Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Antisemitismus und Klerikalfaschismus sind doch kein Problem für B16-RatzeBene
[…]Die Priesterbruderschaft St. Pius X. begibt sich vom 7.–8. Oktober 2011 in der Nähe Roms in Klausur, um über die „Doktrinelle Präambel“ zu beraten. Von deren Annahme hängt die volle Einheit mit der katholischen Kirche ab. Nachdem Msgr. Fellay, der Generalobere der Piusbruderschaft, vor zwei Wochen von Kardinal William Levada die „Präambel“ ausgehändigt bekam, versammelt er nun den Generalrat der Bruderschaft in der italienischen Stadt Albano Laziale. Dort befindet sich der Sitz des italienischen Distrikts Es wird darum gehen, den „harten“ Flügel der Bruderschaft davon zu überzeugen, daß ein endgültiger Frieden und eine Versöhnung mit Rom nicht nur möglich, sondern ein Gebot der Stunde ist. Es geht nicht zuletzt um die Chance, die Wunde der fehlenden Einheit mit Rom, die konstitutioneller Teil der Katholizität ist, ein für allemal schließen zu können. In der römischen Kurie geht die Rede, daß es mögliche Auswirkungen auf Assisi 3, das interreligiöse Treffen für den Weltfrieden geben könnte. Für den 27. Oktober hat Papst Benedikt XVI. Vertreter aller Religionen und auch Atheisten in die umbrische Heimatstadt des heiligen Franziskus eingeladen. Sollte die Einigung der Piusbruderschaft mit Rom vor dem 27. Oktober besiegelt werden, überlegen jüdische Vertreter dem Treffen in Assisi fernzubleiben. Sie wollen damit gegen die Rückkehr der traditionalistischen Piusbruderschaft in den Schoß der katholischen Kirche protestieren. Begründet werden solche Gedankenspiele in jüdischen Kreisen – derzeit sind es nur solche – mit der Behauptung, die Lefebvrianer seien “Gegner” des Dialogs zwischen der Kirche und den “älteren Brüdern”. Bereits bisher löste jede Geste des Heiligen Stuhls zur Wiederherstellung der vollen Einheit Econes mit Rom heftige Reaktionen auf jüdischer Seite aus. Zuletzt die Rücknahme des Exkommunikationsdekrets der vier Bischöfe der Piusbruderschaft Anfang 2009. Nicht minder aber auch das Karfreitagsgebet für die Bekehrung der Juden und eine mögliche Seligsprechung Papst Pius XII. Entsprechende Kritik deponierten die Vertreter des deutschen Judentums auch bei der Begegnung mit Papst Benedikt XVI. am 22. September 2011 im Reichstag, nach dessen historischer Rede vor dem Bundestag. Rom hält an seiner Linie der strikten Trennung der verschiedenen Themen fest. Die jüdische Kritik wird im Vatikan im Bemühen um ein gutes Verhältnis ernst genommen, manche Reaktion jedoch als überzogen betrachtet und in der Regel einfach überhört. Daß Benedikt XVI. noch am selben Tag in seiner Predigt im Olympiastadion ausdrücklich Papst Pius XII. positiv erwähnte, wurde als elegante Antwort auf unangemessene jüdische Kritik gewertet[…]

Die Wahrheit über die Katholiban, die man nicht oft genug benennen kann
[…]Die katholische Amtskirche hatte sich mit dem deutschen Faschismus blendend arrangiert und dessen aktive Unterstützung noch nach der Befreiung fortgeführt: Mit der vom Vatikan organisierten sog. „Rattenlinie“ wurden nach 1945 zigtausende hochrangige Nazi-Kriegverbrecher, -Folterer und -Mörder nach Lateinamerika geschleust. Stellvertretend seien genannt der NSDAP-Reichsleiter Martin Bormann, SS-Oberstumbannführer Adolf Eichmann, der KZ-Arzt von Auschwitz Josef Mengele und der Kommandant der Vernichtungslager von Sobibor und Treblinka Franz Sprangl. Der bereits am 20.Juli 1933 zwischen dem Vatikan und den Nazi-Faschisten geschlossene Staatskirchenvertrag („Reichskonkordat“) ist bis heute für den Nachfolgestaat Bundesrepublik Deutschland gültig. Die katholische Amtskirche hat auch die anderen faschistischen Regime in Europa aktiv unterstützt oder war direkt an der Macht beteiligt: Italien (bis ’45), Spanien, Griechenland, Portugal bis zu deren Ende in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die katholische Amtskirche hat (beginnend mit der