Der Dodo und die Spaltung Deutschlands


kath.net dokumentiert die Predigt von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner beim Ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit in der evangelischen Kreuzkirche Bonn am 3. Oktober 2011

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Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

In der Schöpfung Gottes scheint die Wirklichkeit des lebendigen Gottes selber auf. Darum greift die Heilige Schrift auf die Schöpfungswirklichkeit zurück, um ihre Botschaft für die Menschen zu verdeutlichen. Die heutigen biblischen Lesungen vergleichen das Leben des Gerechten, das in Gott selbst wurzelt, mit der Schönheit und Pracht eines Baumes, „der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken“ (Ps 1,3). Gemäß dem Propheten Hosea gleicht auch das gesamte Volk Israel einem Baum: Wenn es umkehrt zum Herrn, dann sollen sich seine Zweige ausbreiten, seine Pracht soll der Pracht des Ölbaums gleichen und sein Duft dem Duft des Libanon (vgl. Hos 14,7).

Nimm man dieses positive Bild vom Baum als ein Lebenszeichen ernst, wird man es als umso tragischer empfinden, dass einige Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Menschen in Deutschland aus Bäumen Schlagbäume machten. Sie spalteten unser Vaterland, trennten Mensch von Mensch, zerrissen familiäre und freundschaftliche Verbindungen. Auf durchaus konsequente Weise ging damit der Versuch einher, Gott selbst aus der DDR auszubürgern und hinter die Schlagbäume zu verbannen. Mit Erschrecken nehmen heute viele Bewohner in den Neuen Bundesländern wahr, wie schnell die Erinnerungen an die brutalen atheistischen Methoden vergessen sind. Es waren meistens Kinder und Jugendliche, die zu Opfern solcher Aktionen wurden, indem damit ihr berufliches Fortkommen und ihre Bildungschancen stark reduziert oder ganz eliminiert wurden.

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