Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Geht’s noch Herr Kauder???
[…]“Die ganze Welt muss wissen, dass Gottes Idee von einem guten Deutschen Bonhoeffer entspricht“, erklärte Metaxas seine Motivation, ausgerechnet eine Bonhoeffer-Biografie zu veröffentlichen. Der Yale-Absolvent hat deutsche Wurzeln – und ist bekennender Christ. Auch deshalb habe die Geschichte des Widerständlers Bonhoeffer sein Herz und seinen Verstand „gefangengenommen“, wie er sagte. Erst ein befreundeter Christ habe ihn in den 80er Jahren mit der Geschichte des Märtyrers bekannt gemacht. Metaxas fragte sich damals: „Warum habe ich diese Geschichte noch nie gehört?“ Heute hofft er, dass nicht nur jeder Deutsche, sondern auch jeder Amerikaner sich mehr mit dem Leben des berühmten Theologen beschäftigt. Jeder solle erfahren, dass die Nazis antichristlich waren, auch wenn sie sich selbst als Christen dargestellt hätten. Bonhoeffer selbst habe immer klar und eindeutig zu seinem Glauben gestanden, kurz vor seinem Tod stärker denn je. „Ich bete, dass Bonhoeffers prophetische Stimme auch heute noch gehört wird“, sagte Metaxas und rief die Kirchen zu mehr Selbstbewusstsein auf: Kirche müsse Kirche sein, auch jenseits der political correctness. Damals wie heute passe sich die Gemeinde zu sehr der Welt, der Gesellschaft und dem Zeitgeist an. Kauder nannte Bonhoeffer schlicht „einen Helden“. Metaxas Buch zeige seine „tiefe Gläubigkeit und Gottesergebenheit“. Doch der Autor werfe auch einen neuen Blick auf Bonhoeffer. Erstmals verschaffe er durch spannende und eindrückliche Erzählweise einem neuen, größeren Publikum Zugang zu dem Geistlichen. Auch Kauder machte klar, dass Gott im Dritten Reich nicht einfach verschwunden sei: „Er wurde von den Nationalsozialisten aus der Zeit verbannt“, sagte er. Stattdessen hätten die Nazis versucht, das Christentum zu instrumentalisieren. „Die Weimarer Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten gescheitert, sondern an zu wenigen Demokraten und Christen zu Grunde gegangen“, sagte Kauder. Bonhoeffer habe gezeigt, dass das „Reden und Handeln“ möglichst „nahe beieinander liegen soll“. Er hoffe nun auf Erfolg des Buches in den USA, „weil es einen Deutschen vorstellt, auf den wir allen Grund haben, stolz zu sein“.[…]

Geht’s noch Herr Gröhe???
[…]Kurz vor dem Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. hat CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die katholische Kirche gegen Kritik an der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen verteidigt. „Die dramatischen Missbrauchsfälle wurden und werden in der Öffentlichkeit für eine anti-katholische Stimmungsmache genutzt“, sagte Gröhe der „Saarbrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Dagegen werde die CDU „die Kirche aus sehr grundsätzlicher Nähe heraus immer in Schutz nehmen.“ Es habe „schreckliche Vorfälle“ gegeben, sagte Gröhe. Doch die katholische Kirche arbeite diese und auch eigene Fehler entschieden auf.[…]

