Die Bibel des Gideon-Bundes auf dem Schulhof – gratis


Diese kleinen Gideon-Bibeln wurden auch schon an Schüler des Foucault-Gymnasiums verteilt. Foto: Gernot Menzel Foto: Gernot Menzel

Als Renate Schmidt aus Knappenrode vor einigen Tagen davon las, dass die Lausitzer Gruppe des Gideonbundes auf Schulhöfen in Hoyerswerda das Neue Testament verteilt, ärgerte sie sich. „In der BRD existiert die Trennung von Kirche und Staat. Wie kommt also eine Glaubensgemeinschaft dazu, auf Schulhöfen, also staatlichem Gebiet, Bibeln zu verteilen?“, fragte sich die Knappenroderin, die lange für die Linke im Stadtrat saß.

Lausitzer Rundschau

Ein Sprecher der Gideons, die sich selbst als „berufsorientierte Vereinigung von evangelischen Geschäftsleuten“ bezeichnen, bezieht sich auf ein Schreiben des sächsischen Kultusministeriums aus dem Jahr 2000, das solche Missionierungs-Aktionen ausdrücklich erlaubt. Allerdings gelte die Regel, dass jede Schule selbst zu entscheiden habe. Schulleiter Uwe Blazejczyk vom Léon-Foucault-Gymnasium verweist in diesem Zusammenhang auf § 1 des Sächsischen Schulgesetzes.

Er schreibt nämlich unter anderem auch fest, dass die Bildung im Land „insbesondere anknüpfend an die christliche Tradition im europäischen Kulturkreis“ Werte vermitteln soll.

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9 Comments

  1. Zweifellos mag das ein Punkt sein, doch ist meine aufrichtige Überzeugung, dass jemand, der die Bibel vorurteilsfrei betrachtet, merkt, dass die Kirche über Jahrhunderte hinweg durch ihre Taten Gott und Jesus verleugnet haben. „Seine Feinde lieben“ und die andere Wange hinhalten schließt das Ermorden anderer Personen einfach aus. Eine Kirche die von der Kanzel etwas anderes lehrt darf meines Erachtens nicht als biblisch bezeichnet werden.

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  2. @ Kyp: Also diese Argumentation hinkt. Sogar auf zwei Holzbeinen. Denn eine nicht unbedeutende christliche Glaubensgemeinschaft hielt es für eine gute Idee mit Nazis Verträge zu schließen, sowie ihrem Tun mit ausdrücklicher Billigung zu begegnen. Ganz so einfach kann es demnach nicht sein.

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  3. Eine konkrete Belegung ist sicher ein Thema für ein tieferes Gespräch bzw. für blogger relations (meiner ist hier ja verlinkt, falls dazu Interesse bestehen sollte). Doch kann man hierzu bspw. das bereits angeschnittene Thema Drittes Reich heranziehen. Eine christliche Religionsgemeinschaft ging geschlossen ins KZ, andere Christen wurden ebenfalls deportiert. Eine der Hauptbegründungen war, dass es der christlichen Lehre widerspricht, zu Morden. Natürlich haben Christen diese Moral nicht für sich gepachtet und grundlegend ist es zunächst auch nicht von Belang, woher der moralische Wert gezogen wird – dass er aber gesellschaftliche Achtung verdient, sollte klar sein. Daher verwundert es mich, wie ebensolche Maßstäbe, wenn sie auf das Christentum zurückgeführt werden, diffamiert werden.
    Wenn ein Jesus Christus einst sagte: „Man hat euch zwar gesagt: Liebt euren Nächsten – ich aber sage euch: Liebt sogar eure Feinde und erweißt euch so als Söhne eures Vaters, der in den Himmeln ist“, dann ist dies doch höchst mitteilenswert, ohne Angst haben zu müssen, die Kinder würden indoktriniert werden.

    Mein Plädoyer: Christliche Werte sollten gepredigt und kritisch diskutiert werden dürfen, aber keinesfalls jemand aufgezwungen. Allerdings haben selbst damit einige Religionsfeinde (und ich sie nicht mal abfällig so nennen) ihre Probleme.

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  4. @Kyp
    Das Gerede von den „christlichen Werten“ geht mir auf den Wecker. Ein für alle Mal: Das Christentum hat die heute selbstverständlichen moralischen Werte weder erfunden, noch ist es in irgendeiner Weise berechtigt, sich als besonders befugter Hüter dieser Werte aufzuspielen. Der penetrante Anspruch der Christen, allgemeine menschliche Werte für sich zu vereinnahmen, ist nichts weiter als dreiste, schamlose Anmaßung. Dass in der Bibel dem obersten Götzen Jesus auch mal ein paar nette Worte in den Mund gelegt wurden, um dem neuen Kult ein freundliches Image zu verschaffen, ist in diesem Zusammenhang scheißegal.

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  5. @ Kyp: Ich finde kontroverse Meinungen recht wichtig, und ich respektiere soweit deinen Standpunkt. Jedoch wäre es wünschenswert, wenn du deinen Standpunkt auch konkret belegen würdest. Die Gefahr sich in uferlosen Diskussionen um Bibelauslegung zu verlieren, die oft genug auch auf Cherrypicking hinauslaufen (und ich selber weiss aus eigener Er fahrung wie schnell man sich in so was verliert), kann man auch durch theologische Werke begegnen. Auch wenn dort viel Müll kursiert. *hüstel*
    Aber bitte konkretisier deine Thesen durch Belege.

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  6. Prinzipiell finde ich den Beweggrund der Gideons gut. Die Evangelien bspw. geben der Gesellschaft wertvolle Werte mit, wenn sie darauf achten würde: Nächstenliebe, Ehrlichkeit (auch in Steuerfragen), Bescheidenheit wo angebracht, Toleranz.

    Allerdings verstehe ich auch die Kommentare hier. Wenn man von Gräueltaten der Kirche spricht, muss man diese ganz klar von der Bibel differenzieren: Es hätte nicht nicht mal ein Drittes Reich, geschweige denn einen Zweiten Weltkrieg gegeben, wenn man sich an die Worte Jesu gehalten hätte. Und selbst im Alten Testament, das oft als grausamer dargestellt wird, als es in Wirklichkeit ist, werden genau die Werte gelehrt, an denen Jesus anknüpft. Dass der allgemeine Hass auf Religionen wächst und Überhand nimmt ist übrigens eine Entwicklung, die der versierte, objektive Bibelkundige schon seit Jahrzehnten erwartet, da sie prophezeit wurde.

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  7. @Argus7
    Ab einem bestimmten IQ wäre die Lektüre der kostenlosen Märchensammlung gar nicht so schlecht. Intelligente Leser würden sehr schnell merken, auf welcher Sch….e ganze Weltreligionen, nebst gaunerhafterTrittbrettfahrer, basiert. Was die anschließende Entsorgung betrifft ? Nun,vor der Erfindung des Clopapiers hat man sich den Hintern auch schon mit Bedrucktem abgewischt.

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  8. Vor noch nicht allzu langer Zeit waren die Häuser und Wohnungen noch mit Öfen ausgestattet. Diese mit Papier, Holz, Kohle und Briketts beheizbaren Öfen sind inzwischen nahezu verschwunden. Somit stellt sich die Frage: Wohin mit den Gideon-Bibeln ? Sind diese Bibeln nur Papier- oder möglicherweise doch gefährlicher Sondermüll ?

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  9. insbesondere anknüpfend an die christliche Tradition im europäischen Kulturkreis …

    Scheiterhaufen
    Kreuzigungen
    Steinigungen
    Hass predigen

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