Die Evolutionstheorie als naturalistische Ideologie?


Ich bin nicht religiös aufgewachsen. Auch wenn ich grosse Lebenskrisen hatte, habe ich nie die Frage gestellt, was der Sinn des Lebens sei oder was der Sinn meiner Lebenskrise sein soll. In der Natur hat gar nichts einen Sinn. Wieso soll dann gerade mein Leben einen Sinn haben?

Von Peter SchneiderBasler Zeitung

Weil wir so schlecht darauf verzichten können, ihm einen zu unterstellen. Wir besetzen damit die Leerstelle, die der Tod Gottes hinterlassen hat. Die Natur hat keinen Sinn? Aber erfahren wir nicht täglich aus den Wissenschaftsseiten unserer Zeitungen, warum sich Frauen an ihren fruchtbaren Tagen vor allem Männern mit Glatze oder Geld (oder beidem) als Sexualpartner zuwenden, warum der Buntbarsch so bunt ist und warum im Gehirn das Belohnungszentrum aktiv ist, wenn wir einen Schummler beim Jassen bestrafen – kurz, wie evolutionär «sinnvoll» die Natur und unser Verhalten sind?

Eigentlich hatte Darwin mit der Vorstellung eines Natursinns ein für alle Mal aufgeräumt, indem er die Entstehung der Arten als Effekt blinder Mutation und Selektion erklärte. Doch die populären «Adaptive Stories» des popularisierten Neodarwinismus sind voller Behauptungen über einen verborgenen «Sinn» von diesem und jenem. Dass manche Evolutionisten so allergisch auf die Kreationisten reagieren, hängt vielleicht damit zusammen, dass die Evolutionstheorie selber Züge einer naturalistischen Theologie angenommen hat, einer Quasi-Theologie, in der die «natürliche Ordnung» als letzte moralische Instanz dient.

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4 Comments

  1. Hier findet mal wieder der Fehlschluss statt, dass aus einer empirischen Feststellung (Evolution findet statt) irgendwelche moralischen Schluesse gezogen werden muessen.

    Evolution ist keine Ersatzreligion oder Theologie. Ebenso wenig ist es der Gravitationismus. Mir ist nicht ganz klar, was er mit „popularisierten Neodarwinismus“ meint. Vermutlich etwas, dass ich als Biologe nur schwer mit dem in Verindung bringen kann, was ich unter Evolution oder Evolutionstheorie verstehe.

    In meinen Augen mal wieder sehr viel heisse Luft.

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  2. Es ist eher die Kunst, sich selbst einen Sinn im eigenen, manchmal sehr kurzen Leben zu geben. Damit haben wir genug zu tun.

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  3. Man mag an der 1859 begründeten Evolutionstheorie zweifeln. Aber immerhin lieferte diese Theorie in 152 Jahren weitaus mehr Beweise für ihre Richtigkeit, als das Christentum in rund 2000 Jahren als Gottesbeweis zu liefern imstande war. Wenn man es richtig betrachtet, gibt es auch heute noch keinen einzigen Beweis für die Existenz eines allmächtigen Schöpfergottes. Oder hat sich diesbezüglich in der Zwischenzeit etwas getan ? Die Antwort darauf ist…(wie nicht anders zu vermuten) großes, vielsagendes Schweigen ! Die Welt muß also weiterhin das glauben, was man ihr schon seit zwei Jahrtausenden einzureden versucht. Lügen haben eben nicht nur kurze Beine, sondern offenbar auch einen ewiglangen Atem.

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  4. „Der Sinn des Lebens ist das Leben.“
    Alles Andere ist, wie über die Jahrtausende hinweg erwiesen, trotzdem nach wie vor praktizierter, für manche Sinnprediger allerdings sehr profitabler, UNSINN.

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