Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Schleimige Anbiederung an die Protestanten, das Hauptargument: gemeinsam gegen die säkulare Welt, Reformen null
[…]Papst Benedikt XVI. hat Martin Luther als leidenschaftlichen Gottsucher gewürdigt. Er appellierte am Freitag im Erfurter Augustinerkloster an die Kirchen, in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens zu geben. Das sei die wichtigste ökumenische Aufgabe. Der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, ermunterte beim Treffen des Papstes mit führenden Vertretern der evangelischen Kirche die katholische Kirche, konkrete Fortschritte für konfessionsverbindende Ehen und Familien sowie bei beim gemeinsamen Abendmahl zu ermöglichen. Benedikt XVI. betonte, das Treffen an diesem historischen Ort sei für ihn «ein bewegender Augenblick». Was den Luther umgetrieben habe, «war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens» gewesen sei. «Theologie war für ihn keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst, und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott.» Im Erfurter Augustinerkloster hatte Luther zwischen 1505 und 1512 als Mönch gelebt und dort nach der Priesterweihe 1507 seine erste Messe gelesen. Mit Blick auf die Rolle der Kirchen in der modernen Gesellschaft räumte das Kirchenoberhaupt Versäumnisse beider Seiten ein. «Es war der Fehler des konfessionellen Zeitalters, dass wir weithin nur das Trennende gesehen und gar nicht existenziell wahrgenommen haben, was uns mit den großen Vorgaben der Heiligen Schrift und der altchristlichen Bekenntnisse gemeinsam ist.» Es sei «der große ökumenische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, dass uns diese Gemeinsamkeit bewusst geworden ist». Katholiken und Protestanten könnten das durch gemeinsames Beten und Singen und durch gemeinsames Eintreten für das christliche Ethos bezeugen. Der Papst warnte, dass der ökumenische Fortschritt auch wieder verspielt werden könne. Die Kirchen müssten sich die Frage stellen, wie sie auf die zunehmende Religionsferne reagieren sollten: «Nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute.» In diesem Zusammenhang verwies Benedikt XVI. auf die christlichen Widerstandskämpfer der NS-Zeit. Sie hätten die erste große ökumenische Öffnung bewirkt und seien damit ein Beispiel für die Gegenwart. Mit Blick auf Luthers Suche nach dem gnädigen Gott beklagte Benedikt XVI. mangelndes Sündenbewusstsein der modernen Menschen. «Sofern man heute überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaubt, setzen wir doch praktisch fast alle voraus, dass Gott großzügig sein muss und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen Fehler hinwegschauen wird.» Doch das Böse, dass Menschen heute anrichteten, sei keineswegs eine Kleinigkeit, sagte der Papst mit Blick auf Korruption, Geldgier, Umweltzerstörung und eine ungerechte Verteilung von Reichtum. Schneider mahnte konkrete Fortschritte in der Ökumene an. Er äußerte die Hoffnung, dass die Kirchen ihren «Eigen-Sinn» überwinden und «getrennt gewachsene Traditionen als gemeinsame Gaben» verstehen könnten. «Danach sehnen sich viele Menschen in allen Regionen Deutschlands.» Zwar hätten die Kirchen frühere Feindschaften überwunden und lebten ihren Glauben schon vielfach gemeinsam; zudem erkennten die Kirchen das Sakrament der Taufe wechselseitig an. «Das ist ein großer Fortschritt», betonte der Ratsvorsitzende. Damit könnten die Kirchen aber noch nicht zufrieden sein. Schneider, der den Papst als «Bruder in Christus» anredete, ermunterte das Kirchenoberhaupt, Luther als «Scharnier zwischen unseren Kirchen zu verstehen, weil er zu beiden Kirchen gehört». Die Reformatoren hätten die Reformation als Umkehr der Kirche zu Christus verstanden. Der Ratsvorsitzende versicherte, dass die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum 2017 nicht im «Geist triumphalistischer Großspurigkeit» begehen werde. Er bat den Papst, «den 31. Oktober 2017 als ein Fest des Christusbekenntnisses zu verstehen und mit den Kirchen der Reformation zu feiern, so dass wir alle in ökumenischer Verbundenheit Christus bezeugen». Die Landesbischöfin Ilse Junkermann würdigte den Papstbesuch im Augustinerkloster als wichtiges ökumenisches Zeichen.[…]