Hilfe, da bleibt einem ja die Spucke weg …
[…]Bischöfe beklagen Merkels Distanz zur katholischen Kirche. Deutschland bereitet sich auf den Besuch des Papstes vor. Indes beklagen Kirchenvertreter wie Prälat Karl Jüsten, Leiter des Büros der deutschen Bischofskonferenz in Berlin, „Entfremdungserscheinungen“ zwischen dem Klerus und Kanzlerin Merkel. Das lange Zeit gute Verhältnis zwischen CDU und katholischer Kirche bleibt unter der evangelischen Parteichefin merkwürdig distanziert. Laut Aussagen von Insidern fühlen sich die Bischöfe im Kanzleramt nicht mehr zu Hause. Und dies nicht erst, seit die evangelische Pfarrerstocher vor zwei Jahren den Papst wegen dessen vermeintlicher Annäherung an die Pius-Brüder öffentlich kritisierte. In der Debatte um Gentests an Embryonen (die sog. „Präimplantationsdiagnostik“ PID) gab Merkel ihrer Partei keine klare Linie zum Lebensschutz vor, stattdessen überließ die Kanzlerin den Oppositionsvertretern das Feld. Merkels Bildungsministerin Annette Schavan sprach sich Anfang des Jahres für die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt aus. Die römische Kurie schwieg offiziell. Konservative Katholiken kritisierten indes den peinlichen Versuch, dem Heiligen Vater vor seinem Deutschlandbesuch ein Thema diktieren zu wollen. Dem 2009 gegründeten konservativen „Arbeitskreis engagierter Katholiken in der CDU“ verweigert Merkel gar bis heute die Anerkennung als Parteigremium.[…]

Kein Auffüllen von leeren Plätzen Grüner Papst-Boykotte
[…]Doch wenn Plätze leerblieben, würden sie nicht aufgefüllt. „Uns hat die Verwaltung (des Bundestags) gesagt, dass man nicht auffüllt, wenn man nicht darum bittet“, erläuterte Beck. Und die Grünen bäten nicht darum. „Es gehört zum Recht, auch fernzubleiben“, sagte Beck. Der Papst biete genügend Anlass für fundierte Kritik. Mit Provokationen im Parlament rechne er nicht, sagte Beck. „Es gibt vielleicht Leute, die was am Revers tragen.“ Sollte der Papst allerdings provozieren, hätten die Abgeordneten immer die Möglichkeit zu reagieren – etwa indem sie den Saal verließen. Die Grünen wollten dem Papst im Bundestag Respekt entgegenbringen, auch wenn sie an ihren Bedenken daran festhielten, dass er im Bundestag rede[…]

Nahles unerträgliche Bigotterie
[…]Ebenso Generalsekretärin Andrea Nahles. Die praktizierende Katholikin lässt deutliche Worte in Richtung ihres Parteikollegen fallen. In einem Interview mit der „Rhein-Zeitung“ verteidigte sie unlängst die Visite von Benedikt: Aus ihrer Sicht sei der Papst eine der „wichtigen Stimmen in der Welt, im wahrsten Sinne ein Global Player“. Und fügt in Richtung der Abtrünnigen hinzu: „Ich bin der Ansicht, dass der Deutsche Bundestag in keiner Weise missbraucht wird. Niemand ist gezwungen, katholisch zu sein oder das zu glauben, was der Papst verkündet.“ Nahles spricht davon, dass seine Rede im Bundestag für alle Abgeordneten, unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht, ein Ereignis sei. Das Problem ist, dass einige ihrer Parteikollegen das anders sehen: „Ich empfinde es als Versuch der Missionierung, dass der Papst im Bundestag sprechen wird“, sagt etwa Marlies Volkmer, SPD-Abgeordnete aus Sachsen. Ob sie dem Event trotzdem beiwohnen wird oder nicht, das wird sie spontan entscheiden. Eine, die an diesem Donnerstag ganz sicher nicht auf ihrem Stuhl im Bundestag Platz nehmen wird und auch offen dazu steht, ist die Dortmunder Abgeordnete Ulla Burchardt. Sie lehnt den Besuch kategorisch ab mit den Worten: „Ein Staatsoberhaupt, das Arbeits- und Frauenrechte und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung missachtet, sollte nicht im Bundestag sprechen“. Die Abgeordnete spricht auch davon, dass es in Teilen der SPD „subtile Vorbehalte“ gegenüber Kirchenkritikern gäbe[…]

