Eine vatikanische Adelsschmonzette


Quelle: wikipedia

Er war nicht nur der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Ungarn – sondern vor allem mit Leib und Seele Europäer: Otto von Habsburg ist vor drei Monaten mit 98 Jahren gestorben. Wir dokumentieren hier ein Interview mit Otto von Habsburg, das er Aldo Parmeggiani Radio Vatikan anlässlich seines 90. Geburtstags gewährte.

Radio Vatikan

Diese Sendung aus der Reihe „Menschen in der Zeit“ ist bei uns auch auf CD erhältlich.
Wäre die Geschichte anders verlaufen, dann wäre Dr. Otto von Habsburg heute Kaiser von Österreich und König von Ungarn. Aber die Geschichte kennt das Wort „wäre“ eben nicht. Otto von Habsburg Lothringen wurde am 20. November 1912 als ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreich, Karls des I. in der Villa Wartholz bei Reichenau in Niederösterreich geboren. Schon als junger Akademiker vertrat Otto von Habsburg auf vielen politischen Ebenen den Gedanken einer Einigung Europas auf christlicher Grundlage. Erst im Jahre 1961 verzichtete er offiziell auf seine Thronansprüche. Otto von Habsburg, dem wir für dieses Geburtstagsgespräch herzlich danken, ist Präsident der Paneuropäischen Union und war langjähriges Mitglied des europäischen Parlamentes in Brüssel. Herzlich Willkommen, Herr Dr. von Habsburg.
Ihr Schicksal ist lebendige Geschichte, europäische Geschichte. Was bedeutet es heute, den Namen Habsburg zu tragen?
„Es ist eine Herausforderung an jeden. Wenn man die Geschichte ein bisschen studiert, hat man gesehen, dass das Haus Habsburg speziell seine großen, bedeutenden Figuren tatsächlich in Europa etwas zusammen gehabt hat. Sie haben eine Linie, eine Idee gehabt und da ist es selbstverständlich, dass man das versucht einzubringen und gleichzeitig aber auch schon diese Ideen auf die moderne Zeit einzustellen, denn das ist ja unsere Aufgabe.“
Als ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreichs und Königs von Ungarn hätten Sie Anspruch auf die Krone des bedeutendsten europäischen Herrscherhauses gehabt. Es kam aus politischen Gründen nicht dazu. Herr Dr. von Habsburg, wie kann ein so gravierendes Ereignis innerlich überwunden werden.
„Es ist gar nicht schwer, wenn man die Krone als eine Aufgabe sieht. Ich glaube, dass Monarchie und Republiken immer sein werden, dass sie immer wieder wechseln werden – das hängt von der Situation ab. Aber auf der anderen Seite, in meiner Zeit eine andere Aufgabe ist, die wesentlich wichtiger ist, das ist die europäische Einigung herbeizuschaffen und zweitens, in dieser europäischen Einigung einige grundsätzliche Ideen einzubringen. Denn dass dieses Europa, man braucht nur ein bisschen mit unserer Kultur zu tun zu haben, ohne seine christliche Substanz nicht existieren kann, ist vollkommen klar.“
Wir kommen auf das Europa sicher noch zurück. Herr Dr. von Habsburg, gibt es eine Episode in Ihrer Jugend, wo Sie diesen Verzicht besonders gespürt haben?

weiterlesen