War doch klar …
[…]Papst Benedikt XVI. hat der Forderung nach schnellen Fortschritten in der Ökumene eine Absage erteilt. Beim Gespräch mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Erfurt ging der Papst nicht auf den Wunsch kirchlicher Reformgruppen ein, gemeinsame Eucharistiefeiern von Katholiken und Protestanten zuzulassen. Stattdessen verwies er darauf, dass der christliche Glaube in Deutschland immer mehr an den Rand gedrängt werde. Die Bewahrung des Glaubens sei die wichtigste gemeinsame Aufgabe der getrennten christlichen Konfessionen.[…]

Ratze konkret
[…]Liebe Freunde, stärken wir uns in diesem Glauben! Helfen wir uns, ihn zu leben. Dies ist eine große ökumenische Aufgabe, die uns mitten ins Gebet Jesu hineinführt. Die Ernsthaftigkeit des Glaubens an Gott zeigt sich im Leben seines Wortes. Sie zeigt sich in unserer Zeit ganz praktisch im Eintreten für das Geschöpf, das er als sein Ebenbild wollte – für den Menschen. Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind. Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod – in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe. „Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, hat Romano Guardini einmal gesagt. Ohne Erkenntnis Gottes wird der Mensch manipulierbar … Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Die Gaben, die dabei genannt wurden, brauche ich nicht einzeln anzuführen. Dazu möchte ich sagen, daß dies ein politisches Mißverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt. Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im allgemeinen Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschluß eines oder auch mehrerer Verträge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abwägung von Vor- und Nachteilen entsteht der Kompromiß, der schließlich für beide Seiten vorteilhaft erscheint, so daß dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann. Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben[…]

Gläubige aller Konfessionen vereinigt Euch gegen den bösen Säkularismus
[…]In seiner Ansprache an die Vertreter der muslimischen Gemeinde erinnerte Benedikt XVI. daran, dass in Berlin die meisten Muslime im Vergleich zu allen anderen Städten in Deutschland wohnen und betonte die Notwendigkeit, sich immer besser kennenzulernen. „Viele Muslime messen der religiösen Dimension des Lebens große Bedeutung bei“, so der Papst: „Das wird zuweilen als Provokation aufgefasst in einer Gesellschaft, die dazu neigt, diesen Aspekt an den Rand zu drängen oder ihn höchstens im Bereich der persönlichen Entscheidungen des einzelnen gelten zu lassen“. Doch eine pluralistische Gesellschaft könne „ohne einen Konsens über die grundlegenden ethischen Werte“ langfristig nicht bestehen. In Deutschland sei zwischen der katholischen Kirche und den muslimischen Gemeinschaften „ein Klima des Respekts und des Vertrauens“ gewachsen. Christen und Muslime könnten aus ihrem Glauben heraus ein wichtiges gemeinsames Zeugnis in vielen entscheidenden Bereichen des gesellschaftlichen Lebens geben: „Ich denke hier z. B. an den Schutz der Familie auf der Grundlage der Ehegemeinschaft, an die Ehrfurcht vor dem Leben in jeder Phase seines natürlichen Verlaufs oder an die Förderung einer größeren sozialen Gerechtigkeit“.[…]