Irlands junge Katholen haben die Schnauze gestrichen voll vom Scheinheiligen Stuhl
[…]Dublin, 21.09.2011 (KAP) Viele junge Katholiken in Irland wünschen sich nach den Worten von Erzbischof Diarmuid Martin mehr Abstand zum Vatikan. Manche forderten in einem Schreiben an ihn sogar einen Bruch mit Rom und die Gründung einer „irisch-katholischen“ Kirche, sagte der Erzbischof von Dublin bei einer Rede vor 25 ausgewählten Vertretern katholischer Jugendorganisationen. „Junge Leute haben Probleme mit den Strukturen und den Institutionen der Kirche“, wird Martin am Mittwoch in der irischen Presse zitiert. Das gelte für alle christlichen Kirchen, „besonders aber für die römisch-katholische Kirche, die eine besondere Hierarchie und komplexe weltweite Strukturen hat“. Obwohl die Art und Weise der Ausübung der päpstlichen Autorität geändert werden könne, gehörten das Amt der Bischöfe und das des Papstes zum Wesen der katholische Kirche, so Martin. Für die Entfremdung junger Menschen von der katholischen Kirche machte der Erzbischof nicht nur die Missbrauchskandale verantwortlich. Eine Rolle spiele auch der Umstand, dass die Kirche vielfach nicht auf junge Leute höre. „Einerseits sehen viele junge Leute die Kultur der Kirche als fremd in Bezug zu ihrem Denken und ihren Hoffnungen an; andererseits werden sie von der Kirche oft als Fremde behandelt, die altbewährte Dinge über den Haufen werfen wollen“, sagte Martin laut der Zeitung. Die wahre Herausforderung für alle Kirchen sei es, Jugendlichen beim Verständnis des tieferen Sinns des Lebens und der Bedeutung ihres christlichen Glaubens zu helfen, sagte der irische Primas. Die religiöse Erziehung in Irland müsse dafür „radikal geändert“ werden[…]

Die Wahrheit über die angeblich ach so motivierte Missbrauchsaufklärung der Katholiban
[…]Gegen 51 Geistliche werden bzw. wurden kirchenrechtliche (sog. kanonische) Verfahren wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs geführt. 28 Verfahren sind noch anhängig, 18 Geistliche sind suspendiert, aber gerade mal zwei wurden mit der kirchenrechtlichen härtesten Sanktion, der Entlassung aus dem Klerikerstand, belegt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ unter allen 27 deutschen Bistümern. 20 von ihnen haben die Fragen zumindest teilweise beantwortet. Insgesamt gibt es seit 1945 Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei insgesamt 521 Priestern und Diakonen. Allerdings haben 10 Bistümer hier eine Antwort mit Hinweis auf laufende Forschungsprojekte verweigert. Damit existiert also eine erhebliche Dunkelziffer.Der Pädagoge Johannes Heibel von der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch stellt im Interview mit „Report Mainz“ fest, „dass einfach bei zölibatären Verfehlungen viel schneller gehandelt wird. Aber bei sexuellem Missbrauch von Kindern hat man dann ganz viel Zeit und dann ist da oft auch keine Konsequenz“. Heibel hat gerade im Bereich der Kirche etliche Fälle von Missbrauch aufgedeckt. „Report Mainz“ wollte ebenfalls vom Vatikan wissen, wie viele Verfahren gegen Priester in Deutschland eingeleitet wurden, mit welchem Ergebnis, wie viele von ihnen aus dem Klerikerstand entlassen wurden. Der Heilige Stuhl hat keine der Fragen beantwortet. Hintergrund des Berichtes in „Report Mainz“ ist ein von Papst Benedikt XVI. am 15. April 2008 bei seiner USA-Reise gegebenes Versprechen. Damals sagte der Heilige Vater wörtlich: „Wir werden Pädophile unbedingt vom Priesteramt ausschließen. Das ist absolut unvereinbar. Und wer wirklich schuldig ist, ein Pädophiler zu sein, kann kein Priester sein.“[…]