Conquista 1492) alle terroristischen Diktaturen Lateinamerikas aktiv unterstützt oder war direkt an der Macht beteiligt. Innerkirchliche Gruppen, die sich im 20. Jahrhundert an die Seite der Armen und Unterdrückten stellten („Theologie der Befreiung“), wurden vom Vatikan gnadenlos gemaßregelt, sanktioniert und exkommuniziert. Langjähriger persönlich Verantwortlicher dafür war der Chef-Inquisitor (sog. „Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre“) Joseph Ratzinger. Über all dies schwieg der Papst in Deutschland. Man sagt, Schweigen hieße Lügen. Die Aufzählung der von Ratzinger lautstark beschwiegenen Verbrechen ließe sich noch seitenweise fortsetzen, bspw. die Unterstützung des klerikalfaschistischen Ordens Opus dei, die posthume Rehabilitierung zahlreicher faschistischer Verbrecher mittels sog. „Seligsprechung“ usw. usf. Statt dessen abschließend eine Literaturempfehlung: Gerhard Feldbauer – „Der heilige Vater, Benedikt XVI. – Ein Papst und seine Tradition“[…]

Ratzes Lug und Trug Reden sind nicht verwunderlich, abartig jedoch die Begeisterung dafür und damit die Akzeptanz übelster Unwahrheiten und Verlautbarungen
[…]Ratzinger behauptete dann: „Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.“ Wenn Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung dazu schreibt, dies sei „historisch nicht haltbar“, ist das eine schönfärberische Untertreibung. Die christlichen Kirchen, besonders die katholischen, haben sich von Beginn an sehr aggressiv in das Recht von Staat und Gesellschaft eingemischt. Das fing im Römischen Reich an. Als das Christentum Staatsreligion wurde, hatte das zur Folge, das auf Homosexualität und Ehebruch die Todesstrafe stand. Im Mittelalter hatten kirchliche Gerichte dann großen Einfluss, konkurrierten im Bereich des Privatrechts mit weltlichen Gerichten und dominierten familienrechtliche und auch erbrechtliche Angelegenheiten. Dies zog sich bis in die Neuzeit hinein. Gerade im Familienrecht konnte die Abkehr von patriarchalischen Konzeptionen immer nur gegen den Widerstand kirchlicher Kreise erreicht werden. In der frühen Bundesrepublik spielte das christliche Naturrecht eine besonders üble Rolle. Zu ihren einflussreichsten Vertretern gehörte u.a. Hermann Weinkauff, der erste Präsident des Bundesgerichtshofes, der unter Hitler am Reichsgericht tätig gewesen war. Er begründete das Naturrecht u.a. damit, dass die im Rechtspositivismus – also der strikten Bindung an das positiv gesetzte Recht – erzogenen Richter den Nazis wehrlos ausgeliefert gewesen seien, indem sie geblendet vom rechtspositivistischen Pflichtgefühl deren Gesetze anwandten. Tatsächlich waren die meisten Juristen strikt antidemokratisch, antikommunistisch und antisemitisch eingestellt, viele hatten Hitlers Machtübernahme begeistert begrüßt. Die Renaissance des Naturrechts in den 1950er Jahren verschaffte ihnen ein Alibi, das sie sich gegenseitig gaben, um auf ihren Richter- und Staatsanwaltsstühlen und Professorenposten zu bleiben. Auch die Feinde blieben die Gleichen: Alles Linke und des Marxismus Verdächtigte wurde verfolgt. Im Bereich des Eherechts verteidigten die Vertreter des christlichen Naturrechts vehement das Patriarchat, denn nach ihrer Auffassung war der natürlichen Schöpfungsordnung zufolge – nachzulesen in der Bibel – der Mann das Haupt der Familie. Vor- und außerehelicher Sex, der ebenfalls der natürlichen Ordnung der Familie widersprach, sollte dagegen strafrechtlich verfolgt werden. Auf staatlicher Ebene haben sich weltliche und kirchliche Macht über tausend Jahre lang einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft geliefert, der im 16./17. Jahrhundert nach den Bauernkriegen und dem 30-jährigen Krieg zugunsten der weltlichen Fürsten entschieden wurde. Wie weit die katholische Kirche ging, wenn sie sich stark genug fühlte, illustriert der „Dictatus Papae“ Gregors des VII. aus dem 11. Jahrhundert, der u.a. erklärte: „Dass alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen. Dass er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann. Dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen. Dass sein Urteilsspruch von niemandem widerrufen werden darf und er selbst als einziger die Urteile aller widerrufen kann.