Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Die naiven Katholen …
[…]Mehr als ein Dutzend Predigten und Ansprachen hat Papst Benedikt in Deutschland gehalten. Doch nach dem viertägigen Besuch in seinem Heimatland bleiben offene Fragen und enttäuschte Hoffnungen. Kirchenkritiker äußerten sich am Montag ebenso desillusioniert wie Vertreter der evangelischen Kirche. Dagegen werteten die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken den viertägigen Besuch in Berlin, Thüringen und Freiburg als großen Erfolg. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte mit Verweis auf den großen Zuspruch bei den Papstmessen: «Die Behauptung, dass die deutschen Katholiken Rom und dem Papst kritisch gegenüberstehen, ist nun wirklich widerlegt.» Auch bei der Ökumene habe es Fortschritte gegeben. «Jetzt besteht die Chance, dass beide Kirchen das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam gestalten können», sagte Glück der «Passauer Neuen Presse» … Der Tübinger Theologe Hans Küng schrieb in einem Gastbeitrag für die «Freie Presse» (Montag), Papst Benedikt XVI. habe ein offenes Ohr und ein «hörendes Herz» versprochen. Tatsächlich habe er aber mit versteinertem Herz auf die Reformanliegen der meisten deutschen Christen reagiert und sei zudem ein Haupthindernis für die ökumenische Verständigung mit der evangelischen Kirche. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock kritisierte den Papstbesuch als «Demonstration des römischen Zentralismus». Die von Benedikt repräsentierte Kirche «entzieht sich in einer bedrückenden dogmatischen Verengung sogar Diskussionen über Fragen, die gar keine ewigen Glaubenswahrheiten sind», sagte Kock dem «Kölner Stadt-Anzeiger»[…]

Der autistische B16-RatzeBene
[…]Was der Papst seinen Landsleuten mitzuteilen gedachte, stand von vornherein fest. Auf den rechten Glauben kommt es an, auf die reine Lehre und die heilige Kirche. Die Beziehung zu Gott, sagt Benedikt, gehört an die erste Stelle, nicht unter „ferner liefen“. Dort hingegen rangieren Demonstranten, Protestanten, „Kirchenträumer“. Sorgen wegen des Vertrauensverlusts der Kirche oder der zunehmenden pastoralen Probleme aufgrund des Priestermangels überging der Papst komplett. Stattdessen geißelte er die Gottferne kirchlicher Apparatschiks sowie materielle und strukturelle Verfettung. Damit wiederholte der Papst fast wörtlich eine fünf Jahre alte Ansprache. Der Missbrauchsskandal hat im Kirchenregiment Benedikts XVI. offenbar keine Spuren hinterlassen. So wird er einer Lage nicht gerecht, die selbst Wohlmeinende als größte Krise der vergangenen Jahrzehnte bezeichnen. Überdies brüskiert der Papst jene Bischöfe, die zur Krisenbewältigung einen „Dialogprozess“ ausgerufen und Benedikts Besuch als Bestandteil interpretiert haben. Alles Quatsch, bedeutet der Papst ihnen jetzt, allen voran dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch: Die eigentliche Krise der Kirche ist die Krise des Glaubens. Benedikt hantiert gern mit solchen Gegensatzpaaren. So kristallin sie wirken, so nebulös sind sie in Wahrheit. Im Pochen auf Glaubenstreue etwa bleibt geflissentlich außer Acht, dass die Herausforderung für Christen darin besteht, Glaubenswahrheiten in die Gegenwart zu übersetzen. Hier muss es eine Variationsbreite legitimer Lebens- und Stilformen geben. Andere strittige Positionen der Kirche, etwa die Sexualmoral, gehören überhaupt nicht zum Glaubenskern und beeinflussen doch erheblich das Leben des Christen und die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Botschaft. Die von Benedikt propagierte Distanz zur Welt droht hier in Weltfremdheit umzuschlagen. Eine solche Kirche mag nach innen fest geschlossen stehen, für Nichtchristen und die säkulare Gesellschaft wird sie immer weniger anschlussfähig. Das Gespräch über all das hat der Papst für sachfremd erklärt, ins Läppische gezogen oder komplett verweigert. Ein Stück Autismus. Und das an der Spitze eines Kommunikationsunternehmens.[…]

