Sterbehilfe Österreich: Was dürfen Ärzte?


Bild: (c) APN (Thomas Kienzle)

Weil der Begriff Sterbhilfe viele Unsicherheiten enthält, schlägt die Bioethikkommission neue Begriffe dafür vor. Ulrich Körtner, Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, fordert eine Debatte über Sterbetourismus.

Von ULRIKE WEISERDie Presse

Die Presse: Die Bioethikkommission empfiehlt der Politik eine neue „Terminologie medizinischer Entscheidungen am Lebensende“. Warum?

 Ulrich Körtner: Im deutschen Sprachraum gibt es eine große Unsicherheit, was Begriffe wie aktive und passive Sterbehilfe bedeuten. Noch komplizierter wird es, wenn man international diskutiert: „Euthanasia“ im Englischen meint Sterbebegleitung, bei uns verbindet man mit Euthanasie das Töten von Behinderten im Nationalsozialismus. All das führt zu Unsicherheit, auch in der ärztlichen Praxis.

Was sind die Probleme in der Praxis?

Beispiel Sondenernährung. Ein schwer gelähmter Patient mit Schluckstörung, der geistig klar ist, soll eine Magensonde bekommen. Er weigert sich. Nach § 110 StGB ist– sofern der Arzt ausdrücklich angezeigt wird – jede Behandlung eines Patienten gegen seinen Willen strafbar. In unserem Beispiel könnte sich der Arzt aber fragen: Was, wenn der Patient sich durch Verhungern das Leben nehmen will? Mache ich mich der Beihilfe zum Suizid strafbar? Dieselbe Handlung kann sowohl als Suizidbeihilfe als auch als gebotene Befolgung des Patientenwillens interpretiert werden, wobei die herrschende Lehre hier Letzteres annehmen würde.

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