Mehr Lobhudelei als Kritik …
[…]Auch im Bundestag zeigte sich deutlicher Prostest am Auftritt des Papstes. Ungefähr 70 Plätze von Parlamentariern blieben leer, im Vorfeld hatten rund 100 Oppositionspolitiker angekündigt, der Rede des Papstes kein Gehör schenken zu wollen. Rund zwei Drittel der Linken-Fraktion nahmen nicht teil, der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele verließ während der Ansprache den Saal. Gemischt waren die Reaktionen der Abegeordneten nach der philosophischen Rede des Papstes. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat die Rede als „sehr wertvolle Orientierung für unser tägliches Tun in der Politik“ gewürdigt. „Die Mahnung des Papstes, die Wahrung der Gerechtigkeit in allem politischem Bemühen nicht aus den Augen zu verlieren, tut uns allen gut“, sagte Gröhe nach der Rede am Donnerstag in Berlin. Die Erinnerung an die geistigen Grundlagen Europas seien gerade in dieser Zeit großer Herausforderungen „ein wichtiger Kompass für uns alle“. Die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte: „Seine Worte haben Brücken geschlagen und uns als Abgeordnete an die Grundlagen unserer politischen Entscheidungen erinnert, nämlich Gerechtigkeit und Frieden“, und weiter: „Er hat uns zu Herzen geredet.“ Die Rede sei „einer der größten Momente der deutschen Parlamentsgeschichte“ gewesen. Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat die Rede Papst Benedikts XVI. im Bundestag als „denkwürdiges Bekenntnis zu den unveräußerlichen Menschen- und Freiheitsrechten“ bezeichnet. Das Kirchenoberhaupt habe „das rechte Wort am rechten Platz gefunden“ und einen Beitrag zur Besinnung „auf die Grundwerte unseres Rechtsstaats und unseres freiheitlichen Gesellschaftssystems“ geleistet, erklärte Rösler am Donnerstag. Die Betonung von Natur und Vernunft als Rechtsquellen verdiene Beachtung. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat die Papst-Rede als wichtige Unterstützung für die Politik bewertet. Benedikt XVI. habe die Abgeordneten in jener Wertebasis für verantwortliches Handeln bestärkt, worauf die inneren Fundamente von Demokratie und Rechtsstaat beruhten. „Das hat er glänzend, in klaren, einfachen Strichen, für jeden verständlich, deutlich gemacht“, sagte Brüderle am Donnerstag in der ARD. Man habe nicht erwarten dürfen, dass der Papst dem Bundestag konkrete Vorschläge für die Euro-Schuldenkrise oder andere große Themen liefere. „Das ist sicherlich nicht seine Aufgabe, uns ein Rezeptbuch zu liefern, wie wir Detailprobleme lösen.“ Brüderle kritisierte, dass zahlreiche Oppositionspolitiker die Rede boykottierten. „Nur wenn man zuhört, kann man verstehen, auch wenn man eine andere Meinung hat. Aber das Zuhören nicht mehr als Teil der Aufgabe zu sehen, enttäuscht.“ … Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck hat den Bundestag als keineswegs idealen Ort für die Papstrede gewertet. „Diese Rede hätte sehr gut in die Humboldt-Universität gepasst“, sagte Beck am Donnerstag in der ARD. Den Inhalt der Rede hätte man gut in einem intellektuellen Gespräch weiterführen können. Beck lobte, die Ausführungen des Papstes zur „Ökologie des Menschen“ hätten eine andere Nuance als üblich gehabt. Spreche der Papst dieses Thema sonst an, verbinde er das mit seiner restriktiven Sexualmoral. Das habe er sich verkniffen. Benedikt XVI. hatte gesagt, der Mensch habe eine Natur, die er nicht beliebig manipulieren könne[…]