Farbbeutelwürfe auf die Apostolische Nuntiatur und die Angst geht um
[…]Rom (kath.net/un) Im Vatikan und in Italien zeigt man sich – entgegen offizieller Beteuerungen – besorgt um die Sicherheit des Papstes während dessen Besuchs in der deutschen Hauptstadt. „Der Farbanschlag auf die Apostolische Nuntiatur in Berlin (siehe Foto) zeigt Sicherheitslücken, die es so nicht geben darf“, bemängelt ein ehemaliger ranghoher Beamter des italienischen Polizei-Inspektorats beim Vatikan. „Die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls in dem Land, das der Papst aufsucht, gehört schon in den Tagen vor der Visite gründlich observiert, vor allem dann, wenn der Heilige Vater sich dort aufhalten und in ihr übernachten wird“. Die im Fernsehen publikumswirksam gezeigte Versiegelung von Straßengullys und restriktive Beschränkungen der Bewohner und Besucher von Orten an neuralgischen Punkten des Besuchs würden bei solchen Versäumnissen der deutschen Sicherheitskräfte als Karikatur wirken, heißt es aus Rom. Angesichts der von aggressiven Gegnern des Papstes und der katholischen Kirche aufgeheizten Atmosphäre in der Bundeshauptstadt müsse ein besonderes Augenmerk auf Spontanaktionen gelegt werden. Außer von deutscher Seite aus wird Benedikt XVI. auch von vatikanischen Ordnungshütern beschützt werden; zwei Offiziere der Päpstlichen Schweizergarde und fünf Beamte der vatikanischen Gendarmerie, angeführt von ihrem Kommandanten Dr. Domenico Giani, werden den Heiligen Vater auf seiner Reise begleiten.[…]

Gute Nacht, Ratze 😀
[…]Berliner Papstgegner wollen Benedikt XVI. um den Schlaf bringen. Sie meldeten für Donnerstag zwischen 19 bis 20.30 Uhr eine Demonstration mit 50 Teilnehmern in der Nähe der Apostolischen Nuntiatur an, wie die Berliner Polizei am Dienstag auf Anfrage angab. Im Internet ist dagegen von einer Kundgebung bis Mitternacht die Rede. Dabei sollen unter dem Motto «Schlaflos in Kreuzberg» ein «Soundsystem» und «Musikinstrumenten» eingesetzt werden. In der wenige hundert Meter entfernten Nuntiatur übernachtet Papst Benedikt XVI. am ersten Tag seines Deutschlandbesuchs. In diesem Zeitraum ist das Umfeld der Nuntiatur weitgehend und großflächig gesperrt. Ein Polizeisprecher erklärte, für die Lautstärke der Proteste gälten die emissionsrechtlichen Regelungen. Erfahrene Polizeibeamte würden kontrollieren, dass die Nachtruhe nicht gestört werde. Ob diese Gefahr bestehe, sei derzeit nicht absehbar. Bereits am Mittwochabend ist nach Polizeiangaben eine Demonstration mit rund 150 Teilnehmern gegen den CDU-Empfang im Konrad-Adenauer-Haus geplant, der anlässlich des Papstbesuchs stattfindet. Dort werden um 18 Uhr unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erwartet. Die zentrale Berliner Anti-Papst-Demonstration beginnt am Donnerstag um 16 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Die Veranstalter, ein Aktionsbündnis aus 67 Gruppierungen, rechnen mit bis zu 20.000 Teilnehmern.[…]

Was die Welt bestimmt nicht braucht …
[…]Eine Gebetsaktion für die „bibellose Welt“ hat die internationale Organisation Wycliff (Orlando/US-Bundesstaat Florida) am 19. September gestartet. Bis zum 11. November sollen Christen bei Gott dafür eintreten, dass alle Menschen möglichst bald die Heilige Schrift in ihrer Muttersprache lesen können. Obwohl die Organisation seit 1934 daran arbeitet, das „Buch der Bücher“ auch in wenig verbreitete Sprachen zu übersetzen, die teilweise keine Schrift haben, ist man von diesem Ziel noch weit entfernt. Nach Wycliff-Angaben gibt es mehr als 6.800 Sprachen. Etwa 340 Millionen Menschen, die 2.000 Sprachen sprechen, haben noch keine Bibel in ihrer Muttersprache. Für 457 Sprachgruppen liegt bereits die gesamte Heilige Schrift (Altes und Neues Testament) vor; 1.211 haben wenigstens eine eigene Ausgabe des Neuen Testaments. Bis heute haben Wycliff-Mitarbeiter an rund 700 fertig gestellten Bibelübersetzungen mitgearbeitet. Die Organisation ist in mehr als 90 Ländern tätig. Zu ihrer Tätigkeit gehören vielfach auch die Erarbeitung einer Schriftsprache und die Organisation von Leseunterricht. Für Wycliff sind über 5.000 Mitarbeiter tätig. Wycliff Deutschland mit Sitz in Burbach bei Siegen setzt rund 140 Personen in 35 Ländern ein. Die Organisation ist nach dem englischen Theologen und Philosophen John Wycliff (1330-1384) benannt.[…]

