Christen müssen Atheismus ernst nehmen


Der Atheismus ist und bleibt für Christen eine Herausforderung, die ernst genommen werden muss und helfen kann, das eigene Leben immer wieder neu an Gott auszurichten. Das war der Tenor einer religionspädagogischen Fachtagung am Freitagabend in Innsbruck. Kirchen und religiöse Menschen seien am Entstehen des Atheismus nicht unbeteiligt, etwa durch ihr Auftreten oder die Art des Umganges mit Kritisch- oder Anders-Denkenden, räumte Bischof Manfred Scheuer ein. Das sei auch schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) festgestellt worden.

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Wörtlich sagte Scheuer: „Der Atheismus ist eine Anfrage an uns und unseren Glauben. In Gesprächen mit Menschen, die dem Glauben skeptisch gegenüberstehen, kann es vorkommen, dass der eigene Glaube und das Gottesbild grundlegend hinterfragt werden.“ Auch die Lebensführung einer nichtreligiösen Personen werfe dadurch, dass sie sich von der eines gläubigen Menschen häufig nicht sehr unterscheidet, Fragen auf.

Die provokante Anfrage nichtreligiöser Personen bestehe oft darin, dass es sich offensichtlich auch ohne Gott gut leben lässt und dass sie Religion nicht bräuchten. Das könne Christen als Warnung vor einer Funktionalisierung von Religion und besonders vor einer Instrumentalisierung Gottes dienen, so Scheuer.

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3 Comments

  1. Die Gleichsetzung von Fundamentalismus und Atheismus ist eine Unverschämtheit. Jeder gemäßigte, moderate Christ steht dem religiösen Fundamentalismus immer noch viel näher als ein Atheist. In der Debatte um den „neuen Atheismus“ werden Atheisten von religiöser Seite offenbar zunehmend diffamiert. Tja, wenn man keine Argumente hat, bleibt nur, den Gegner zu beschimpfen.

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  2. »Das könne Christen als Warnung vor einer Funktionalisierung von Religion und besonders vor einer Instrumentalisierung Gottes dienen, so Scheuer.«

    Genau das trifft es doch, Rehlügion ist Funktion und Instrument. Jared Diamond spricht nicht umsonst von Rechfertigungsreligionen in Kleptokratien.

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  3. Der prinzipielle Unterschied zwischen einem Gottgläubigen und einem Atheisten besteht darin, dass sich der Gottgläubige auf eine von Menschen ersonnene, nicht existente Gottes-Fiktion beruft, von der er sich Lebenshilfe erhofft. Der klassische Fall eines Selbstbetruges.

    Der Atheist wiederum mag sich nicht selbst belügen und betrügen. Er stellt sich den Realitäten des Lebens und generiert Lebenshilfe aus eigener mentaler Kraft und Stärke. Nicht immer leicht umzusetzen, aber ehrlich.

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