Mordfall: Hirnforschung führt zu Strafminderung


Diagramm eines Monomers eines menschlichen Monoaminooxidase-A-Gens (MAO-A). Bild: gemeinfrei

Hirnforscher wollen durch die Messung von Gehirnfunktion und -struktur sowie die Untersuchung von Genen Zusammenhänge mit psychischen Erkrankungen und Aggressivität herstellen. Obwohl die Forschung noch kein klares Bild dieser Eigenschaften zeichnet, ist es einem italienischen Forscherteam nun erneut gelungen, in einem Mordfall eine Strafminderung zu erwirken.

Von Stephan Schleim – tp

Vor zwei Jahren sorgte der Mordfall des in Italien lebenden Algeriers Abdelmalek Bayout unter Wissenschaftlern wie in der Öffentlichkeit für Aufsehen: Für die Tat, bei der er nach einer Beleidigung einen Mann erstach, erhielt er aufgrund einer psychiatrischen Störung bereits in erster Instanz Strafminderung von zwölf auf rund neun Jahre. Nach dem Gutachten von zwei italienischen Hirnforschern wurde die Strafe in einem Berufungsverfahren um ein weiteres Jahr verkürzt. Den Richter hatte insbesondere die Ausprägung eines Gens überzeugt, das zuvor mit Aggressivität in Zusammenhang gebracht worden war (Gen vor Gericht?).

Jetzt wurde unter dem Vorsitz der Richterin Luisa Lo Gatto in Como, in der Nähe von Milan, in einem Mordfall nach der Vorlage neurowissenschaftlicher Gutachten erneut Strafminderung gewährt (Italian Court Reduces Murder in Nature News). Die verurteilte Italienerin Stefania Alberti hatte sich bereits 2009 für schuldig bekannt, ihre Schwester umgebracht, die Leiche verbrannt und ihre Eltern umzubringen versucht zu haben. Die neurowissenschaftlichen Gutachter waren wie in dem Fall zuvor Pietro Pietrini, Professor für molekulare Genetik und Psychiatrie an der Universität Pisa, sowie Giuseppe Sartori, Professor für kognitive Neurowissenschaft an der Universität Padova.

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2 Comments

  1. Ich stimme Argus7 voll zu.
    Ich bin der Ansicht, dass es für jede Straftat eine Kombination von Gründen und Ursachen gibt. Aber das würde bedeuten, dass selbst Hassverbrechen so ausgelegt werden können, dass der Täter ein Opfer seiner eigenen Umgebung, Erziehung, Genetik und der Ausprägung seiner Selbstkontrolle ist.
    Selbst wenn man aber dem Täter jede Schuld abspricht, besteht trotzdem die Gefahr, dass es zu Wiederholungstaten kommt.
    Eine Sicherheitsverwahrung so lange wie die Ursache der Tat noch existiert ist einfach eine logische Folgehandlung, wenn die Gemeinschaft geschützt werden soll.

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  2. Es mag zutreffen, dass genetische Gegebenheiten eine Straftat begünstigen. Dies aber als strafmindernd zu werten, halte ich für absurd. In einem solchen Fall muß ein solchermaßen gefährdeter Delinquent (bedauerlicherweise) eben vor sich selbst geschützt werden. Das kann – so hart es auch erscheinen mag – lebenslängliche Verwahrung bedeuten. Wenn bei einem Menschen die natürliche Tötungshemmung nicht mehr kontrollierbar ist, muß dem prophylaktischen Opferschutz konsequenterweise der Vorrang eingeräumt werden.

    Ich habe nie verstanden, weshalb ein Gericht einem Verbrecher mildernde Umstände zubilligt, nur weil er seine Tat unter Alkohol- oder Drogenwirkung begangen hat. Es muß in der Eigenverantwortung eines jeden Menschen liegen, soviel Selbstverantwortung zu entwickeln, um diese Gefahren vorher zu erkennen und sich darauf einzustellen. Ein Mensch, der dazu nicht mehr in der Lage ist, darf sich nicht mit solchen Argumenten Strafmilderung erkaufen. Er muß wissen, dass er auch in einem solchen Fall für seine Tat die volle, uneingeschränkte Verantwortung zu tragen hat. Alles andere kommt einer Verhöhnung und Missachtung des Opfers gleich.

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