Weg mit den Kirchen-Privilegien
[…]Doch es rütteln andere, Humanisten vom Humanistischen Pressedienst hpd oder der Giordano-Bruno-Stiftung zum Beispiel. Während mancher Christ derzeit den Atem anhält, weil Papst Benedikt im Erfurter Augustinerkloster nächtigt – dem Ort, an dem Martin Luther Mönch war, dessen Kirche vom Vatikan noch immer nicht anerkannt ist – freuen sich die Kirchenkritiker schon auf die nächste Kampagne. Die Linkspartei hat bereits im Mai einen Antrag gegen das Arbeitsrecht im Bundestag gestellt, der auch von grünen Politikern unterstützt wird. «Da kommt was in Bewegung. Nach dem Papstbesuch, im Oktober, November geht es los», kündigt Carsten Frerk an … Auch die Kirchensteuer selbst ist ein Zankapfel. Verfassungsrechtler Robbens betont, dass die Abgabe für Kirchenmitglieder nicht zulasten, sondern zusätzlich zur Einkommenssteuer abgerechnet wird. Außerdem zahle die Kirche jährlich 280 Millionen Euro dafür, dass der Staat den Einzug übernehme. Doch Zahlenjongleur Carsten Frerk zufolge spart die Kirche allein etwa zwei Milliarden Euro dadurch, dass sie kein eigenes Kirchensteueramt finanzieren muss. Bleibe eine Kostenersparnis von 1,7 Milliarden Euro, die der Kirche diesem «weltweit finanzverfassungsrechtlichen Unikum» zu verdanken habe. Frerk ist noch nicht fertig. Da die Steuer als Sonderausgabe steuerlich absetzbar ist, entgingen Bund und Ländern jährlich drei Milliarden Euro. «Das wird mit dem hohen sozialen Engagement der Kirchen begründet», sagt er – und führt eine Studie an, der zufolge 47 Prozent der Befragten aus der Kirche austräte, wenn diese wenig oder fast gar nichts für soziale Einrichtungen aufwende. «Aber so ist es ja», sagt Frerk.[…]

Radikale Abtreibungsgegner gegen Kretschmann
[…]Heftige Kritik am baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) übt die christliche Initiative „Hilfe zum Leben“. Deren Vorsitzender, Reinhard Klein (Pforzheim), wirft dem Regierungschef den Bruch seines Wahlversprechens vor, Bürger stärker an der Politik zu beteiligen. Mehrmals hatten Kretschmanns Mitarbeiter Kleins Bitte um ein Gespräch über Abtreibung und die Folgen abgelehnt. Man habe ihm gesagt, dass der Ministerpräsident nur mit hochgestellten Persönlichkeiten und Personen in sehr verantwortungsvollen Positionen Gespräche führe, sagte der Lebensrechtler gegenüber idea. Seiner Ansicht nach müsste der Politiker, der sich als Christ und guten Katholiken bezeichne, zum Gespräch über die Rettung ungeborener Kinder bereit sein. Klein: „Wir wissen, was es heißt, wenn sich Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt befinden und welche zum Teil furchtbaren Konsequenzen ein solcher für die Frau haben kann, wie sie darunter manchmal bis zu ihrem Lebensende leiden.“ Der Verein „Hilfe zum Leben“ unterhält in Pforzheim eine Beratungsstelle für Schwangere in Not.[…]

