Religion ohne Priester


Paul M. Zulehner widerspricht der Säkularisierungsthese. Zwar suchten viele Kirchenmitglieder das Weite, doch werde dies durch die Suche nach ungebundener spiritueller Weite und das Anwachsen des Islams ausgeglichen: Religion verschwinde nicht, sie „verbunte“.

Von Kurt RemeleDie Presse

Als der Vater des US-amerikanischen Radiomoderators und Senators Al Franken im Sterben lag, bekundete Rabbi Black, zu dessen Synagoge die Familie Franken gehörte, seinen dringenden Wunsch, den schwer kranken Mann zu besuchen.
Da Al Frankens Vater selbst nie darum gebeten hatte, mit einem Geistlichen über sein bevorstehendes Ableben zu sprechen, lehnte sein Sohn den Wunsch des Rabbiners ab. Kurze Zeit später meldete sich Rabbi Black noch einmal. Wäre es möglich, vorbeizuschauen und die Ehefrau des Sterbenden zu trösten? Da seine Mutter ein nervliches Wrack war, stimmte Franken diesmal zu.

Rabbi Black kam, doch wurde bald klar, dass der Besuch der Mutter nur ein Vorwand gewesen war, doch noch ins Gespräch mit dem sterbenden Vater zu kommen. Franken ging also in dessen Zimmer und teilte ihm mit, Rabbi Black wolle mit ihm reden. „Nun, ich kenne ihn eigentlich gar nicht“, sagte der alte Mann, und mit einem Achselzucken fügte er schließlich hinzu: „Na gut, wenn er glaubt, dass ihm das irgendwie guttun wird.“

weiterlesen

2 Comments

  1. Wie bitte ? Religion „verbuntet“ ? Sollte es nicht eher heissen: Religion verdummt ? Aber das mit dem „verbunten“ mag auch stimmen. Jedes Mal, wenn mir jemand mit „Religion“ kommt, sehe ich rot und ich ärgere mich grün und blau. Mir wird dann aber auch mal schwarz vor den Augen, wenn mir einer die Bibel vor die Augen hält !

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.