B16: „Größtes Problem der Deutschen Kirche, sie hat zuviel Geld“


Quelle: tabularasa-jena.de

Das Skandalöse bei der Kirchensteuer: Man wird exkommuniziert!
Philosoph Robert Spaemann über die Kirchensteuer: Sie können die Auferstehung Jesu leugnen, dann werden Sie als Priester noch nicht suspendiert. Aber wenn es ans Geld geht, wird es ernst

Von Paul BaddeKath.net/ Die Welt – AUSWEITUNG der MELDUNG!

DIE WELT: Haben Sie eine Woche nach der Reise des Papstes eine Art Notenschlüssel seiner Reden in Deutschland erkannt?

Robert Spaemann: Er will das Evangelium ernst genommen haben. Er will ja nicht originell sein. Und in Sachen des Glaubens ist das Originelle sowieso immer problematisch. Er will, dass das Evangelium nicht überwuchert wird von Strukturfragen. Er will Bekehrung. Wenn Sie einen Notenschlüssel wollen, dann diesen: Bekehrt Euch! Die Gottes- und Nächstenliebe ist der Schlüssel.

Was haben Sie gedacht, als Sie hörten, wie Benedikt XVI. die Formulierung aufgriff „Wir sind Kirche?“

Spaemann: Der Mann hat Humor. Man ist immer überrascht, wenn jemand das Selbstverständliche ausdrückt. Denn es ist ja einfach so, dass nicht irgendwelche Gruppen beanspruchen können, dass sie die Kirche sind.

Im Bundestag machte er keine traurige Gestalt. Ist er dort aber nicht dennoch zu einer verlorenen Schlacht angetreten? War es nicht ein Kampf gegen Windmühlenflügel? Regiert nicht schon längst das „Kalkül der Folgen“ die Mehrheit der Gewissen?

Spaemann: Ob ein Kampf vergeblich ist oder nicht, das kann man erst hinterher sehen. Ihre Frage ist daher eine Frage, die selbst schon von den Folgen her kalkuliert, also so: Was bringt das, wenn der Papst das sagt? Wird er die Gewissen der Abgeordneten aufrütteln? Vielleicht ja, vielleicht nein. Er hat großen Eindruck gemacht mit seiner Rede bei einigen Abgeordneten. Sie ging sicher auch über die Köpfe von anderen hinweg. Er sagte das, was ein Papst sagen muss.

„Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt“, sagte er etwa. Einen Tag später hieß es häufig, er wolle „das katholische Naturrecht“ wieder beleben. Redete er da einer Art katholischer Schariadas Wort?

Spaemann: Unsinn. Dass manche Leute das Naturrecht irrtümlicherweise als katholisches Sondergut betrachten, hat er selbst gesagt. Das ist es keineswegs. Vielmehr hat die Kirche sich schon zu Beginn verbündet hat mit dem klassischen Verständnis des Naturrechts, das bei Aristoteles grundgelegt wurde und im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus die römischen Juristen beflügelt hat. Das waren Vernunftargumente. Man vergisst oft, dass auch die europäische Aufklärung immer naturrechtlich argumentiert. Der Papst spricht sogar von der Erde, die etwas verlangt von uns, wie wir es erst in der Ökologie begriffen haben. Das gilt erst recht für Natur des Menschen.

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4 Comments

  1. Das Naturrecht,eigentlich Naturgesetz,“lex naturalis“,denn ein Recht bedarf eines Gesetzes,von dem der Pontifex Maximus sprach,ist von Platon im Hinblick auf die Lehre des Sophisten Antiphon(5. Jahrhundert a.Chr.n.) begründet worden,hier irren Pontifex und Spaemann, und hat weder mitTheologie,Atheismus oder Teleologie etwas gemein.Vgl. John Wild,Plato´s Modern Enemies and the Theory of Natural Law.In der Aufklärung gibt eskaum Verfechter der“lex naturalis,außer Thomas Paine und evtl.,man staune,Adam Smith,was noch genau zu prüfen wäre. John Locke und J.J.Rousseau gehören nicht dazu,indes jeder Platoniker.

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  2. Spaemann? Na ja, ich habe ihn vor ein paar Monaten mal gehört … weniger Gedankengang und saubere Argumentation habe ich selten gehört. Und immer wenn kein guter Grund da war, kam sinngemäß so was wie »das ist doch klar, steht doch in diesem alten Buch«

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  3. bitte diese korrigierte Fassung, sorry.

    Die Ausführungen von Herrn Spaemann zum Naturrecht sind nicht korrekt und ein Beispiel der RKK-üblichen, mit der Geste der Überlegenheit vorgebrachten verbalen Trickserei.

    Er setzt voraus, dass es ein Naturrecht einfach so gibt, unzweifelhaft, und dieses per Vernunft erkannt werden kann. Das ist, um seine eigenen Worte auf ihn anzuwenden, „Unsinn“. In der Tat ist diese Idee nämlich heute entgegen seinen Worten „Sondergut“ der RKK und spielt in der Philosophie und Begründung von Recht keine wesentliche Rolle mehr.