“ Was Ratzinger über das christliche Naturrecht sagt, ist nicht neu. Im Grunde genommen ist es ein Neuaufguss der fast tausend Jahre alten Lehren des Thomas von Aquin, der in der katholischen Kirche als Heiliger und Kirchenlehrer verehrt und bis heute systematisch gelehrt wird. Tatsächlich ist das christliche Naturrecht die Form, in der das Christentum „eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben“ hat. Nach Thomas gibt es das göttliche Recht, das Naturrecht und das positive/menschliche Recht. Das göttliche Recht erscheint im Naturrecht, da das Naturrecht aus der von Gott geschaffenen natürlichen Ordnung stammt und der von Gott gegebenen menschlichen Vernunft zugänglich ist. Das positive Recht wird vom Menschen gesetzt und sollte dem Naturrecht entsprechen. Die Vernunft ist also insofern mit dem Glauben vereint, als sie naturgemäß zum Guten, also zu Gott strebt, aus der gottgegebenen natürlichen Ordnung erkennt, was vernünftig und richtig ist und dies in positives Recht umsetzt. Oder wie es Benedikt in seiner Rede formulierte: In der objektiven Vernunft der Natur zeigt sich die schöpferische Vernunft (Gott). Aufgabe des göttlichen Rechts ist es, den Menschen an Gott zu binden, schreibt der mittelalterliche Kirchenlehrer. Und da einige Menschen innerlich nicht geneigt sind, dem Gesetz freiwillig zu folgen, müssten sie durch äußere Gewalt zur Erfüllung der Gesetze gezwungen werden. In der Praxis führte das dazu, dass sich Thomas für die Todesstrafe für Ketzer aussprach. In seinem berühmten Falschmünzer-Gleichnis empfahl er, Häresie mindestens ebenso streng zu bestrafen, wie Falschmünzerei, auf die damals die Todesstrafe stand: „Denn es ist viel schwerwiegender, den Glauben zu zersetzen, der der Seele Leben spendet, als Geld zu fälschen, das vergängliches Leben unterhält.“ Es gibt keine gerade Linie zwischen dieser Lehre und den Menschenrechten von heute, mit der Aufklärung als Zwischenstation, wie der Papst suggerierte. Im Gegenteil steht die Vorstellung einer natürlichen, gottgegebenen Ordnung im Gegensatz zu Aufklärung und Demokratie. Letztere gehen davon aus, dass der Mensch selbstbestimmt ist und seine Gesellschaft entsprechend seiner Vernunft ohne „göttliche“ Vorgaben selbst formt. Im Gegensatz zu Ratzingers Auffassung sind die Menschenrechte und die Idee der Gleichheit aller Menschen nicht von der Überzeugung eines Schöpfergottes her entwickelt worden, sondern sie wurden gegen die christlichen Kirchen durchgesetzt. Der Papst tritt Aufklärung, Demokratie, Selbstbestimmung und Emanzipation entgegen, wenn er erklärt, der Mensch habe „eine Natur, die er achten muss“, und dafür eintritt, „die Sprache der Natur zu hören“. Denn dahinter steckt nichts anderes, als die Verteidigung der natürlichen Schöpfungsordnung gegen das technisch Machbare und das von der Mehrheit der Gesellschaft Gewünschte oder Akzeptierte[…]

Weiter mit Alan Posener zum Thema:
[…]Augustinus kannte die Demokratie nicht. Er sprach über das Römische Imperium. Tatsächlich sind Demokratie und Rechtsstaat die sichersten Bollwerke dagegen, dass der Staat zur „Räuberbande“ verkommt. Das Eine ist ohne das Andere wenig wert. Es ist bezeichnend, dass der Papst Rolle der Demokratie bei der Rechtsfindung und Rechtsverteidigung in seiner Rede nicht erwähnte. Denn die Kirche hat aus dem Naturrecht nie die Forderung abgeleitet, dass alle Menschen an der Leitung der Angelegenheiten des Staates – oder gar der Kirche! – beteiligt sein sollten. (Und zwar deshalb, weil es zur „Natur des Menschen“ gehört, dass sie verschiedene Fähigkeiten haben.) Daran schon erkennt man die Problematik des Naturrechts, das der Papst – ausdrücklich nicht als Oberhaupt des Vatikanstaats, sondern als „Bischof von Rom“ – dem deutschen Parlament als Rechtsgrundlage nahelegte … „Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas.“ Das ist keine neue Idee, vielmehr wiederholt Joseph Ratzinger diese Behauptung immer wieder. Dabei ist sie so offenkundig unsinnig, dass man sich fragt, warum es nicht wenigstens im Bundestag ein Gemurmel gab, als er sie auch dort vorbrachte. Denn jeder Abiturient weiß, dass die Kultur Europas – Deutschlands zumal – ebenso stark wie von „Jerusalem, Athen und Rom“ von der Stammeskultur der Germanen geprägt wurde. Und jeder Student der Jurisprudenz lernt schon im ersten Semester, dass unser heutiges Recht aus der „Begegnung“ (um mit Ratzinger zu reden) von germanischem und römischem Recht stammt. Man muss kein nationalistischer Romantiker sein, um zu erkennen, dass es gerade die Gewohnheitsrechte der Individuen und Kollektive innerhalb der germanischen „Räuberbanden“ waren, die – in der Renaissance neu formuliert als gott- oder naturgegebene „Freiheitsrechte“ – eine Grundlage der modernen Demokratie bildeten; dass die Vorstellung der Verfassung als eines „Gesellschaftsvertrags“ zwischen Stamm und Fürst, Volk und Regierung, der vonseiten des Volks zu kündigen ist, wenn die Regierung nicht dem Volkswohl dient, ein im germanischen Stammesrecht wurzelnder Gedanke ist, der in der Aufklärung – am prägnantesten in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – neu formuliert wurde. Ich will das Germanentum nicht zu sehr strapazieren, auch weil es geschichtlich verschiedentlich missbraucht wurde; aber Benedikt missbraucht „Jerusalem, Athen und Rom“, wenn er den germanischen Beitrag zur abendländischen Kultur unterschlägt – und wenn er verschweigt, dass sich die Christen zu Zeiten des Augustinus häuslich im Römischen Reich eingerichtet hatten und dessen Staatsrecht, das eben keine demokratische Kontrolle und kein Gewohnheitsrecht kannte, zur rücksichtlosen Unterdrückung aller anderen Religionen – sprich der Religionen der Mehrheit – benutzten. Diese Unterschlagung und Geschichtsfälschung sollte einem im Hinblick auf Benedikts Absichten zu denken geben … nun kommen wir, wie versprochen, zum „Naturrecht“. Es war ja der Anspruch der Kirche, wie Benedikt XVI sagte, dass sie statt auf eine Offenbarung „auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen“ verweise. Das Christentum ist, wie Joseph Ratzinger bei anderer Gelegenheit in der Sorbonne gesagt hat, „eine physikalische Religion“. Das heißt: Es ging aus von der völligen Übereinstimmung zwischen seinen Lehren und den Erkenntnissen etwa eines Aristoteles über die Natur. Damit das so bleibe, durfte sich die Naturwissenschaft freilich nicht anmaßen, Aussagen über die Natur zu machen, die dem widersprechen konnten, was das Christentum behauptete. Noch einmal, und anders formuliert: gerade weil das Christentum „wissenschaftsgläubig“ war (und in Gestalt Benedikts noch ist), musste es die Wissenschaft zensieren. Galileo Galilei wurde ja nicht deshalb von der Inquisition verfolgt, weil er das kopernikanische System verteidigte; der Vatikan selbst benutzte längst die Tabellen des Kopernikus zur Berechnung der Sternen- und Planetenbahnen usw. Galilei wurde verfolgt, weil er durch Beobachtung der Wirklichkeit beweisen zu können meinte, dass Kopernikus eine Aussage über die objektive Struktur der Natur machte. Seit Galilei ist das kirchliche „Naturrecht“ eben nicht mehr „Naturrecht“, sondern ein Recht, das sich auf die kirchliche Interpretation der Natur stützt. Wenn etwa die Biologie nachweist, dass homosexuelles Verhalten in der ganzen Natur verbreitet ist, also zum Spektrum natürlichen sexuellen Verhaltens gehört, dann erwidert die Kirche, zum „Wesen“ der menschlichen Natur gehöre nach der „schöpferischen göttlichen Vernunft“ aber die Zweigeschlechtlichkeit; niemals könne aus einer bloß „positivistischen“ Beobachtung dessen, was ist, abgeleitet werden, was