Evangelikale loben die Katholiban, ist doch klar
[…]Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) begleitet den bevorstehenden Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. mit großem Interesse. Als Teil der evangelischen Kirchen in Deutschland sei es ihr Wunsch, so das Präsidium der VEF, dass durch die Begegnung die Einheit der Menschen gestärkt werde, die an Jesus Christus glauben. Trotz aller Unterschiede in kirchlichen Fragen sei es wichtig, die Verbundenheit in Christus zum Ausdruck zu bringen. Der Präsident der evangelischen Freikirchen, Präses Ansgar Hörsting, betont: „Wir wissen, dass der Papst im Sinne der römisch-katholischen Lehre andere Kirchen und somit auch Freikirchen nicht als ebenbürtig anerkennt. Dies wird sich durch diesen Besuch nicht ändern. Wir sind trotzdem dankbar, dass auf lokaler Ebene oft ein respektvolles und offenes Miteinander besteht. Wir hoffen, dass dies in Zukunft noch mehr geschieht.“ Man wünsche sich als Freikirchen eine vertiefte gegenseitige Wahrnehmung. Das Präsidium würdigt insbesondere die Äußerungen des Papstes zur zentralen und zeitlosen Bedeutung von Jesus Christus.[…]

RatzeBene, Deutschland und die Lutheraner
[…]Der Papst hat kein Land außer Italien öfter besucht als dieses. Er will zu Deutschland gehören, aber er gehört Deutschland nicht. Von 1,2 Milliarden Katholiken weltweit leben 24,6 Millionen hier. Zum Vergleich: Brasilien hat 155 Millionen. Was der Global Player in Freiburg sagt, soll auch in Rio Bestand haben. Das macht konkrete Versprechen wenig wahrscheinlich. Vor gut dreißig Jahren, beim Besuch von Johannes Paul II. in München, kritisierte die Vorsitzende des Bundes Katholischer Jugend, abweichend vom Manuskript, die katholische Sexualmoral. Joseph Ratzinger, damals Erzbischof von München und Freising, war verärgert. Mittlerweile löst das Thema eher Resignation als Redelust aus, auch bei Jugendlichen. In der Kirche von heute ist nicht mehr die Basis zuständig für Unvorhergesehenes, sondern die Spitze. Warum also kommt der Papst nach Deutschland? Der Vatikan schweigt, der Gläubige kann es sich denken: weil Benedikt XVI. das Land Luthers nicht sich selbst überlassen will.[…]

David Bergers Analyse:
[…]Was soll die Reise durch Deutschland bezwecken?  Der Vatikan weiß natürlich, dass die Katholische Kirche wegen des Missbrauchsskandals im vergangenen Jahr viel verloren hat: Glaubwürdigkeit, Spenden, Mitglieder. Da die deutsche katholische Kirche eine der finanzkräftigsten weltweit ist, kann man sie nicht kampflos aufgeben. Und was ist die Antwort? Eine große Show, es sollen jubelnde Menschen zu sehen sein. Das müssen übrigens nicht einmal Deutsche sein. Es ist bekannt, dass für die Messe im Berliner Olympia-Stadion systematisch unter katholischen Polen geworben wurde. Damit sie auch kommen, hat der Vatikan im Eiltempo Johannes Paul II selig gesprochen. Das hat Benedikts Popularität in Polen natürlich gesteigert. Glauben Sie, dass mit Papst Benedikt XVI. die konservative Ära im Vatikan endet?
Nein. Jeder im Vatikan, mit dem ich darüber gesprochen habe, sagt das Gegenteil. Der nächste Papst wird wahrscheinlich aus Lateinamerika oder Afrika kommen. Er wird zwar in der Außendarstellung moderner sein, aber in moraltheologischen und sozialen Fragen noch konservativer als der jetzige Papst. Dafür hat Benedikt XVI. gesorgt. Sie müssen sich nur anschauen, welche Macht das ultrakonservative Opus Dei unter seinem Pontifikat gewonnen hat. Es gibt kaum noch einen Bischofsstuhl, der nicht mit einem Sympathisanten oder Mitglied des Opus Dei besetzt wird. Bei den Kardinälen sieht es nicht viel anders aus. Es wäre schon ein Wunder, wenn unter diesen Bedingungen ein Liberaler Papst werden könnte. Was hält der Priesternachwuchs davon? Die Alten kennen wenigstens noch die Zeiten des reformfreudigen Zweiten Vatikanischen Konzils. Die junge Garde nicht. Sie ist bewusst konservativ bis sehr konservativ und kokettiert sogar damit. Sie weiß, dass sie mit dieser Haltung Karriere machen kann.[…]

