PAPST B16-RatzeBene Ticker


Jetzt begreift endlich das fundamentalistische Wesen der Kirche
[…]Erstmals hat sich Papst Benedikt XVI. öffentlich in der kirchlichen Reformdebatte in Deutschland zu Wort gemeldet. Manche Kirchenkritiker sähen nur die äußerliche Gestalt der Kirche und betrachteten sie nur als «eine der vielen Organisation innerhalb der demokratischen Gesellschaft». Sie begriffen aber nicht ihre «eigentliche Sendung», sagte der Papst in seiner Predigt im Berliner Olympiastadion am Donnerstagabend. Benedikt XVI. betonte, es sei Daseinszweck der Kirche, den Sündern den Weg der Umkehr, der Heilung und des Lebens zu eröffnen. Aus der Unkenntnis darüber und aus negativen Erfahrungen mit der Kirche entstünden bei manchen «Unzufriedenheit und Missvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von ‚Kirche‘ und die eigenen ‚Kirchenträume‘ nicht verwirklicht sieht.» Mit Nachdruck erinnerte der Papst daran, dass Christus Zentrum und Halt der Kirche sei. Christus lebe in seiner Kirche in der Welt fort. Jeder sei vor die Entscheidung für oder gegen Christus gestellt, dies sei eine Lebensentscheidung von existentieller Bedeutung. «Bei Christus bleiben heißt auch bei der Kirche bleiben», betonte Benedikt XVI. «Wir glauben nicht alleine, sondern glauben mit der ganzen Kirche», rief der Papst. In bildlicher Sprache ging der Papst auch auf Missstände in der Kirche ein. Ohne den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen ausdrücklich zu nennen, sagte er, es geben in der Kirche «gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut». Aber wenn der Blick auf das Negative fixiert bleibe, dann erschließe sich «das große und tiefe Mysterium der Kirche nicht».[…]

Messe im Olympiastadion LIVE


Ratze zu Vertretern der jüdischen Gemeinde
[…]Die Hoffnungsbotschaft, die die Bücher der hebräischen Bibel und des christlichen Alten Testaments überliefern, ist von Juden und Christen in unterschiedlicher Weise angeeignet und weitergeführt worden. „Wir erkennen es nach Jahrhunderten des Gegeneinanders als unsere heutige Aufgabe, daß diese beiden Weisen der Schriftlektüre – die christliche und die jüdische – miteinander in Dialog treten müssen, um Gottes Willen und Wort recht zu verstehen“ (Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, S. 49) Dieser Dialog soll die gemeinsame Hoffnung auf Gott in einer zunehmend säkularen Gesellschaft stärken. Ohne diese Hoffnung verliert die Gesellschaft ihre Humanität[…]

Ratze-Rede: „Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit“, heißt: wir Ungläubigen sind amputierte behinderte Kreaturen, unmenschlich und nicht rechtsfähig
[…]Benedikt XVI. vor dem deutschen Bundestag über Recht, Natur, Vernunft und Gewissen. Über das Naturrecht. Die Grenzen der positivistischen Vernunft. Die Bedeutung der Ökologie. Die unantastbare Menschenwürde. Berlin (kath.net) Der letzte Maßstab und der Grund für die Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. So Papst Benedikt XVI. in seiner lang erwarteten und viel diskutierten Ansprache vor dem deutschen Bundestag. „In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein“, so der Papst. „Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen“. Natur und Vernunft seien die wahren Rechtsquellen. Das Christentum habe auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetze. „Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts.3 In dieser Berührung ist die abendländische Rechtskultur geboren worden, die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist“. „Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden.“ „Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.“ „Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen.“ „Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“[…]