Gut, dass das der alte Augstein nicht mehr mitbekommt
[…]Der Publizist Jakob Augstein sieht in Benedikt XVI. eine wichtige Instanz in Sachen Ethik. «Wir brauchen den Papst», schreibt der Verleger der Wochenzeitung «Der Freitag» in seiner aktuellen Kolumne für die Internetseite «spiegel-online». Denn Ethik und Politik seien nur manchmal deckungsgleich. Dabei verweist Augstein auf eine umstrittene Fördermaßnahme des Bundesforschungsministeriums. Dieses unterstütze mit öffentlichem Geld die Entwicklung eines Tests, der ohne jedes Risiko für die Mutter feststelle, ob ihr Baby das sogenannte Down-Syndrom aufweise. Der einzige Zweck dabei sei Selektion. «Es kann nicht schaden, in Rom einen sitzen zu haben, der mit uns über die Conditio humana spricht.» Das geschehe zu einer Zeit, «in der wir glauben, uns mit nichts abfinden zu müssen, in der wir für alles vorsorgen wollen und keine Gefahr mehr laufen mögen – und am Ende doch alle sterben», so Augstein. Den Protest der Parlamentarier gegen die Rede von Benedikt XVI. im Bundestag bezeichnete der Publizist als «pubertär». Die katholische Kirche sei die älteste Institution der Welt und verdiene Respekt. «Ob es uns gefällt oder nicht: Wir Abendländer entstammen alle ihrem Schoß.» Die Einladung des Parlaments an den Papst sei eine Ehre. Die Abgeordneten könnten sie ruhig mit mehr Souveränität gewähren. In Rom mögen Wahrheiten verkündet werden, im Bundestag werde um den rechten Weg gerungen. «Indem er vor dem Parlament spricht, reiht Benedikt seine Stimme ein.» […]

Freie Fahrt für Religionsführer-Reden im Bundestag, Ratze sei Dank, igitt …
[…]Berlin – Nach der Papst-Rede im Bundestag wirbt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, für eine Einladung des Dalai Lama, des geistigen Oberhaupts der Tibeter. Er wünsche sich eine Rede des Dalai Lama vor dem Parlament als Zeichen der Solidarität mit den Tibetern gegenüber der Volksrepublik China, sagte Beck am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Das Argument, dass im Plenum des Bundestages keine Religionsführer sprechen dürften, kann nach Ansicht des Grünen-Politikers nun nicht mehr gelten. Bislang sei dem Dalai Lama mit diesem protokollarischen Hinweis eine Rede verweigert worden. „obwohl ihm dies helfen würde mit seinem Anliegen, das eigentlich alle im Bundestag teilen“, sagte Beck. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Dalai Lama in der Vergangenheit bereits im Bundeskanzleramt empfangen und damit für heftige Proteste bei der chinesischen Regierung gesorgt. Einen Auftritt im Bundestag würde Peking wohl als noch größeren diplomatischen Affront betrachten[…]

Ströbele redet Tacheles
[…]Hans-Christian Ströbele, Abgeordneter der Grünen im Bundestag, hat im PHOENIX-Interview den Papst und die katholische Kirche scharf kritisiert. „Wenn der Papst die christlich-jüdischen Grundlagen betont, die es ja gibt für die deutsche Kultur, dann kann er nicht auf der anderen Seite einen Holocaust-Leugner rehabilitieren und wieder hoffähig machen.“ Weiterhin bemängelte er, dass der Papst sich in seiner Rede nicht zum Umgang mit den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche geäußert hatte. „Es geht nicht um Worte, sondern man muss die Führung der katholischen Kirche an ihren Taten messen. Und da leisten sie auf der Welt auch Schreckliches und Schlimmes.“[…]

Das Kirchenarbeitsrecht muss weg!
[…]Ver.di-Chef Frank Bsirske will mit Streiks in kirchlichen Einrichtungen eine bessere Bezahlung und Tarifverträge für die Kirchenbeschäftigten durchsetzen. 1,3 Millionen Arbeitnehmern dürfe nicht länger das Recht abgesprochen werden, Tarifverträge abzuschließen und dafür wenn nötig auch streiken zu können, sagte Bsirske auf dem Bundeskongress seiner Gewerkschaft in Leipzig. „Diakonische Einrichtungen bestreiten elementare Arbeitnehmerrechte“, kritisierte der Gewerkschaftschef. Kirchliche Unternehmen und Einrichtungen, die sich wie „stinknormale Arbeitgeber verhalten, müssen sich gefallen lassen, auch wie stinknormale Arbeitgeber behandelt zu werden“. Dies hätten zwei Gerichte in erster Instanz bestätigt. Derzeit würden weitere Streiks vorbereitet, kündigte Bsirske an. Die „vordemokratischen Zustände“ im Bereich der kirchlichen Wirtschaftsunternehmen müssten überwunden werden[…]