Der Zölibat, die unreine menstruierende Frau und das liebe Geld
[…]Mehr als tausend Jahre lang hat die Kirche verheiratete Männer zu Priestern geweiht, selbst einige Päpste hatten Frau und Kinder. Erst im Mittelalter wurden Priesterehen für ungültig erklärt. Ein altes Ideal des Mönchtums, sagen die einen, ein finanzieller Vorteil für die Kirche, meinen andere. Wie es zum Pflichtzölibat kam und wie die Kirche der Gegenwart damit umgeht … In der jungen Kirche der ersten Jahrhunderte war niemand zu sexueller Enthaltsamkeit verpflichtet. Erste Gruppen von Mönchen folgten freiwillig ihren eigenen Idealen von Askese, die später als die drei „evangelischen Räte“ (Armut, Gehorsam, Keuschheit) bezeichnet wurden. Als die christliche Religion unter Kaiser Konstantin zunehmend zur Massenbewegung wurde, entwickelte sich der Klerus (Diakone, Priester und Bischöfe) zu einer Berufsgruppe, für die eigene Zugangsvoraussetzungen definiert wurden. Diejenigen, die mit Brot und Wein während der Feier des Abendmahls in Berührung kamen, sollten kultisch rein sein, also nicht durch die Berührung von Samenflüssigkeit oder Blut befleckt werden. Frauen galten aufgrund von Menstruations- und Geburtsblut daher seit der Frühkirche als Quelle der Unreinheit und waren vom Altardienst ausgeschlossen. Diese vom Priester geforderte „Leistungsaskese“ diente der Abgrenzung nach außen und ging mit der Entstehung von Hierarchie nach innen einher, so Dr. Hubertus Lutterbach, Professor für Christentums- und Kulturgeschichte an der Universität Duisburg-Essen … Erst das zweite Konzil, das im römischen Lateranpalast im Jahr 1139 abgehalten wurde, erklärte die von Priestern geschlossenen Ehen für ungültig. Kirchenpfründe (Ämter mit Land- und Geldvermögen) konnten von diesem Zeitpunkt an nicht mehr an die Söhne der Priester vererbt werden. Wenn aber noch zweihundert Jahre später Strafmaßnahmen für Priester in Olmütz ausgearbeitet wurden, die an der Hochzeitsfeier ihrer eigenen Kinder teilnahmen, wird deutlich, dass die römischen Dekrete nicht sehr folgsam umgesetzt wurden. Seitdem wurde der Pflichtzölibat auf zahlreichen Konzilien bekräftigt, Verstöße immer strenger geahndet. Die letzte offizielle Bestätigung erfolgte 1967 in der päpstlichen Enzyklika „Sacerdotalis Caelibatus“ von Papst Paul IV. – auf der Vollversammlung der Bischofssynode im gleichen Jahr durfte das Thema nicht diskutiert oder in Frage gestellt werden[…]