Lammert begrüßt Ratze
[…]Herzlich begrüße ich Sie alle im Deutschen Bundestag, in dem wir nicht zum ersten Mal einen hohen Gast geladen haben. Aber noch nie in der Geschichte hat ein Papst vor einem gewählten deutschen Parlament gesprochen. Und selten hat eine Rede in diesem Haus, noch bevor sie gehalten wurde, so viel Aufmerksamkeit und Interesse gefunden – nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus. Seien Sie, Heiliger Vater, in Deutschland, Ihrem Heimatland, herzlich willkommen und ganz besonders hier im Deutschen Bundestag! In der kurzen Amtszeit des letzten, aus deutschen Landen stammenden Papstes gab es Deutschland als Nationalstaat noch nicht, vielmehr das sogenannte „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, ein durch wechselnde Dynastien geprägtes Reich, das ebenso viel und ebenso wenig römisch war wie deutsch, sicher keine Nation und schon gar nicht heilig. Deutschland ist ein Land, das durch Religion und Religionskriege über Jahrhunderte hinweg stark geprägt war, bis hin zum sogenannten „Kulturkampf“ zur Zeit der Gründung des deutschen Reiches. Ein Land, dessen christliche Glaubenstraditionen auch unsere heutige Verfassung beeinflusst und die Arbeit der Verfassungsväter und –mütter wesentlich bestimmt haben: „Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen“, wie es in der Präambel des Grundgesetzes heißt. Unser heutiges Verständnis der Grundrechte, der Unantastbarkeit der Würde des Menschen und seiner Freiheitsrechte, ist aber auch geprägt von historischen Erfahrungen und Errungenschaften, insbesondere der Aufklärung, der wir nicht nur die Herausforderung des Glaubens durch die Vernunft verdanken, sondern auch die Trennung von Kirche und Staat, die zu den unaufgebbaren Fortschritten unserer Zivilisation gehört. Ich erinnere gerne an den denkwürdigen Dialog zwischen Kardinal Ratzinger, dem damaligen Präfekten der römischen Glaubenskongregation, und Jürgen Habermas, die gemeinsam Glaube und Vernunft als „die großen Kulturen des Westens“ beschrieben und gewürdigt haben. Glaube und Vernunft. In Zeiten der Globalisierung, einer von Kriegen und Krisen erschütterten Welt, suchen viele Menschen nach Halt und Orientierung. Die Bewahrung ethischer Prinzipien jenseits von Märkten und Mächten und die Pflege gemeinsamer Werte und Überzeugungen ist eine große Herausforderung auch und gerade moderner Gesellschaften, wenn sie ihren inneren Zusammenhalt nicht gefährden wollen. Deutschland ist das Land der Reformation, die vor fast 500 Jahren hier ihren Anfang hatte – mit vielfältigen Folgen für Kirche, Staat und Gesellschaft. Viele Menschen in Deutschland, nicht nur engagierte Katholiken und Protestanten, empfinden die Fortdauer der Kirchenspaltung als Ärgernis, auch deshalb, weil sie ehrlich begründete Zweifel haben, ob die Unterschiede zwischen den Konfessionen, die es zweifellos gibt, die Aufrechterhaltung der Trennung zwischen den Kirchen rechtfertigen. Und sie wünschen sich dringlich, dass im Pontifikat eines deutschen Papstes, des ersten nach der Reformation, nicht nur ein weiteres Bekenntnis zur Ökumene, sondern ein unübersehbarer Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung stattfände. Ihre Gespräche mit Vertretern anderer Religionen, Heiliger Vater, sind wesentlicher Teil des Deutschlandbesuches. Dass Ihre Begegnung mit Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Erfurt stattfindet, nicht irgendwo, sondern im Augustiner-Kloster, wird nicht nur von vielen Christen als demonstrative Geste verstanden und gewürdigt – und begründet die Hoffnung, dass der 500. Jahrestag der Reformation 2017 ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens werden könnte. Neben Ihrem Treffen mit Vertretern islamischer Gemeinden werden Sie auch mit Repräsentanten der Jüdischen Gemeinschaft zusammentreffen. Das Reichstagsgebäude, in dem wir heute zusammen sind, ist ein historischer Ort deutscher Geschichte. Es steht für Aufstieg und Fall einer parlamentarischen Demokratie. Eine wesentliche Ursache des Scheiterns war der Mangel an Toleranz, deren Opfer vor allem die jüdischen Mitbürger wurden. Und es waren Christen, die weggesehen oder mitgemacht, diffamiert, verfolgt, gedemütigt, getötet haben. Deshalb ist es auch ein besonderes Zeichen, dass Ihre Begegnung, Heiliger Vater, mit den Repräsentanten der wachsenden jüdischen Gemeinde in Deutschland heute im Anschluss an Ihre Rede in diesem Gebäude, dem Sitz eines freigewählten Parlamentes im wiedervereinten Deutschland stattfindet, das sich als Teil eines gemeinsamen Werten und Überzeugungen verpflichteten Europas versteht.Wir sind dankbar, dass wir Gastgeber sein dürfen, und wir sind entschlossen, unserer Verantwortung für Menschenwürde, Freiheit des religiösen wie des politischen Bekenntnisses und Toleranz gegenüber unterschiedlichen Überzeugungen und Orientierungen gerecht zu werden, „von dem Willen beseelt“ – wie es in der Präambel des Grundgesetzes heißt – „als gleichberechtigtes Glied in einem freien Europa dem Frieden der Welt zu dienen“ – „im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen.“ In diesem Bewusstsein freuen wir uns über Ihren Besuch und auf Ihre Ansprache.[…]

Ratze-Rede im Bundestag live im Web-TV ab 16.20 Uhr

16.06 Uhr: Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot versammeln sich Tausende Papstgegner zu einer Protestdemonstration in Berlin-Mitte. Sie kritisieren vor allem die aus ihrer Sicht menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes. Initiiert worden war der Zug unter dem Motto „Keine Macht den Dogmen“ von einem Bündnis aus 67 Organisationen. Die Demonstrationsteilnehmer wollen vom Potsdamer Platz vorbei am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen über die Straße Unter den Linden zum Bebelplatz ziehen. Die Veranstalter erwarten bis zu 20 000 Teilnehmer.