Demonstratives Beten an Schulen verboten
[…]Das Urteil sorgte für Aufsehen: Im vergangenen Jahr entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg, dass ein muslimischer Schüler sein Mittagsgebet an seiner Schule in Berlin-Wedding nicht verrichten darf. Heute befasst sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit dem Fall. Bei der Verkündung begründeten die Richter des OVG 2010 ihre Entscheidung mit der Gefährdung des Schulfriedens. Es könne zu einer Art Wettbewerb zwischen den Religionen kommen, weil die Jugendlichen dort aus rund 30 verschiedenen Herkunftsländern stammen. Der Einrichtung seien Vorkehrungen, dass jeder Schüler ungestört beten könne, nicht zuzumuten. Es begann mit einer Szene, die sich vor vier Jahren am Berliner Diesterweg-Gymnasium abspielte: Der damals 14-jährige Yunus M. und einige seiner Freunde knieten im Schulflur auf ihren Jacken und beteten. Ein Lehrer berichtete es der Direktorin, die den Schüler belehrte, dass er in der Schule nicht demonstrativ beten dürfe. Während das Verwaltungsgericht vor zwei Jahren der Argumentation des Schülers folgte, der sich auf die Religionsfreiheit berief, entschied das OVG im vergangenen Jahr zugunsten der Schule und der Berliner Schulverwaltung. Einige Rechtswissenschaftler sprachen anschließend von einer hochproblematischen Entscheidung. Wenn es nicht zu einer Revision komme, bedeute die Entscheidung in jedem Fall einen „strikten Marsch in den Laizismus“, meinte der Göttinger Jurist Hans Michael Heinig nach der Urteilsverkündung. Es sei ein massiver Eingriff in die Religionsfreiheit, so Heinig, der das Kirchenrechtliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitet. Pragmatische Lösungen. Nicht so drastisch sieht das der Rechtswissenschaftler Fabian Wittreck vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Universität Münster. Wenn Konflikte dieser Art vorhersehbar sind, hält er es für gerechtfertigt, im Einzelfall eine Art „religionsneutrale Zone“ zu schaffen. Er betonte aber, dass dabei immer besondere Voraussetzungen vorliegen müssten – wie am Diesterweg-Gymnasium mit Schülern aus sehr vielen unterschiedlichen Herkunftsländern. Nach seiner Auffassung schwingt in dem OVG-Urteil zudem eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber dem Islam und demonstrativen Gebeten mit. Unabhängig von dem Fall meint Wittreck, dass künftig verstärkt Richter zu Themen mit religiöser Relevanz Entscheidungen treffen werden, die selbst nicht religiös geprägt sind[…]

Abschaffung des Zölibats hieße Priesterüberschuss
[…]“Die Gläubigen sind nicht schlechter betreut als früher. Die Nachfrage nach Taufen, Eheschliessungen, Gottesdiensten und anderen Sakramenten sinkt nämlich noch stärker als die Zahl der Priester. Der angebliche Priestermangel ist also ein Mythos.“ Dies teilte der Churer Generalvikar Martin Grichting in einem aktuellen Interview mit der „Sonntagszeitung“ mit. Derzeit habe man genügend Priester, um die Aufgaben zu bewältigen. „Jedenfalls genug, um alle Aufgaben zu bewältigen. Wenn wir die üblichen Forderungen erfüllen würden, also das Zölibat abschaffen und Frauen zu Priestern ordinieren, hätten wir sogar noch mehr Priester. Es gäbe noch mehr Personal für immer weniger Gläubige. Man würde schrumpfende Gemeinschaften personell versorgen und damit zementieren, statt sie zu vernünftig grossen Einheiten zusammenzuführen. Das wäre reine Strukturerhaltungspolitik“, so Grichting[…]

Was die Welt nicht braucht: kostenlose Internetbibliothek für Theologie und Ökumene
[…]Der Weltkirchenrat hat am Freitag die erste kostenlose Internetbibliothek für Theologie und Ökumene eröffnet. Jeder Interessierte hat Zugang zu den über 200.000 Texten, Büchern, Zeitschriften und akademischen Publikationen aus verschiedenen Ländern. Dies geht aus einer Mitteilung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf hervor. 

Auf der Internetseite http://www.globethics.net/gtl können sich Interessierte kostenlos anmelden. Die Webseite der „Globalen Bibliothek für Theologie und Ökumene“ versorgt die Leser mit Informationen auf Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Laut Angaben des Betreibers sind auch Auftritte in Chinesisch, Arabisch und anderen Sprachen geplant.