Piss off you bigoted bastards …
[…]Der Erzbischof von Poznan (Posen), Stanislaw Gadecki, hat vor einem Zurückdrängen der Kirchen aus dem öffentlichen Raum gewarnt. Eine Abwesenheit der Kirche aus dem gesellschaftlichen Leben würde nicht nur die Rechte der Kirche beschneiden, sondern sei auch schädlich für die Bevölkerung und den Staat selbst, sagte Gadecki bei einem Gottesdienst am Dienstagabend in Brüssel. Ein Verlust grundlegender moralischer Wahrheiten könne Eigennutz und Skrupellosigkeit fördern und die Welt unsicherer machen. Die Kirche verteidige die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Heiligkeit des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod und die Familie als Bund zwischen Mann und Frau, sagte Gadecki. Daneben trete die Kirche auch ein für Bildung, das Recht auf Arbeit, Religionsfreiheit und die Begrenzung politischer Macht durch Menschen- und Völkerrecht. Der Gottesdienst fand aus Anlass der polnischen EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr dieses Jahres statt. Auch unter ungarischer Präsidentschaft im ersten Halbjahr und unter belgischer Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 2010 wurden vergleichbare Gottesdienste gefeiert. Die Initiative dazu hatte der Vorsitzende der belgischen Bischofskonferenz, Erzbischof Andre-Joseph Leonard, ergriffen. Beteiligt an der Feier waren auch die EU-Bischofskommission ComECE und die Apostolische Nuntiatur bei der EU.[…]

Simplizissimus Bodo Ramelow
[…]Schon häufig war der gewesene religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion „Die Linke“ durch markante Sprüche gegen und Diskriminierungen von Atheisten und Laizisten aufgefallen.  Jetzt geht der Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag und Oppositionsführer bundesweit in die Vollen und droht mit Austritt aus der Partei, wenn seine Vorstellungen sich nicht durchsetzen sollten. Das Verständnis des evangelischen Christen betreffend Meinungsvielfalt und Politik hat offenbar ein sehr einfaches Strickmuster. Bundesweit rammelt er heftig und warnt seine Partei davor, zu einer laizistischen Partei zu werden. Tatsächlich melden sich im Rahmen der Programmdiskussion der Partei DIE LINKE zunehmend Stimmen zu Wort, die sich ebenso kritisch wie perspektivisch mit der „hinkenden“ Trennung von Staat und Kirche in Deutschland auseinandersetzen. Irgendwie muss es Ramelow falsch erklärt oder verborgen geblieben sein, was Laizität eigentlich ist und welche Rolle sie in der Politik spielt. Als wiederbekehrter protestantischer Christ sollt er an sich hocherfreut sein, dass eben ein protestantischer Christ den Begriff der Laizität geprägt hat. Danach wird Politik ausschliesslich von Laien gestaltet und Religion ist Privatsache. Das war ab 1871 und dabei blieb es in Frankreich bis heute. Laizität hat essentiell und ausschliesslich mit Demokratie zu tun. Alle aufrichtigen Menschen – welcher Weltanschauung auch immer – sind zur Mitarbeit an unserer Demokratie aufgerufen. Jeder darf und soll seinen Beitrag nach seinen Talenten leisten, ohne Bevorzugung und ohne Diskriminierung. Die einzigen Spielregeln sind Recht und Gesetz. Der Mentor der Laizität war nun kein Möchtegern-Politiker. Er war Christ, Sozialist und Gestalter mit weltweiter Wirkung, Träger des Friedensnobelpreises 1927. Dagegen ist der Simplizissimus Ramelow mit seinen Vorstellungen eine Null-Nummer. Wer mit Meinungsvielfalt nicht umgehen kann oder diese gar diskriminiert, hat in unserer Politik nichts zu suchen. DIE LINKE ist gut beraten, für Juden, Christen, Muslime, Religionen aller Art oder Agnostiker, Atheisten und sonstigen Freigeistern offen zu sein. Laizität ist dabei ein Prinzip, das alle gleichberechtigt zusammenhält. Wenn Ramelow das nicht verkraften kann, empfangen ihn CDU oder SPD sicher mit offenen Armen. Vielleicht sollte er sich damit anfreunden.[…]