Missbrauchsopfer demonstrieren
[…]Am Brandenburger Tor in Berlin haben knapp 100 frühere Heimkinder und Missbrauchsopfer gegen den Papst-Besuch demonstriert. Eine meterhohe Nonnenfigur aus Pappe trug in der einen Hand ein Kreuz, in der anderen einen Stock. Auf der Figur stand: «Nie wieder». Die Demonstranten zeigten sich in schwarzen T-Shirts. Peter Bringmann-Henselder von der Bürgerinitiative «Kinder in Heimen» sagte: «Wir wollen den Opfern Mut machen, Gesicht zu zeigen. Der größte Teil der Heimkinder, die missbraucht wurden, hat sich bislang nicht offenbart.» Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hatte weltweit Erschütterung und Protest ausgelöst[…]

Ratze-Plausch mit Merkel
[…]Merkel und Papst reden über Krise. 13.27 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unter vier Augen mit dem Papst über Europa und die Krise auf den internationalen Finanzmärkten gesprochen. Politik sollte die Kraft haben, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein, sagt Merkel dem Gedankenaustausch. „Europa interessiert den Papst sehr“, betonte die Kanzlerin. Sie habe sehr deutlich gemacht, dass die europäische Vereinigung für Deutschland unverzichtbar sei. Sie bedeute Wohlstand, Demokratie und Freiheit.
Demos am Rande des Merkel-Treffens. 13.25 Uhr: Papst Benedikt VXI. trifft sich im Haus der Katholischen Bischofskonferenz in der Hannoverschen Straße in Mitte zur Stunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der he des Hauses demonstrieren Papstgegner. Gegenüber, in Sichtweite des hohen Gastes, in der Chausseestraße, wurde ein etwa zwei Meter langes Transparent mit der Aufschrift „Razzi fuck off“ an eine Hausfassade gehängt.[…]

Hilfe, weiß Wulff überhaupt etwas über Deutschland???
[…]Ansprache des Bundespräsidenten Christian Wulff zur Begrüßung von Papst Benedikt XVI. in Schloss Bellevue in voller Länge:
Heiligkeit,
mit allen, die hier im Park von Schloss Bellevue versammelt sind, und im Namen der Menschen in Deutschland sage ich Ihnen: Herzlich willkommen! Herzlich willkommen in Deutschland! Sie kommen in Ihr Heimatland.
Sie kommen in ein Land, dessen Geschichte und Kultur eng verflochten sind mit dem christlichen Glauben und mit dem Ringen um diesen Glauben.Sie kommen in ein Land, wo aufrechte Glaubenszeugen wie Dietrich Bonhoeffer, Bernhard Lichtenberg und Edith Stein mit ihrem Leben gegen ein gottloses und verbrecherisches Regime einstanden.Sie kommen in ein Land, das vor 22 Jahren das Wunder einer friedlichen Revolution und die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands und Europas erlebte. Ohne Ihren mutigen Vorgänger Johannes Paul II., ohne die katholischen Arbeiter in Polen und ohne die christlichen Kirchen in der DDR, die den Freiheitssuchenden Obdach gaben, wäre das so nicht möglich gewesen. Dafür danke ich von Herzen! Sie kommen in ein Land, in dem Millionen von Frauen und Männern sich Tag für Tag aus ihrem Glauben heraus engagieren. In dem gerade in der kirchlichen Jugendarbeit so viele junge Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen. Sie kommen auch in ein Land, in dem der christliche Glaube sich nicht mehr von selbst versteht, in dem die Kirche ihren Ort in einer pluralen Gesellschaft neu bestimmen muss. Auch hier in Berlin, wo Ihre Reise beginnt, ist das spürbar. Viele Menschen sind auf der Suche. Eines Ihrer ganz großen Themen, Heiliger Vater, ist das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Das ist alles andere als eine akademische Debatte: Angesichts ökologischer und wirtschaftlicher Krisen, angesichts von Unfrieden und Ungerechtigkeit in der Welt, angesichts von Erfahrungen persönlicher Unsicherheit und Entwurzelung wächst die Sehnsucht nach Sinn. Hier liegt eine Chance und eben gerade auch eine große Verantwortung der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Auch deshalb ist es so wichtig, dass die Kirchen den Menschen nahe bleiben, dass sie sich trotz Sparzwängen und Priestermangel nicht auf sich selbst zurückziehen. Was die christlichen Kirchen leisten, in Diakonie und Caritas, in der Sorge um Arme und Schwache in unserem Land und überall auf der Welt, das ist einfach großartig und unverzichtbar für den Zusammenhalt! Wenn Menschen diese Nähe und diesen selbstlosen Einsatz erfahren, dann hören sie auch die christlichen Botschaften, die nicht immer bequem für sie sind. Heiliger Vater, Ihre Aussagen zum Schutz der Schöpfung und des menschlichen Lebens, zum Umgang mit Fremden und Fremdem sind unendlich wertvoll als Mahnung zur Menschlichkeit unserer Gesellschaft. Auch dafür danke ich Ihnen und allen engagierten Christen in unserem Land. Kirche und Staat sind bei uns zu Recht getrennt. Aber: Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit. Deswegen ist sie auch selbst immer wieder von neuen Fragen herausgefordert: Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden? Deutschland ist Stammland der Reformation. Ich freue mich, dass Sie morgen nach Erfurt fahren, an eine wichtige Wirkungsstätte Martin Luthers, und dass Sie sich dort mit den Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen Kirchen treffen. Ich bin überzeugt: Das Trennende bedarf der Begründung, nicht das Gemeinsame. Ich freue mich, dass die katholische Kirche in Deutschland in ihren eigenen Reihen einen Dialogprozess begonnen hat. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass nicht nur die engagierten Laien davon sehr viel erwarten. Und die Kirche braucht sie doch alle. Heiligkeit, Millionen Menschen sehen mit großer Freude und Neugier auf die kommenden Tage. Ihr Besuch wird die Christen und ihr Engagement stärken. Und er wird uns allen helfen, Orientierung und Maßstäbe zu finden. Noch einmal von ganzem Herzen willkommen und Gottes Segen für die Tage bei uns in Deutschland – in Ihrer Heimat![…]

