste Rechtsgewalt in der Kirche.

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