B16-RatzeBene, der autokratische „Wahrheitswächter“


Quelle: wissen-glaube.homepage.t-online.de

Papst warnt vor selbstgemachtem Glauben – und wird nicht gehört
Der Papst sagte auf seiner Deutschlandreise, was er von einer autonomen persönlichen Religiosität hält: nämlich gar nichts. Doch eine gleichgeschaltete Kirche kann es in der modernen Welt nicht mehr geben – erst Recht nicht in Deutschland, meint der Journalist Nikolaus German.

Von Nikolaus GermanDeutschlandradio Kultur

Für Benedikt XVI., den autokratischen Glaubenswächter auf dem päpstlichen Thron, sind sie im Grunde alle Häretiker: diese Reformer, Kritiker und Selbstdenker im deutschen Katholizismus – von Hans Küng bis zur rebellischen Bewegung „Wir sind Kirche“.

Da ist zum Beispiel Professor Magnus Striet – einer von über 300 Theologen, die in einem Memorandum kirchliche Reformen dringend fordern. Er sagt, ein moderner, aufgeklärter Christ kann heute redlicherweise nicht mehr glauben wie seine Vorväter. Ja, nicht einmal wie Jesus, der in einer ganz anderen Zeit und Welt gelebt hat als wir. Wir müssen heute neu und anders glauben lernen.

Oder Willigis Jäger, weltbekannter Benediktiner-Mönch und Zen-Meister, der lehrt: Himmel und Hölle, Auferstehung und Jüngstes Gericht sind keine objektiv faktischen Gegebenheiten, sondern religiöse Bilder. Der katholische Glaube ist nur ein religiöses Modell unter anderen, ohne absolute Geltung. Dem päpstlichen Katechismus zufolge ist das alles krasser Irrglaube, ebenso wie die immer mehr um sich greifende Patchwork-Religiosität, die Vermischung von christlichem Glauben mit anderen religiösen Auffassungen.

Was den Papst besonders schmerzen muss: Selbst die jungen Benedetto-Fans glauben nicht dogmatisch korrekt, sie halten den Unterschied zwischen evangelisch und katholisch für „unwichtig“ und gleichgeschlechtliche Liebe für „nicht sündhaft“. Und was verkündet der katholisch-propagandistische Bestsellerautor Matthias Matussek? Die Apokatastasis, dass am Ende der Zeiten wohl alle Menschen mit Gott versöhnt und gerettet werden – für den Papst eine glatte Irrlehre, längst offiziell verdammt.

Doch was im Katechismus des Joseph Ratzinger verbindlich geschrieben steht, interessiert die deutschen Katholiken – wie es scheint – immer weniger, vielleicht wissen sie es auch gar nicht. Jedenfalls entwickeln sie ihr Leben und ihren Glauben zunehmend nach eigenen Vorstellungen, nicht nach denen der Kirche. Da kann der Papst noch so warnen: eine gleichgeschaltete Kirche kann es in der modernen Welt nicht mehr geben – erst Recht nicht in Deutschland, einem Stammland der Aufklärung und des Protestantismus.

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