Ratze lässt es gleich Krachen …
[…]Benedikt XVI. betonte in seiner Erwiderung auf die Grußworte des Bundespräsidenten, dass Religion die Grundlage eines gelungenen Miteinanderlebens sei. Es bedürfe einer verbindlichen Basis für das Zusammenleben, Werte, die durch nichts und niemanden manipulierbar sein dürften. Religion bedürfe der Freiheit, aber auch Freiheit der Religion, da es keine Freiheit ohne die Rückbindung an eine höhere Instanz gebe. Freiheit entfalte sich nur in der Verantwortung vor einem höheren Gut und könne nicht in Beziehungslosigkeit gelebt werden, so der Papst. Daher sei eine tiefgreifende kulturelle Erneuerung notwendig[…]

Erstes Ratze-Gesabbel
[…]Während seines Fluges nach Deutschland hat Papst Benedikt XVI. Verständnis für die Proteste in seinem Heimatland geäußert. «Proteste sind normal in einem säkularisierten demokratischen Land» Berlin (kath.net/KNA) Während seines Fluges nach Deutschland hat Papst Benedikt XVI. Verständnis für die Proteste in seinem Heimatland geäußert. «Proteste sind normal in einem säkularisierten demokratischen Land», sagte Benedikt XVI. in einem kurzen Gespräch mit den mitreisenden Journalisten. Viele hätten aber auch «große Erwartungen und große Sympathie für den Papst». Und in vielen Bereichen der deutschen Bevölkerung gebe es auch eine wachsende Sehnsucht nach einer Stimme der Moral in der Gesellschaft. Auch zum Thema Missbrauch äußerte sich der Papst: «Ich kann verstehen, dass angesichts von Verbrechen wie dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester, Personen, die den Opfern nahestehen, sagen: Dies ist nicht meine Kirche, die Kirche ist eine Kraft der Humanität und Moral und wenn ihre eigenen Leute das Gegenteil tun, kann ich nicht mehr in dieser Kirche sein». Die Kirche müsse lernen, solche Skandale auszuhalten und jeden Missbrauch entschieden bekämpfen. Er freue sich sehr auf den Besuch, betonte der Papst, der insgesamt vier Journalistenfragen beantwortete – drei davon auf deutsch, eine auf italienisch. Ganz besonders freue er sich auf die Begegnung mit den evangelischen Christen, ergänzte Benedikt XVI. Von Beginn der Reiseplanungen an habe er die Ökumene als bedeutenden Akzent seiner Reise verstanden. Er sei den evangelischen Christen dankbar, dass es an der historischen Stätte des ehemaligen Augustiner-Klosters in Erfurt, wo Martin Luther seine theologische und geistliche Ausbildung erhalten habe, zu einer Begegnung komme. Gerade in der säkularisierten Gesellschaft heute sei das gemeinsame Zeugnis der Christen dringend notwendig, auch wenn es zwischen evangelischen und katholischen Christen weiterhin beachtliche Differenzen gebe, so der Papst[…]