    Die RKK behauptet beispielsweise auch, dass die Existenz (des katholischen) Gottes sowie die Richtigkeit wesentlicher religiöser und sittlicher Normen und Behauptungen durch korrekten, vollständigen Gebrauch der Vernunft möglich, ja zwingend erkennbar sei. Auf der Basis dieses Totalanspruchs von Vernunft ist auch die Bemerkung zu verstehen, wer vernünftig sein wolle, müsse in die RKK gehen, sie ist weniger albern als sie klingt. Die RKK identifiziert im Ergebnis Vernunft und Offenbarung. Wer nicht RKK-gläubig ist, weist einen Mangel an Vernunft auf, und dies galt früher als Berechtigung, ihn per Gewalt zur Vernunft zu bringen. Hinter der Naturrechtspropaganda steht auch die fatale Identifikation der Unterscheidung zwischen Gut und Böse mit dem Recht. Es ist aber die Trennung dieser beiden Bereiche, die erst den modernen, toleranten, pluralistischen Staat möglich macht.

    Der Begriff des Naturrechts, und des RKK-mäßigen allemal, ist fragwürdig genug, ja unhaltbar. So wird die Homosexualität (ein Lieblingsthema von Herrn S.) als „widernatürlich“ abgelehnt, weil es ja zwei Geschlechter gebe. Dieses Argument ist völlig analog der seinerzeitigen Rechtfertigung nicht nur des Ständestaats, sondern auch der Sklaverei, mit dem Argument, die Menschen seien ungleich. Dass hier stets gependelt wird zwischen einer vorgeblich reinen Tatsachenfeststellung und der im Ergebnis normativen Behauptung, Gott habe die Menschen gerade so geschaffen und wolle dies daher, versteht sich von selbst – immer das gleiche öde Spiel. Mit einem analogen Argument könnte man auch das Haareschneiden als unmoralisch darstellen, denn schließlich wachsen die Haare unbegrenzt, bis sie ausfallen, und sie abzuschneiden heißt diese gottgewollte Tatsache missachten.

    Was von der ewigen Gültigkeit zu halten ist, sieht man schon aus dem Sklaverei-Argument, das bis vor wenigen Jahrhunderten absolut vernünftig und einleuchtend war, heute aber plötzlich (offiziell) nicht mehr. Auch missachten offenbar die zölibatär Lebenden der RKK die Tatsache, dass es von Gott her zwei aufeinander orientierte Geschlechter gibt – doch halt, da gibt es gleich eine religiöse = vernünftige ad hoc-Begründung, die das Argument außer Kraft setzt.

    Herr Spaemann hat früher, bis ungefähr zur Zeit seiner Emeritierung oder einige Zeit vorher, viele gute Texte geschrieben. Man muss ihnen nicht beipflichten, aber sie sind bedenkenswert. Die gesammelte Ausgabe seiner Schriften (2 Bände bislang) illustriert aber auf erschreckende Weise das „O si tacuisses“ seitdem. Es handelt sich nur noch um einen katholischen Dogmatiker. Ist man in der Fülle der Aufsätze vielleicht zunächst beeindruckt, so stellt man bald fest, dass sie entgegen dem Anschein gar nicht in die Tiefe und Breite gehen. Immer, absolut regelhaft, die gleichen Kurzzitate von Hume, Quine usw. mit den immer gleichen Einstufungen und Bewertungen: reflexhaft, monoton, seicht. Wie wenn einer sich selbst unaufhörlich plagiiert. Und buchstäblich in jedem Aufsatz (ich meine mich zu erinnern, in einem sogar zweimal) der Paulus-Satz, der geistliche Mensch bewerte alles, werde aber von niemandem bewertet. Dies ohne jedes Gefühl für die Überheblichkeit und Maßlosigkeit darin, halt die typische RKK-Arroganz, die sich allem überlegen fühlt. Wenn jemand heute Spaemann lobt, kann man sich relativ sicher sein, dass es sich entweder um einen RKK-Ideologen oder einen Narren und Plapperer handelt. Schade. Allerdings war dies schon in früheren Texten angelegt, so beispielsweise in der jäh hervorbrechenden, fanatischen, jedes Maß an Humanität vermissen lassenden Verurteilung des Suizids in „Glück und Wohlwollen“, die wunderbar illustriert, wie jemand auf der Basis seiner starren Begrifflichkeit genau das Gegenteil der Lebensnähe erreicht, die anzustreben er vorgibt. Man vergleiche diese Ausführungen nur beispielweise mit denen von Jean Améry, einem Agnostiker oder Atheisten voller Humanität, Bildung und intelletueller Genauigkeit, in „Hand an sich leben“, aber der war halt kein nachgeborener thomistisch-aristotelischer Fanatiker.

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  4. Die Ausführungen von Herrn Spaemann zum Naturrecht sind nicht korrekt und ein Beispiel der RKK-üblichen, mit der Geste der Überlegenheit vorgebrachten verbalen Trickserei.

