Missbrauchsopfer werden verhöhnt


Quelle: intercsm.de

Der Runde Tisch gegen sexuellen Missbrauch tagt ohne die Betroffenen. Er setzt dem Täterschutz kein Ende, und die Entschädigungen fallen lächerlich niedrig aus.

Von Norbert DenefFrankfurter Rundschau

Als Anfang 2010 eine Reihe neuer Missbrauchs- und Misshandlungsfälle bekanntgeworden waren, standen vor allem die römische-katholische Kirche und ihre Institutionen, im Brennpunkt.

Der Öffentlichkeit war nicht bewusst gewesen, wie viele Täter es gibt, die Kinder und Jugendliche in ihre Gewalt bringen, oft jahrelang, in Institutionen und in der Familie. Es handelt sich nicht allein um sexualisierte Gewalt, sondern auch um psychische und physische Gewalt.

Den Opfern gelingt es selten, diesen Strukturen zu entkommen. Die akuten und chronischen Folgen beschreibt die Wissenschaft als Komplexes Posttraumatisches Belastungsyndrom. Die Formen der Leiden und Qualen sind so mannigfaltig wie die Perversionen der Täter. Diese missbrauchen Macht, Ansehen und Vertrauen. Es sind häufig Serientäter. Die Gesellschaft war sich des Massenverbrechens nicht bewusst.

Es war in der römisch-katholischen Kirche gängige Praxis, die bekanntgewordenen Täter stillschweigend zu versetzen. Verantwortliche der Institution Kirche verharmlosen diese Verbrechen auch heute noch ebenso wie die Folgen. Auch eine eigene Verantwortung lehnen die Zuständigen ab. Es fehlt das wirkliche Unrechtsbewusstsein. Aufgrund der bestehenden Verjährungsfristen leben die Täter bis heute unbelangt, selbst wenn sich noch Opfer melden.

Außerdem scheitern die Verfahren, in denen geklärt werden soll, wer von den Vorgesetzten die Täter wissentlich versetzt hat, an den Verjährungsfristen. So wurden die Ermittlungen gegen Erzbischof Robert Zollitsch im Juli 2010 wegen Verjährung eingestellt.

Auch die Akten über Missbrauchsfälle werden „systematisch vernichtet“, so fand es die Rechtsanwältin Marion Westpfahl in einem Gutachten im Erzbistum München und Freising heraus. Die Opfer selbst müssen mit Strafanzeigen wegen übler Nachrede rechnen, im Einzelfall bis hin zur Hausdurchsuchung. Wenn der Gesetzgeber nichts ändert, wird sich auch am Täterschutz nichts ändern.

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2 Comments

  1. Unrechtsbewußtsein? Bis vor kurzem war das noch deren gutes REcht -und die SChuldigkeit der Hammelherde, sich stille zu verhalten.
    Ach, die guten alten Zeiten… mit ihren warmen Feuerchen…

    Fehlt so manchem Priester, wetten?

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  2. „Alle Macht den Mächtigen“. (Ein Narr, wer gutes dabei denkt.) Oder glaubt jemand ernsthaft, dass sich diese Schweinepriester an den Karren fahren lassen ? Es ist zum Erbrechen.

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