 Zudem können Autoren ihre Werke über Theologie und Ökumene der Bibliothek zusenden. Die Bibliothek solle helfen, dass immer größer werdende Wissen über Theologie und Ökumene allen interessierten Menschen zur Verfügung zu stellen. Mit dem Portal solle Menschen in Entwicklungsländern durch die neue Auswahl im Internet ein einfacherer und schnellerer Informationszugang ermöglicht werden. Im Ökumenischen Rat der Kirchen sind 349 christliche Kirchen mit rund 560 Millionen Gläubigen zusammengeschlossen. Die katholische Kirche ist kein Mitglied, kooperiert aber mit dem ÖRK. Die Internetbibliothek ist ein gemeinsames Projekt der ÖRK, von Globethics.net und anderen internationalen Partnern.[…]

Deutliche Mehrheit der Deutschen gegen Kirchensteuer
[…]Laut einer Umfrage der «Bild am Sonntag» halten mehr als zwei Drittel der Deutschen die Kirchensteuer für nicht mehr zeitgemäß. Insgesamt hätten sich 69 Prozent der Befragten gegen die Abgabe ausgesprochen, nur 31 Prozent dafür, teilte das Blatt in einer Vorabmeldung am Samstag mit. Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Emnid 500 in der Bundesrepublik lebende Personen über 14 Jahre befragt. Die größte Zustimmung für die Kirchensteuer gab es demnach unter Senioren ab 60 Jahren mit 41 Prozent. Doch auch hier habe eine Mehrheit, nämlich 59 Prozent, die Steuer abgelehnt. In Deutschland haben die Kirchen das von der Verfassung gesicherte Recht, von ihren Mitgliedern Kirchensteuern zu erheben. Die Steuer ist die wichtigste Finanzquelle zur Wahrnehmung kirchlicher Aufgaben in Seelsorge, Bildung und Sozialwesen. Die Höhe richtet sich in der Regel nach der Einkommenssteuer. Im Jahr 2009 betrug das Kirchensteueraufkommen der katholischen Kirche in Deutschland 4,9 Milliarden Euro, für die evangelische Kirche mit 4,4 Milliarden Euro. Die Kirchensteuer wird aus Kostengründen vom Staat eingezogen; er erhält für diesen Dienst zwei bis vier Prozent des Aufkommens.[…]

Piusbruderschaft liebt Ratze inbrünstig
[…]Am Festtag des heiligen Johannes des Täufers hat der Generalobere, Weihbischof Bernard Fellay, ein Schreiben an den Heiligen Vater abgeschickt, in dem er ihm die Zahl der Rosenkränze mitteilt, die Gläubige aus aller Welt in der Zeit zwischen Ostern 2009 und dem Fest Mariä Verkündigung 2010 gebetet haben. Intention der Gebete war die Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens, wie es die Botschaft von Fatima verlangt. Der Brief ist nicht veröffentlicht worden. Man kennt nur die von Bischof Fellay genannte Zahl von ganz genau 19.149.525 [Update] Rosenkränze [/Update]. Erbeten hatte der Generalobere zwölf Millionen [Update] Rosenkränze [/Update], entsprechend den zwölf Sternen, die die Frau umgeben, die in der Apokalypse das „große Zeichen, das am Himmel erscheinen wird“, genannt wird. Dieser geistliche Blumenstrauß wurde der Allerheiligsten Jungfrau Maria überreicht, um ihren Triumph zu beschleunigen und um den Sieg und den Frieden zu erbitten, den die Kirche ohne ihre machtvolle Fürsprache nicht erreichen kann. Daß das Ergebnis des Gebetsaufrufs dem Pontifex übermittelt wurde, soll ein Beweis sein für die tatkräftige Liebe, die die Priesterbruderschaft St. Pius X. – mit allen ihren Priestern, Ordensleuten und Gläubigen – für die katholische Kirche und den Stellvertreter Christi hegt.[…]

Reformkatholiken rufen zum Ungehorsam auf
[…]Freiburg (dpa) – Reformkatholiken haben tief enttäuscht auf die Ansprachen des Papstes in Deutschland reagiert und die Gläubigen zum Ungehorsam aufgerufen. Laienorganisation «Wir sind Kirche» kritisierte, Benedikt XVI. habe bei seiner Begegnung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland die Chance zum ökumenischen Fortschritt verspielt. Von Benedikt seien keine weiteren Impulse zu erwarten. Der Papst hatte zuvor in Freiburg die Katholiken in Deutschland zur Umkehr und Erneuerung aufgerufen.[…]