Mit B16-RatzeBene kommt jener Papst nach Deutschland, der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will


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Wie man Seliger wird
Mit Benedikt XVI. kommt jener Papst nach Deutschland, der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will. Pius hat als Papst zu den Gräueltaten und den Angriffskriegen Deutschlands geschwiegen.

Von Karlheinz DeschnerFrankfurter Rundschau

Wenn man ihre Heiligenlegenden liest“, schrieb bereits vor 250 Jahren Claude Adrien Helvétius, der Freund Voltaires, „findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern.“ Übertrieben? Doch begrüßt das offizielle Berlin nicht gerade in dieser Woche einen Papst, der auch noch den größten der klerikalen Faschistenkomplizen, Eugenio Pacelli, Papst Pius XII. (1939-1958), zur „Ehre der Altäre“ zu erheben sucht?

Seit den Nuntiaturen in München und Berlin von nicht wenigen gutgläubigen Germanen fast vergöttert, bewunderte Pacelli seinerseits die „großen Eigenschaften dieses Volkes“, wie gewiss nicht minder (und allen ideologischen Irritationen, allen Wunden des Kirchenkampfs zum Trotz) die großen Eigenschaften seines „Führers“, mit dem am 20. Juli 1933 das Konkordat geschlossen wurde, ein „unbeschreiblicher Erfolg“ für Hitler, verschaffte es ihm doch vor aller Welt Legalität. Pacelli hatte Hitler den Weg gebahnt, indem er die mit rheinischen Großindustriellen verbundene Zentrums-Partei, das politische Instrument der Kurie in Deutschland, „mehr nach rechts“ sich orientieren, „eine Regierung der Rechten“ bilden hieß. Verfechter eines autoritären Staates und einer autoritären Kirche, hatte er Hitler schließlich über seine Zentrumsfreunde Wilhelm Marx, Dominikaner-Terziar, dreimal deutscher Reichskanzler, über den Kirchenrechtsprofessor und Zentrumsvorsitzenden Ludwig Kaas, Päpstlicher Hausprälat und Apostolischer Protonotar, sowie über Franz von Papen, nachmaliger Päpstlicher Kammerherr und Stellvertreter Hitlers, auch entscheidend mit zur Macht verholfen, worüber der Nuntius in Berlin, Pacelli-Nachfolger Cesare Orsenigo, offen frohlockte.

Kurz darauf unterstützte Pacelli, nun einflussreicher Kardinalstaatssekretär Pius XI., Mussolinis abessinische Expansion, jenen traurig schmutzigen Triumph über ein hoffnungslos unterlegenes Volk mittels der Segnungen auch einer vatikanischen Munitionsfabrik, mittels Bombenflugzeugen, Madonnenbildern, Giftgas und Flammenwerfern, während er dies alles zugleich durch die Bischöfe Italiens als heilig, als Kreuzzug, Evangelisation und große zivilisatorische Wohltat an den äthiopischen „Barbaren“ propagieren ließ.

Und weiter gleich, Schlag auf Schlag, ein noch grandioseres, noch gnadenreicheres, 600 000 Spaniern das Leben kostendes Gemetzel, der Bürgerkrieg, global in eine „rote Weltrevolution“ umgelogen (unter 473 spanischen Parlamentsabgeordneten saßen 15 Kommunisten). Ein gar frommes Schlachten somit wieder, in dem Staatssekretär Pacelli die „sehr edlen christlichen Gefühle“ Francos feierte, eines Rebellen, der sich selbst „Kämpfer Christi“ und „Werkzeug der Vorsehung“ nannte und noch nach dem Krieg, laut Schätzungen des italienischen Außenministers Graf Ciano, täglich in Sevilla 80, in Barcelona 150, in Madrid 200 bis 250 Gefangene hinrichten, der allein in den ersten Jahren nach Ende des Bürgerkrieges bis zum Frühjahr 1942, da er auf Wunsch Pius XII. begann, „die alten christlichen Traditionen“ wieder aufzunehmen, mehr als 200 000 Menschen erschießen ließ.

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5 Comments

  1. Die in diesem Blogbeitrag dargestellte historische Tatsache ist ein Beweis mehr, dass die katholische Kirche absolut keinen Anspruch auf Ethik und Moral erheben kann. Schon gar keinen exklusiven Anspruch. Die Diskrepanz zwischen deren Worten und Taten können nur völlige Ignoranten übersehen.

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  2. Danke für diesen Artikel! So detailliert ist mir noch nie das Verhalten von Pius XII vor Augen geführt worden.
    Allerdings hätte Herr Deschner ruhig Rolf Hochhuth erwähnen dürfen, der 1963 als erster das Schweigen des Papstes zur Judenvernichtung angeprangert hat.Ich erinnere mich gut: das war damals in Aufschrei in der deutschen Öffentlichkeit, aber die Diskussion nach dem Erscheinen des Schauspiels „Der Stellvertreter“ ging nur um die Frage „Durfte der Papst schweigen“; Hochhuths Stück hat ja auch die Forderung nach einem Protest des Papstes zum Mittelpunkt.
    Erst Deschner hat offenbar zwei Jahre später die volle und aktive Unterstützung Hitlers durch den Papst aufgedeckt. Bezeichnenderweise fand sein Buch wohl keine große Resonanz in der Öffentlichkeit – ich jedenfalls lese jetzt zum ersten Mal davon.
    Dass Johannes Paul II die Seligsprechung dieses Papstes initiiert hat und katholischerseits immr noch versucht wird, das Verhalten von Pius XII als „Diplomatie“ und „Versuch, Schlimmeres zu verhüten“ umzulügen, ist wirklich ein Skandal.
    Es wäre zu wünschen, dass Benedikt XVI die Sache rückgängig macht, und zwar nicht nur, „um die Beziehungen zum Judentum nicht zu stören“, sondern aus der Einsicht, dass so ein Mensch nicht zum Vorbild für Christen gemacht (das sind doch wohl die Heiligen und Seligen?) gemacht werden kann..

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  3. Unserer Regierung, allen voran der Kanzlerin, scheint das wenig Eindruck zu entlocken. Die freuen sich ganz offensichtlich über den Besuch diese scheinheiligen Heini ´s. Ob sich unsere Wasserträger schon jemals Gedanken über die unverantwortlichen, teils kriminellen Verhaltensweisen und Machenschaften der Kirchen gemacht haben, darf stark bezweifelt werden. Wenn dem aber dennoch so wäre, dann geht es wohl nach dem Motto: „Eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus.“

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