Evolutionsbiologie: Hochstapelei sollte ausgestorben sein


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Für Evolutionsbiologen ist es rätselhaft: Hochstapelei sollte sich nicht durchsetzen, sie sollte längst verschwunden sein. Doch Selbstüberschätzung zahlt sich aus, sagt der britischer Forscher Dominic Johnson.

Die Presse

Jeder Autofahrer, oder zumindest fast jeder, weiß, dass er besser Auto fährt als alle anderen. So ist es auch bei der Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten und der Attraktivität (bei ihr überschätzen sich allerdings nur Männer). Auch die eigene Führungsstärke wird hoch eingeschätzt, und 94 Prozent der College-Professoren halten sich für überdurchschnittlich gute Lehrer.
Für Evolutionsbiologen ist das rätselhaft: Hochstapelei sollte sich nicht durchsetzen, weder in der Selektion um Ressourcen noch in der um Sex, im Gegenteil, sie sollte längst verschwunden sein. Also muss sie doch irgendwelche Vorteile haben. Bisher setzte man vor allem darauf, dass wirklich größer und stärker ist, wer es in den Augen der anderen ist – und dass niemand besser für diesen Eindruck sorgen kann als der Betroffene selbst, mit dem, was er (auch gegenüber sich selbst) ausstrahlt: Muhammed Ali sah sich selbst als „König der Welt“, die anderen sahen ihn so, er war es.

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2 Comments

  1. „Aber so ist es nur, wenn B wirklich die Kraft 10 hat und A das weiß. Solche Situationen mit vollständiger Information sind selten, vielleicht hat B auch nur 8 oder noch weniger? Dann kann es sinnvoll sein, die eigene Kraft zu überschätzen und in den Kampf zu gehen“
    Dieses Argument ist entweder unvollständig oder einfach nur unlogisch.
    Geht ein Schwacher in einen Kampf mit einem Starken, und die Kraftverhältnisse sind anfänglich unbekannt, so brauch der Schwache schon Glück, um den Kampf zu gewinnen. Die Anzahl seiner Siege bei einer Vielzahl solcher Kämpfe sollte aber eher gering sein.

    Ich vermute, es ist ein bisschen anders.

    Menschen mit hoher Selbstüberschätzung zeigen diese Einschätzung des Selbst nach außen. Wenn es dabei zum Beispiel um Führungskraft geht und dem Selbstüberschätzer begegne in einer Gruppe genügend andere Menschen, die dem Schein glauben, erhält dieser eine Unterstützung.
    Wo objektiv ein „Führungskraftswert“ von 10 plus ein bisschen notwendig wäre, um sich gegen einen Konkurrenten durchzusetzen, reicht auf einmal ein Wert von 8 plus die Fehleinschätzung der anderen, um die Verhältnisse tatsächlich zu kippen.
    Es gibt sogar Fälle, wo die Selbstüberschätzung erst durch eine anfängliche (und manchmal absichtliche) Fehleinschätzung einer kleinen Anzahl von Unterstützern induziert wird, was dann dazu führt, dass sich weitere täuschen lassen und selbst zu Unterstützern werden. Eine Million Fliegen können nicht irren.

    Ein anderer Mechanismus liegt in der Wahrscheinlichkeit. Wenn eine Kraft von 10 bedeutet, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit 10% beträgt und eine Kraft von 8 entsprechend 8%, dann ist die Erfolgswahrscheinlichkeit für den 8er, wenn der Kampf gar nicht erst angetreten wird, gleich 0. Ein Antreten kann also sinnvoll sein.

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