Kodex, Pontifex und Podex


Von Wiglaf Droste – jW

Vorm Spiegel steht Papst Benedikt

Er ist ganz von sich selbst entzückt

und ruft: »Herrje, wie steht mir gut

das Schuhwerk rot wie Ochsenblut!

Und dann mein Haar, so weiß wie Schnee!

Bin ich nicht schön, Herrjemine!

Herrjemine? – Herrjeminesters!

Noch schöner als Johannes Heesters!

Ernst Jünger wird im Grab rotieren,

Der kann sich nie mehr so frisieren!«

So lauthals von sich selbst betört

Hat Benedikt auch Gott gestört

In dessen heil’gem Mittagsschlummer.

Wie dumm, von so was kriegt man Kummer.

***

Im Himmel gilt der alte Kodex:

Für Eitelkeit gibt’s auf den Podex.

Gott weist den Prahlhans in die Schranken.

Und klatscht ihm saftig auf den Blanken.

Zwölfmal, denn pro Apostel einen

ist noch recht gnädig, will Ihm scheinen.

Der Papst, der gerne von Barmherz-

igkeit spricht, fühlt sie hinterwärts.

Doch anders als manch Ministrant

erlebt er strafend nur die Hand.

Recht schmerzhaft sind die Flötentöne

von der Firma Gott und Söhne

Und rot wie der des Pavians

ist auch der Arsch des Vatikans.