Türkei gibt Kirchen zurück


St. Paul in Tarsus. In der südtürkischen Stadt wurde vor 2000 Jahren der Apostel und Märtyrer Paulus geboren, der als Wegbereiter des Christentums gilt. Quelle: FAZ.NET

Der türkische Premier Tayyip Erdogan geht auf die diskriminierten religiösen Minderheiten zu: Zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan unterzeichnete Erdogan jetzt ein Dekret, das die Rückgabe enteigneter Liegenschaften an religiöse Minderheiten ermöglicht. Die Türkei kommt damit langjährigen Forderungen der EU nach und setzt die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte um.

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Ministerpräsident Erdogan persönlich verkündete den neuen Erlass am Sonntagabend bei einem Iftar-Festessen, dem traditionellen Fastenbrechen, zu dem er Vertreter religiöser Minderheiten in den Innenhof des archäologischen Museums in Istanbul eingeladen hatte. „Ich weiß um die Ungerechtigkeiten, die verschiedenen religiösen Gruppen wegen ihrer Andersartigkeit widerfahren sind“, sagte Erdogan und versicherte: „Die Zeiten, in denen unsere Bürger wegen ihrer Religionszugehörigkeit, ethnischen Herkunft oder ihrer Lebensanschauung unterdrückt wurden, sind vorbei.“

Der Erlass sieht vor, dass Gebäude und Grundstücke aus dem Besitz armenisch-orthodoxer, griechisch-orthodoxer und jüdischer Stiftungen, die in den vergangenen 75 Jahren vom Staat konfisziert wurden, ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden. Betroffen sind Tausende Liegenschaften und Gebäude, darunter Kirchen, Kliniken, Klöster, Waisenhäuser, Altersheime, Schulen und Friedhöfe. Allein die griechisch-orthodoxe Minderheit in Istanbul, die nur noch 2500 Menschen zählt, hat im Laufe der Jahrzehnte durch Konfiszierungen fast 1000 Gebäude verloren.

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