sein soll. Das Beispiel Homosexualität ist nur ein besonders augenfälliges und absurdes Beispiel für das „Kopf-ich-gewinner-Zahl-du-verlierst“-Theologie Benedikts, die am „Naturrecht“ festhalten, aber die wissenschaftliche Erkenntnisse über die Natur nicht als eine Grundlage des Rechts akzeptiert, wenn sie der Offenbarung der Kirche widersprechen … Der Papst bringt es fertig, in ein und derselben Rede einerseits zu behaupten, das Christentum betrachte traditionell „Natur und Vernunft“ als Grundlagen des Rechts, andererseits aber zu klagen, wo die Religion dem Bereich des Subjektiven zugeordnet würde und Naturwissenschaft und Vernunft herrschten, seien „die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt“. Dass kein Kind zu rufen wagt: Der Papst ist nackt! Ich will mich nicht einmal mit der Bemerkung aufhalten, in einem Land, in dem eine ausdrücklich christliche Partei die Kanzlerin stellt, wirkt die Behauptung, hierzulande würde nur nach „positivistischer“ Vernunft entschieden, absurd. Wo lebt der Papst eigentlich? (Gut, in Italien. Man würde gern aus seinem Mund ein selbstkritisches Wörtchen zur wirklich „dramatischen Situation“ des Rechts dort erfahren, wo die Kirche – und Benedikt selbst – maßgeblich zur Installierung der Regierung Berlusconi beigetragen haben.) Ich will – frisch ausSchweden zurück – nur auf eine interessante Tatsache verweisen: Dort, wo die Kirchen den geringsten Einfluss haben und der Anteil der Atheisten an der Bevölkerung am höchsten ist, also in den skandinavischen Ländern, sind jene Gesellschaften entstanden, in denen sich nach allen bekannten Parametern des Glücks am besten lebt; in denen der Staat am ehesten jener „civitatis dei“ entspricht, die Augustinus auf Erden für unerreichbar hielt, und am wenigsten jener „Räuberbande“, die er während eines Großteils der Geschichte des christlichen Europa zweifellos war und in vielen Teilen der Welt noch ist. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.[…]

Gespräch mit Uta Ranke-Heinemann zum anhören
[…]Wenn man es nicht besser wüßte, hätte man fast meinen Können, der Papst und unser Bundespräsident wären ein paar: so liebevoll schauten sie stets aneinander an. Der viertägige Papstbesuch In Deutschland ist allen zu Kopf gestiegen: Den einen trieb es ein zartes Wutrot ins Gesicht, andere senkten ihr Haupt in Andacht und nicht wenigen entlockte der alte Mann in weißer Robe nur ein Kopfschütteln. Evangelen und Schwule ließ er links, Kondome und Sexualität eher rechts liegen. Seine Zielvorstellung. Glauben, Glauben, Glauben und immer an die Liebe denken. Amen. Zu den eher Aufgebrachten zählt die Papstkritikerin Uta Ranke-Heinemann[…]

Den Teufel im Spital ausgetrieben
[…]Ein Exorzist der Diözese Wien soll mit einem Psychiater am Donauspital in Wien zusammengearbeitet haben haben. Das berichtete die Wochenzeitschrift „Falter“. „Exorzismus oder exorzismusähnliche Interventionen werden in den Spitälern der Stadt Wien nicht geduldet“, stellte dazu am Mittwoch der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Wilhelm Marhold, fest. Derzeit finde eine Prüfung durch den KAV statt, ob in der jüngsten Vergangenheit gegen Dienstpflichten in diesem Zusammenhang verstoßen wurde. Kongress mit Exorzismus- Überschneidungen Bereits im Jahr 2007 hat in Graz der Kongress „Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ stattgefunden. Auf der Veranstaltung sei darüber diskutiert worden, ob es eine „Besessenheit jenseits der Psychose“ gebe. „Die Organisatoren eines der Workshops beantworteten diese Frage mit Ja“, so der „Falter“. Was keiner großen Erwähnung wert wäre, würde es sich bei einem der Seminarleiter nicht um einen Oberarzt an der Neuropsychiatrischen Station im Sozialmedizinischen Zentrum Ost (SMZ- Ost), dem zweitgrößten Krankenhaus Wiens, handeln. Der Mediziner habe den „Besessenheits“- Workshop gemeinsam mit einem Exorzisten der Erzdiözese Wien geleitet, berichtet die Zeitschrift weiter. Auf der Internetseite des Grazer Kongresses geben die beiden an, sie würden bei gewissen Patienten zusammenarbeiten.[…]