Wie heißt es so schön, Hochmut kommt vor dem Fall …
[…]Ohne einen Blick zurück in die Geschichte ist die Wahrnehmung des Papstes in seinem Heimatland daher kaum zu erfassen. Denn Deutschland ist ja nicht Polen. Polen blieb eins, als es das Land überhaupt nicht mehr gab, Jahrhunderte lang. Die Polen haben ihre Identität unter den Zaren und den Preußen nicht verloren, auch nicht unter den Nazis oder den Bolschewiken. Deutschland hingegen blieb gespalten auch unter seinen abenteuerlichsten Einigungsprojekten. Die Deutschen, im Herzen Europas, mit den meisten Nachbarn an ihren Grenzen, treibt seit Jahrhunderten die Frage immer wieder um, wer sie eigentlich sind, woher sie kommen und wohin sie gehen. Es ist dieses Irrlichtern im Grund der deutschen Seele, das am Donnerstag ein gutes Sechstel unserer Volksvertreter vor dem kleinen Mann in Weiß Reißaus nehmen lässt, wenn er im Parlament eine Rede zu den jüdisch-christlichen Wurzeln Europas halten wird. Natürlich dürfen sie das. In einem freien Land muss nicht jeder demokratische Reife zeigen. Sprechender aber könnten die heldenhaften Parlamentarier wohl kaum unterstreichen, wenn der Papst – wenn er seinem Ruf als exzellenter Lehrer gerecht wird – an dieser Stelle auch diesen spezifischen, ja „typisch deutschen“ Mangel ansprechen wird, der unsere Nachbarn immer wieder irritiert … Martin Luther selbst würde sich deshalb bei den Pius-Brüdern heute wahrscheinlich wohl eher zuhause fühlen und zurecht finden als in einer normalen evangelischen Gemeinde Hannovers – während der überwältigende Großteil der deutschen Katholiken inzwischen in vieler Hinsicht viel protestantischer ist, als Luther es jemals zu seinen Lebzeiten war … Dazu nehmen die alten Fronten der Religionskriege längst einen neuen Verlauf. Es sind nicht mehr die Katholiken und Protestanten, die hier gegeneinander stehen. Im Osten sind nach den beiden Diktaturen auf deutschem Boden überhaupt nur noch wenige von ihnen übrig geblieben und haben einer satten Mehrheit von Nihilisten und Neuheiden Platz gemacht. Die Katholiken werden das Trauma ihrer alten Spaltung nicht los und spielen in verschiedenen Lagern ständig die Reformation ein wenig nach. Und im Osten wie im Westen werden alle Christen mittlerweile von einer neuen Zivilreligion des Zeitgeistes bedrängt, deren radikale Apologeten oft erst gestern noch rasch den Segnungen des wissenschaftlichen Materialismus abgeschworen haben. Da wird der Papst schnell als Taliban geschmäht. Dennoch braucht ihn hier keiner zu fürchten … Im Gespräch der deutschen Katholiken untereinander und mit Rom muss es deshalb ebenso wie im Gespräch der protestantischen Kirchen mit der katholischen Kirche nicht nur um einen Dialog ohne Denkverbote gehen, sondern zunächst auch um ein Denkgebot. Nämlich eben daran zu denken, dass der Papst den deutschen Gravamina und Klagen in den allermeisten Fällen gar nicht nachgeben kann oder darf. Es übersteigt bei weitem seine Kompetenz. Ihm gehört die katholische Kirche nicht. Er gehört der katholischen Weltkirche mit ihrem Credo und ihrer Tradition, denen er dienen muss und nicht umgekehrt. Ein Papstbild, das in ihm einen allmächtigen Tyrannen sieht, den es danach dafür zu kritisieren gilt, wenn er nicht jedem Wunsch und Begehren wechselnder Mehrheiten willfährig widerfährt, führt vollkommen in die Irre. Vieles kann er einfach nicht, was die Tradition und Lehre der katholischen Kirche ihm versagen. Was er allerdings will und versucht, ist Größeres und gleichsam Unmögliches[…]

Speibischof Launs Arroganz schreit zum Himmel …
[…]Weihbischof von Salzburg zu den Proteste gegen den Papstbesuch in Berlin: Mein Gott, die haben wirklich keine Ahnung, wie lächerlich sie sich machen – KATH.NET-Exklusivinterview mit Andreas Laun in Berlin. “Meine Haupthoffnung ist, dass der Heilige Vater das erreicht, was er in England erreicht hat. Ich hoffe, dass sich Menschen bekehren, was auch in England passiert ist.” Dies meinte Weihbischof Andreas Laun (Erzbistum Salzburg) in Berlin im Rahmen eines KATH.NET-Exklusivinterviews am späten Nachmittag des gestrigen Mittwochs.
Die angekündigten Proteste in Berlin beunruhigten ihn gar nicht. Laun verwies dabei auf die Psalmen: “Wenn sich die Fürsten und Könige zusammentun, um den Heiligen Israels zu stürzen, dann lacht Gott. Über die Ungläubigen lacht Gott und in dieses Lachen stimme ich dann ein und sag: Mein Gott, die haben wirklich keine Ahnung, wie lächerlich sie sich machen, wenn sie Gott den Krieg erklären wollen”. Was er dem Heiligen Vater sagen würde? “Ich würde ihn vor alle bitten, uns für Österreich gute, neue Bischöfe zu schenken“. Die Bischöfe sollten in dem Sinn Bischöfe sein wie dies Papst Gregor der Große beschrieben habe: “Ein Bischof muss auch ein Mann des Wortes sein, nicht einer, der über Dinge redet, die ihn nichts angehen, und der nicht schweigt, wo man als Bischof nicht schweigen darf”. Kritik übte Laun auch am Rauswurf von Pfarrer Andreas Skoblicki aus der Diözese Linz durch Bischof Ludwig Schwarz. Er sprach in dem Zusammenhang von “innerkirchlicher Christenverfolgung”. “Dabei werden gerade die Menschen von kirchlichen Kreisen angegriffen, die wirklich katholisch sind und sich im Sinne der katholischen Kirche verhalten, arbeiten und handeln.”[…]

