Katholische Modernität: Aufstand der 300


Am Montag dieser Woche stand der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari dem ORF-Moderator der ZIB 2 Rede und Antwort. Das war gewiss ein schmerzvollerAkt persönlicher Integrität. Als er gefragt wurde, was an der Ungehorsamserklärung der 300 katholischen Priester rund um den ehemaligen Präsidenten der österreichischen Caritas und Ex-Generalvikar der Erzdiözese Wien, Helmut Schüller, möglicherweise akzeptabel sei, hatte der Bischof seine liebe Not.

Von Peter StrasserDie Presse

In schlicht laienhafter Form: Zu hören war Herumgerede. Ganz anders seine Reaktion auf die gegenteilige Frage, was denn gar nicht für die Amtskirche akzeptabel sei. Plötzlich kam die Antwort rasch, ein wenig überforciert, mit einem Gesichtsausdruck, als wollte uns, dem Fernsehvolk, der Kirchenfürst bedeuten: Da hilft nichts, da müssen wir jetzt durch!

 

Also erstens, vollkommen inakzeptabel ist die Forderung, dass Frauen sakrale Funktionen ausüben sollten, namentlich die des Priesters. Dagegen stünden mehrere päpstliche Erklärungen. Und zweitens, inakzeptabel sei auch die Forderung nach Abschaffung des Zwangszölibats, das – ich spreche offen aus, was der Bischof durch seinen gesenkten Blick wohl mitfühlend signalisierte – die katholischen Priester dazu verdammt, ihr Sexualleben im Geheimen zu kultivieren, ob als Hetero- oder Homosexuelle, als bloße Beischläfer oder Väter unehelicher Kinder.

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