Es lebe die Katholiban
[…]Auch die deutschen Protestanten müssen sich fragen, ob sie den Besuch Benedikts XVI. mit dem starken ökumenischen Signal in Erfurt im Vorfeld nicht falsch eingeschätzt haben. Es gab Erwartungen in evangelischen Kreisen, dass der Papst im Stil eines diplomatischen Chefunterhändlers Kompromissangebote oder Zwischenlösungen anbieten würde. Das ist sehr weltlich gedacht. Dass der Papst das Augustinerkloster aufgesucht hat, wo Martin Luther die Messe feierte, die Muttergottes verehrte und den katholischen Glauben lehrte, zeigt den evangelischen Christen, wo sie herkommen. Wo sie hin wollen, müssen sie einmal sagen … Ein weltlich denkender Kommentator hat im Fernsehen am Rande der Freiburger Messe dazu gesagt: Aha, also doch Gehorsam anstatt Dialog. Ein erster Schritt der Bischöfe müsste der sein, dieses weltliche und damit auf die Kirche nicht zutreffende Vokabular endgültig aus dem Wortschatz zu streichen. Im Evangelium kommt das Wort „Dialog“ nicht vor. Die Methode des Evangeliums lautet: Hören, Staunen, Nachfolgen. Und erstaunlich war der Besuch Benedikts XVI. in Deutschland ja wohl genug.[…]

Liebe Katholiken, hört auf Euren Papst
[…]Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI kann auch positiv überraschen. Er hat zur „Entweltlichtung“ der römisch-katholischen Kirche aufgerufen. Dem Mann kann geholfen werden! Nirgends können das die Katholiken so rasch und effektiv umsetzen wie in Österreich. Einfach das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterschreiben. Österreichs Katholiken sind nach der Freiburger Rede des Papstes de facto verpflichtet, das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterstützen, denn: „Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar.“ So Joseph Ratzinger. Na dann, auf zur Unterschrift, liebe Katholiken. Nehmt euren Chef beim Wort[…]

Na klasse, Eheschließung ist keine Privatangelegenheit
[…]Die wenigsten Katholiken halten heute die kirchliche Trauung überhaupt für notwendig. Wenn die katholische Kirche ihre Glieder verpflichtet, kirchlich zu heiraten, dann schon aus dem Verständnis heraus, dass die Ehe eine göttliche Institution ist, ja sogar ein Sakrament, wie wir gehört haben, dass die Ehe also alles andere ist als „ein weltlich Ding“, sondern ein wunderbares, göttliches Geschenk. Und dass Gott durch seine Kirche handelt und wirkt, gerade auch in und durch die heiligen Sakramente. Weil die katholische Kirche in der sakramentalen Ehe ein Zeichen ihrer selbst und ihres eigenen Mysteriums sieht, kann sie die Ehe auch überhaupt nicht als selbständige, von ihr unabhängige, bloß weltliche Institution verstehen und sich selbst dabei nur als einen schönen Blumenstock. Darüber hinaus ist aber auch nötig, dass eine Erklärung des Inhaltes und der Qualität, wie es das Eheversprechen ist, vor dem Angesicht Gottes abgegeben werden muss, wie auch vor der Öffentlichkeit der ganzen Kirche, die vor Ort von der Pfarrgemeinde repräsentiert wird. Eine Eheschließung ist also durchaus keine Privatangelegenheit der Brautleute und ihrer Familie. Eine Eheschließung gehört deshalb auch grundsätzlich in die Pfarrkirche und nicht in eine schöne, abgelegene Bergkapelle, weil sie ja gerade ein Ereignis der ganzen Kirche ist.[…]

Katholiban Müller: „Papst hat Luther rehabilitiert, denn Luther wollte keine Kirchenspaltung“; Protestantismus hat somit keine Berechtigung