Katholiban Meisner kann es nicht lassen
[…]Berlin (kath.net) Die Ankündigung von Bundestagsabgeordneten, der Papstrede fernzubleiben, „das ist so kleinkariert und das ist so engstirnig, dass man nur darüber lachen oder weinen kann.” Dies sagte Joachim Kardinal Meissner, der Erzbischof von Köln. Der Papst werde im Bundestag ansprechen, dass Europa „Europa zu wenig auf seine christlichen Wurzeln schaut.“ Der Kardinal erläuterte im Interview mit „Bild“ weiter, man habe gegenwärtig in der Politik manchmal den Eindruck, „das Christentum sei in Europa eher ein Störenfried als die Wurzel. Aber wir sind die Wurzel Europas. Und wenn man die Wurzel abschneidet, dann vertrocknet der Baum.“[…]

Der Gottesstaat lebt, igitt …
[…]Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat kurz vor dem Besuch des Papstes die Bedeutung der beiden christlichen Kirchen in Deutschland hervorgehoben. Ohne die Kirche würde Deutschland nicht nur „spirituell verarmen, sondern wäre auch sozial kälter“, sagte Merkel am Mittwoch bei einem Empfang in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die christlichen Kirchen seien „sinnstiftend und bedrohen nicht den säkularen Staat“, erklärte Merkel. „Unser Staat, unser Grundgesetz und unsere Gesellschaft beruhen zu einem großen Teil auf dem christlichen Gedanken“, betonte die CDU-Vorsitzende. Sie erhoffe sich vom Besuch des Papstes „Orientierung in diesen gewiss nicht leichten Zeiten“. Der Besuch von Benedikt XVI. „wird uns alle bereichern“, sagte Merkel weiter. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte die beiden christlichen Kirchen „Pfeiler der Gesellschaft“. Wer die Rede des Papstes im Deutschen Bundestag nicht hören wolle, solle doch „gleichwohl prüfen, ob die Kirche nicht doch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitrage“. Manche Vorwürfe der Demonstranten gegen den Papst-Besuch kämen ihm „überzogen und kurzschlüssig“ vor, sagte Zollitsch. Er erwarte, dass auch die Kritik an dem Besuch „des Gastes würdig sind, für den unzählige Menschen in aller Welt Verehrung und Zuneigung empfinden“[…]

Katholiban Manfred Lützs Phantastereien: „Die Angst der Atheisten vor der Erleuchtung“
[…]Dramatische Szenen in Berlin. Einige Bundestagsabgeordnete von SPD, der Linken und den Grünen haben sich an die Säulen der Lobby des Deutschen Bundestags angekettet und ihre Ohren mit Wachs verstopft, wie Odysseus einst, als der antike Held voller Angst war, den betörenden Gesängen der Sirenen zu erliegen. Es sind nicht junge attraktive Frauen, vor denen sich die Volksvertreter fürchten, sondern ein alter Mann aus Rom, den der Bundestagspräsident mit Zustimmung aller Fraktionsvorstände eingeladen hat, eine Rede zu halten. Es sei zu befürchten, dass der Mann im Hohen Haus eine missionarische Rede halten werde, da könne man doch nicht anwesend sein. Sollte ein gestandener atheistischer SPD-Hinterbänkler nicht Manns genug sein, eine Rede des deutschen Papstes zu ertragen, ohne sich anschließend überstürzt taufen zu lassen? Auch wenn Jürgen Habermas, ein anderer berühmter Deutscher, der zufällig Atheist ist, im Bundestag reden würde, müsste man doch darauf hoffen dürfen, dass CDU-Bundestagsabgeordnete nicht serienweise vom Glauben abfallen. Man könnte das Ganze als Realsatire abtun. Der Kirche wird es nicht schaden, dem Papst sowieso nicht, aber es wird den Ruf Deutschlands in der Welt schädigen. Neulich sagte ein polnischer Bischof seinem deutschen Kollegen: Wie geht Ihr Deutschen eigentlich mit unserem Papst um! Benedikt XVI. ist Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken. Beim Weltjugendtag in Madrid konnte man erleben, wie ihn junge Menschen aus aller Herren Länder schätzen – und zwar nicht in einer blinden Papamanie, sondern aufgrund seiner Worte und Texte, die die jungen Leute gut kennen. In Asien und Afrika ist Gastfreundschaft ein hohes Gut. Die Respektlosigkeit, mit der sich einige bisher unbekannte Bundestagsabgeordnete ins öffentliche Licht drängen, wird international als eine zunehmende Irrationalität der Deutschen wahrgenommen. Und wenn Deutsche sich nicht mehr an selbstverständliche Spielregeln halten, trifft das bei geschichtsbewussten Mitmenschen auf verständliche Besorgnis … Im Übrigen reproduzieren einige dabei offensichtlich vom Hörensagen Zerrbilder dieses Mannes, die verraten, dass sie wahrscheinlich nie etwas von ihm gelesen oder gehört haben. Schon als er Papst wurde, gab es die Fehlwahrnehmung, der Kardinal habe sich als Papst völlig verändert. Die absurde Karikatur vom „Panzerkardinal“ war allerdings nicht von eifernden Atheisten, sondern vor allem von eifersüchtigen Kollegen unter die Leute gebracht worden. Das funktionierte so lange ganz gut, wie man ihn nicht im Original reden hörte. Als Joseph Ratzinger dann aber Papst wurde, konnte jeder selber sehen und hören, dass dieser Mann ein bescheidener, äußerst liebenswürdiger, nachdenklicher Mensch ist, einer der großen modernen Intellektuellen, der die Frankfurter Schule kennt, respektvoll und klug mit Jürgen Habermas auf Augenhöhe diskutiert, ein Mensch, dem Macht eine fremde Kategorie ist, der daher ungern Bischof und ungern Papst wurde, aber der im Papstamt Freude daran gefunden hat, den Menschen den christlichen Glauben auf eine berührende und respektvolle Weise näher zu bringen[…]

