Pontifikale Schizophrenie


Quelle: thueringerblogzentrale.de

Ausgestorbene Völker sind etwas praktisches, denn sie können sich nicht gegen Verleumdungen wehren. So zum Beispiel die Skythen, welche vom Papst bei seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag mit einem Zitat eines «grossen Theologen» als Volk notorischer Lügner dargestellt wurden, um daran zu zeigen, wie wahrheitsliebend und deshalb Zivilisatorisch wertvoll Christentum und katholische Kirche sind.

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Von dort sprang er Flugs auf den Gaul des Widerstandes gegen die Nazis und glaubte danach mit einer Reihe philosophischer Volten beweisen zu können, dass all jene, die Gerechtigkeit auch gegen herrschende Gesetze anstreben, eigentlich ein Beweis für Gott sind… und so die daraus folgende Notwendigkeit, diesen in einer Kirche anzubeten.

Das Letzte sagte er natürlich nicht mehr, denn Herr Ratzinger ist ohne Zweifel ein sehr intelligenter Mann, der mitunter weiss, wann das Kamel unter dem Grashalm zusammenbricht. Und diesmal trieb er es erfolgreich durch den Bundestag.

Er wusste auch genau, wo er seine grössten Feinde zu verorten hat – unter den positivisten, den Wissenschaftlern, die behaupten, dass die Welt so ist, wie sie ist, weil sie eben so ist, sprich alle Ursachen für sich in der Welt selbst zu suchen und auch zu finden glauben.

So kommt er denn zu diesem Satz: «Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.»

Aha.

Es ist daher ja nur logisch, dass der Papst in der Folge den Positivismus als umfassende Erklärung der Welt mit sanften Worten in Bausch und Bogen verdammt, denn sie «verkleinert … den Menschen, ja … bedroht seine Menschlichkeit».

Demnach müsste ja in der Kirchengeschichte und der Kirche selbst alles total in Ordnung sein. Doch irgendwie fallen da ganze Lastwagenladungen Sand ins Getriebe, wenn der Anspruch mit dem Resultat, die hehre Moralinstanz an ihren Behauptungen gemessen wird. Von heute nach hinten gesehen Fallen da Missbrauchsskandale, Kungeleien mit Diktatoren, Zensur des Denkens, Kampf gegen Menschenrechte und Demokratie, Unterstützung von Feudalsystemen, systematische Frauenunterdrückung und -entmenschlichung, Antreiben zu und Führen von Religionskriegen, Unterdrückung der Wissenschaft, und, und und ein. Das Schwarzbuch der Christenheit hat viele dicke Bände.

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3 Comments

  1. @Stephan Wehmeier
    Was hat dieser Beitrag mit der brillanten schweizer Kritik an der Vorlesung des „Stellvertreter Gottes auf Erden“ auch „Heiliger Vater“ bezichtigt im Bundestag zu tun? Im Blog geirrt?

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  2. Bravo…jedenfalls in der Schweiz wird die Rede genau gelesen…denn Professor Ratzinger dozierte im Bundestag über die Köpfe der meisten Parlamentarier hinweg…eben kein bedeutender Theologe – wie schon Umberto Eco herausfand – eher ein penibler deutscher Professor, aus einer evidenzfernen Fakultät.

    Den Trick mit der Verleumdung zur Stärkung seines Argumentes am Anfang seiner Vorlesung hatte er schon mal bei seiner umstrittenen Regensburger Vorlesung am 12. September 2006 gemacht, damals waren Muslime – und nicht die Skythen – die schlechten, weil nicht christlichen Menschen. Damals brachte der Professor die geplante „Pilgerreise“ des Papstes in die Türkei in Gefahr. Er zündelt recht gern der deutsche „Brückenbauer“ selbst ernannter Nachfolger des Pontifex Maximus, wie sich die römischen Kaiser nannten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Papstzitat_von_Regensburg.

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