[…]Die katholische Kirche in Deutschland wertet die Äußerungen des Papstes bei seinem Deutschlandbesuch als „Rehabilitation“ des protestantischen Reformators Martin Luther. In einem Interview mit der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ erklärte der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Ludwig Müller: „Es ist sicher eine Rehabilitation, wenn der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche die theologische, christozentrische Dimension der Theologie Luthers würdigt.“ Zur Neubewertung hat nach Angaben Müllers die langjährige Lutherforschung der katholischen Kirche beigetragen. Sie habe die Reformation in Deutschland neu bewertet. „Luther wollte die Einheit der Kirche und eine Erneuerung der Kirche in Jesus Christus“, erklärte Müller. „Er wollte keine Kirche, die sich nach ihm benennt, und er wollte schon gar nicht, (…) dass sich seine Bewegung in unterschiedliche kirchliche Gemeinschaften aufgesplittert hat.“ Müller ist Bischof von Regensburg und Beauftragter seiner Kirche für Fragen der Ökumene. Der Bischof appellierte an die Protestanten, sich angesichts der bevorstehenden Reformationsfeiern 2017 von „antiquierten Klischees“ zu verabschieden. „Identitätsbildung auf Kosten der anderen sollten wir uns verbieten“, riet Müller. Es wäre ein riesiger Rückschritt, wenn die einen sagten, Luther habe die Kirche gespalten und die anderen, Luther sei der große Held, der das Evangelium wieder ans Licht gebracht habe. Müller, der auch Honorarprofessor für Dogmatik ist, zeigte sich offen für Gedankenanstöße des Reformators. „Wir betreiben viele Krankenhäuser, Schulen und geraten in Gefahr, das Zentrale zu vergessen“, erklärte er. Luther habe zuallererst auf Christus als das Zentrum hingewiesen. „Davon können wir heute lernen, bei dem Vielerlei, das wir als Kirche tun, gemeinsam zur Mitte zu kommen.“[…]

Au weia, Gottesdienst statt Gefängnis
[…]Verurteilte Gesetzesbrecher sollen ihre Strafe bei kleineren Vergehen künftig im Städtchen Bay Minette im US-Bundesstaat Alabama auch in der Kirche absitzen dürfen. Ein Plan von Bürgermeisterin Jamie Tillery und Polizeichef Mike Rowland sieht laut Medienberichten vor, dass Kleinkriminelle alternativ zum Gefängnis ein Jahr lang jeden Sonntag einen Gottesdienst ihrer Wahl besuchen. Bürgerrechtler halten die Pläne der Stadt im «Bibelgürtel» der USA indes für verfassungswidrig. Der Verband «Vereinigte Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat» argumentiert, die Regierung habe nicht das Recht, Bürger zur «Wahl zwischen Jesus und Gefängnis» zu zwingen. Polizeichef Rowland sagte am Dienstag im örtlichen Fernsehsender WOFL, er wolle trotz aller Kritik am Programm festhalten. Berichten zufolge wären 56 Pastoren bereit, die Straftäter aufzunehmen. Diese müssten sich in einem Gästebuch eintragen und Fragen nach dem Inhalt des Gottesdienstes beantworten.[…]

Kulturrat braucht Kirchen und Migrantenverbände
[…]Berlin (dapd). Der Deutsche Kulturrat will sich künftig kirchlichen Institutionen und Migrantenverbänden weiter öffnen. Das kündigte das Präsidium des Verbandes am Mittwoch in Berlin zur Feier seines 30-jährigen Bestehens an. Der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte, dass sich einige interkulturelle Verbände, die Mitglied werden wollten, in den bisherigen Sparten nicht wiederfänden. „Das wollen wir ändern, damit wir als Verband auch in Zukunft ein vollständiges Abbild der Kulturlandschaft repräsentieren“, sagte er. Besonders die Zusammenarbeit mit den Kirchen soll in den kommenden sechs Jahren ausgebaut werden. „Die Kirchen verfügten über einen großen Fundus an Kultur. Wir möchten die Entdeckung dieses Fundus‘ dazu nutzen, gemeinsam Religionen neu zu erschließen“, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Kulturrates, Regine Möbius. Am Abend sollte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, mit dem „Kulturgroschen 2011“ ausgezeichnet werden. Mit dem Kulturgroschen ehrt der Kulturrat seit 1992 Personen für besonderes, kulturelles Engagement. Der Deutsche Kulturrat selbst ist ein Verband, dem heute 234 Bundeskulturverbände angehören. „Wir sind eine große Fachorganisation, die sich um gute Rahmenbedingungen für kulturelle Arbeit kümmert. Wir machen Lobbyarbeit für Kulturschaffende“, sagte der Präsident des Verbandes, Max Fuchs. Gegründet wurde der Deutsche Kulturrat am 14. September 1981.[…]