Rolf Schwanitz: Dieser Auftritt ist ein Fehler und mit der Neutralität des Staates unvereinbar
[…]Noch niemals zuvor hat ein religiöses Oberhaupt vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Dafür gab und gibt es gute Gründe. Das Grundgesetz formuliert im Blick auf Religionen ein fundamentales Verfassungsgebot: Es verpflichtet den Staat deutlich zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität. Das heißt, der Staat muss sich in religiösen und weltanschaulichen Fragen strikt unparteiisch verhalten.
Das Bundesverfassungsgericht fordert, dass sich der Staat, auch wenn er aus guten Gründen mit einer Religionsgemeinschaft zusammenarbeitet oder sie fördert, keinesfalls mit einer bestimmten Glaubensrichtung identifizieren darf. Dies ist nach Auffassung der Karlsruher Richter eine wesentliche Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander in unserer Gesellschaft. Denn in Deutschland leben Menschen mit ganz unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Ansichten, die sich oft genug sogar gegenseitig ausschließen. Deshalb kann der Staat nach Überzeugung des Gerichts das friedliche Zusammenleben auf Dauer nur garantieren, wenn er selbst in Weltanschauungs- und Glaubensfragen ausdrücklich Neutralität beweist. Mit dem Auftritt des Papstes im Bundestag wird diese Neutralität des Staates verletzt. Wenn mit „Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI.“, wie die offizielle Anrede in der Einladung lautet, nun erstmals ein Religionsoberhaupt an das Rednerpult tritt, müssen viele Menschen den Eindruck bekommen, dass unser Parlament damit dem katholischen Glauben eine besonders wichtige Rolle zuweist. Dieser Eindruck ist ebenso zwingend wie fatal. Denn diese privilegierte Hervorhebung durch den Bundestag wird auch als eine Zurücksetzung anderer Religionen und Weltanschauungen verstanden werden. Deshalb ist dieser Auftritt ein Fehler und mit der Neutralität des Staates unvereinbar. Zudem schafft er einen falschen Präzedenzfall für die Zukunft. Deshalb sind Ablehnung und Protest gegen diesen Auftritt legitim und nicht überraschend. Das liegt an der veränderten Glaubenslage in unserem Land: Der Anteil der Katholiken liegt in Deutschland bei gerade einmal 29 Prozent. 35 Prozent der Deutschen sind konfessionsfrei, 29 Prozent evangelisch und rund fünf Prozent gehören dem muslimischen Glauben an. Nicht nur im Osten, sondern auch in vielen Großstädten ist der Anteil der Konfessionsfreien dominierend. Viele Menschen empfinden den Auftritt des Papstes nicht zuletzt deshalb als unerträglich, weil sie das Gefühl haben, der Bundestag wolle nun auch dessen politische Positionen besonders hervorheben. Die katholische Kirche ist schließlich selbst Akteur in der Innen- und Weltpolitik und nimmt dabei allzu oft rückwärtsgewandte, dogmatische und reaktionäre Positionen ein. So stoßen sich viele Menschen berechtigterweise an der Haltung des Papstes zu den Rechten der Frau, zu Fragen der sexuellen Orientierung, zum Kondomverbot oder an seiner Bewertung einer modernen und offenen Gesellschaft. Deshalb ist Protest gegen seine Rede schlichtes Bürgerrecht. Häufig wird die Rede des Papstes im Parlament damit gerechtfertigt, er sei ja auch ein Staatsoberhaupt. Das ist zwar formal richtig, schließlich lautet Artikel 1, Absatz 1 der Verfassung des Vatikans: „Der Papst besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt.“ Jedoch hat diese letzte absolute Monarchie in Europa weniger als 1000 Einwohner. Es ist deshalb völlig klar, dass der Papst von der Öffentlichkeit als geistliches Oberhaupt und nicht als Chef eines autoritären Zwergstaats wahrgenommen wird.[…]