    Er setzt voraus, dass es ein Naturrecht einfach so gibt, unzweifelhaft, und dieses per Vernunft erkannt werden kann. Das ist, um seine eigenen Worte auf ihn anzuwenden, „Unsinn“. In der Tat ist diese Idee nämlich heute entgegen seinen Worten „Sondergut“ der RKK und spielt in der Philosophie und Begründung von Recht keine wesentliche Rolle mehr.

    Die RKK behauptet beispielsweise auch, dass die Existenz (des katholischen) Gottes sowie die Richtigkeit wesentlicher religiöser und sittlicher Normen und Behauptungen durch korrekten, vollständigen Gebrauch der Vernunft möglich, ja zwingend erkennbar sei. Auf der Basis dieses Totalanspruchs von Vernunft ist auch die Bemerkung zu verstehen, wer vernünftig sein wolle, müsse in die RKK gehen, sie ist weniger albern als sie klingt. Die RKK identifiziert im Ergebnis Vernunft und Offenbarung. Wer nicht RKK-gläubig ist, weist einen Mangel an Vernunft auf, und dies galt früher als Berechtigung, ihn per Gewalt zur Vernunft zu bringen. Hinter der Naturrechtspropaganda steht auch die fatale Identifikation der Unterscheidung zwischen Gut und Böse mit dem Recht. Es ist aber die Trennung dieser beiden Bereiche, die erst den modernen, toleranten, pluralistischen Staat möglich macht.

    Der Begriff des Naturrechts, und des RKK-mäßigen allemal, ist fragwürding genug, ja unhaltbar. So wird die Homosexualität (ein Lieblingsthema von Herrn S.) als „widernatürlich“ abgelehnt, weil es ja zwei Geschlechter gebe. Dieses Argument ist völlig analog der seinerzeitigen Rechtfertigung nicht nur des Ständestaats, sondern auch der Sklaverei, mit dem Argument, die Menschen seien ungleich. Dass hier stets gependelt wird zwischen einer vorgeblich reinen Tatsachenfeststellung und der im Ergebnis normativen Behauptung, Gott habe die Menschen gerade so geschaffen und wolle dies daher, versteht sich von selbst – immer das gleiche öde Spiel. Mit einem analogen Argument könnte man auch das Haareschneiden als unmoralisch darstellen, denn schließlich wachsen die Haare unbegrenzt, bis sie ausfallen, und sie abzuschneiden heißt diese gottgewollte Tatsache missachten.

    Was der ewigen Gültigkeit zu halten ist, sieht man schon aus dem Sklaverei-Argument, das bis vor wenigen Jahrhunderten absolut vernünftig und einleuchtend war, heute aber plötzlich (offiziell) nicht mehr. Auch missachten offenbar die zölibatär Lebenden der RKK die Tatsache, dass es von Gott her zwei aufeinander orientierte Geschlechter gibt – doch halt, da gibt es gleich eine religiöse = vernünftige ad hoc-Begründung, die das Argument außer Kraft setzt.

    Herr Spaemann hat früher, bis ungefähr zur Zeit seiner Emeritierung oder einige Zeit vorher, viele gute Texte geschrieben. Man muss ihnen nicht beipflichten, aber sie sind bedenkenswert. Die gesammelte Ausgabe seiner Schriften (2 Bände bislang) illustriert aber auf erschreckende Weise das „O si tacuisses“ seitdem. Es handelt sich nur noch um einen katholischen Dogmatiker. Ist man in der Fülle der Aufsätze vielleicht zunächst beeindruckt, so stellt man bald fest, dass sie entgegen dem Anschein gar nicht in die Tiefe und Breite gehen. Immer, absolut regelhaft, die gleichen Kurzzitate von Hume, Quine usw. mit den immer gleichen Einstufungen und Bewertungen: reflexhaft, monoton, seicht. Wie wenn einer sich selbst unaufhörlich plagiiert. Und buchstäblich in jedem Aufsatz (ich meine mich zu erinnern, in einem sogar zweimal) der Paulus-Satz, der geistliche Mensch bewerte alles, werde aber von niemandem bewertet. Dies ohne jedes Gefühl für die Überheblichkeit und Maßlosigkeit darin, halt die typische RKK-Arroganz, die sich allem überlegen fühlt. Wenn jemand heute Spaemann lobt, kann man sich relativ sicher sein, dass es sich entweder um einen RKK-Ideologen oder einen Narren und Plapperer handelt. Schade. Allerdings war dies schon in früheren Texten angelegt, so beispielsweise in der jäh hervorbrechenden, fanatischen, jedes Maß an Humanität vermissen lassenden Verurteilung des Suizids in „Glück und Wohlwollen“, die wunderbar illustriert, wie jemand auf der Basis seiner starren Begrifflichkeit genau das Gegenteil der Lebensnähe erreicht, die anzustreben er vorgibt. Man vergleiche diese Ausführungen nur beispielweise mit denen von Jean Améry, einem Agnostiker oder Atheisten voller Humanität, Bildung und intelletueller Genauigkeit, in „Hand an sich leben“, aber der war halt kein nachgeborener thomistisch-aristotelischer Fanatiker.

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