SPD-Landtagspräsident kritisiert Boykott
[…]Der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) hat die bewusste Abwesenheit einer Reihe von Bundestagsabgeordneten beim Papstbesuch kritisiert. Es sei betrüblich, dass die angekündigte Rede des Pontifex am Donnerstag im deutschen Parlament in Berlin «sofort zu einem innenpolitischen Konflikt geführt hat», sagte Mertes der Nachrichtenagentur dpa in Mainz. «Der Respekt sowohl vor einem Staatsoberhaupt als auch vor dem Oberhaupt der Katholiken hätte aus meiner Sicht ihre Anwesenheit geboten. Und das sage ich, obwohl ich mich als Katholik auch zum Beispiel über den Umgang der Kirche mit Geschiedenen und Wiederverheirateten oder mit Kondomen und Aids ärgere», ergänzte Mertes. «Aber ich bin bewusst in der katholischen Kirche geblieben.»[…]

Deutsche AIDS-Hilfe fordert Papst zur Umkehr auf
[…]Berlin – Anlässlich seines Besuches in Deutschland fordert die Deutsche AIDS-Hilfe Papst Benedikt XVI. auf, endlich von seiner kontraproduktiven und menschenfeindlichen Sexual- und Kondompolitik abzurücken.
„Mit dem Kondomverbot verleiten Papst und Kirche Millionen Gläubige dazu, ihre Gesundheit und ihr Leben zu gefährden“, sagt DAH-Vorstandsmitglied Tino Henn. „Ihre dogmatische moralische Position ist ihnen dabei wichtiger als das Schicksal der betroffenen Menschen. Eine verantwortungsbewusste Kirche würde anerkennen, dass Sexualität ein Bedürfnis des Menschen ist, das auch gelebt wird – und auf die Möglichkeit hinweisen, sich und andere zu schützen.“ Stattdessen behauptet der Papst sogar, Kondome würden die Verbreitung von HIV/Aids nicht verhindern, sondern fördern. Das ist falsch und zynisch. „Die katholische Kirche handelt mit dieser Haltung nicht nur gegen das christliche Gebot der Nächstenliebe, sondern auch gegen das Menschenrecht auf den bestmöglichen erreichbaren Gesundheitszustand“, sagt DAH-Vorstand Henn. Besonders fatal wirkt sich diese Politik in den Weltregionen aus, in denen HIV besonders stark verbreitet ist. In vielen Ländern betreibt die Kirche zugleich vorbildliche Einrichtungen zur Behandlung und Versorgung von HIV-Positiven und Aidskranken. Die bittere Ironie dabei: Viele der Patientinnen und Patienten hätten sich ohne das Kondomverbot gar nicht erst infiziert. Zugleich diskreditiert die katholische Kirche Menschen, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Sexualität auf Fortpflanzung zu reduzieren. Wer anders lebt als der Vatikan es wünscht – zum Beispiel Schwule und Lesben oder Geschiedene – wird schuldig gesprochen und zum Sünder gestempelt. Papst und Kirche treten weltweit gegen die Rechte sexueller Minderheiten ein. Das trägt zu Ausgrenzung und schweren psychischen wie auch physischen Verletzungen bei, zum Beispiel zu Hassverbrechen gegen Homosexuelle und erhöhten Selbstmordraten bei homosexuellen Jugendlichen. Aus der Gesundheitswissenschaft wissen wir außerdem: Wer sich wegen seiner Sexualität schuldig fühlt, hat oft nicht genügend Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, um sich wirkungsvoll vor HIV zu schützen. Das kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn es darum geht, den Wunsch nach Kondomgebrauch gegenüber dem Partner auch durchzusetzen. Frauen haben es in dieser Frage oft besonders schwer. Wer sich infiziert hat, steht dann aufgrund katholischer Sexualmoral erst recht als Sünder beziehungsweise Sünderin dar. Die Deutsche AIDS-Hilfe hat sich dem Bündnis „Der Papst kommt!“ angeschlossen und ruft zur Demonstration unter dem Motto „Keine Macht den Dogmen!“ auf (Donnerstag, 22.9.2011, 16 Uhr, Potsdamer Platz, Berlin). DAH-Pressesprecher Holger Wicht wird die Kundgebungen gemeinsam mit der Radiomoderatorin Frauke Oppenberg moderieren. Den Papst selbst laden wir zugleich zum Dialog ein. Ganz im Sinne christlicher Nächstenliebe wünschen wir uns seine Unterstützung bei einem Ziel, das uns alle einen sollte: Gesundheit und Wohlbefinden für so viele Menschen wie möglich.[…]

2 Comments

  1. Ratze-Rede: „Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit“

    Was für ein entsetzlicher Satz: Der Papst höchstselbst diffamiert die menschliche Vernunft als Gefahr für die Menschheit. Dass die Götzendiener insgeheim die Vernunft als größte Bedrohung ihrer Pfründe erkannt haben, ist logisch. Aber Ratzinger erklärt ihr öffentlich den Krieg und bekennt sich somit offen und aggressiv zur Irrationalität. Das ist eine neue Qualität der Schamlosigkeit und Unverfrorenheit. Wenn sich die Religionsvertreter selbst demontieren, brauchen wir diesen Blog bald nicht mehr.

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