Schönborns Exorzismus


Quelle: erhoert.at

Erst ein Dementi zu einem Falter-Artikel („Der Exorzist am Krankenbett“) brachte die offizielle Information: Nein, es werden keine Exorzismen durch den dafür Beauftragten der Erzdiözese Wien in einem Wiener Spital durchgeführt, hieß es seitens der Pressestelle der Erzdiözese. Umkehrschluss: Anderswo schon.

Von Wolfgang BergmannderStandard

So wurde der Namen von Schönborns Exorzisten bestätigt: Prof. Larry Hogan, hauptberuflich Rektor einer stramm traditionalistischen theologischen Hochschule. Auf der offiziellen Internet-Seite der Erzdiözese gibt es bis heute keine Beschreibung und Anlaufstelle für diese Funktion.

Der Exorzismus werde, so die Presseaussendung abwiegelnd, „ausschließlich Menschen angeboten, die darum bitten“. – Fein, dass die Kirche keinen Zwangsexorzismus mehr in Betracht zieht. Darüber hinaus wurde betont, es gehe lediglich um „Befreiungsgebete“. Damit will man den skandalumwitterten Begriff „Exorzismus“ meiden. Warum aber soll es für Gebete zum Heil ein Sonderwissen außerhalb der normalen Seelsorge geben? (Auch nach dem Begriff „Befreiungsgebet“ sucht man auf der diözesanen Homepage übrigens vergeblich)

Vor allem aber heißt es: „Fälle tatsächlicher Besessenheit gelten als sehr selten“. Das verniedlichende „selten“ soll wohl verwischen, dass der Kardinal – selten aber doch – eine reale Gefahr sieht, ein Mensch könne von einem personalen Dämon in Besitz genommen werden.

Jetzt wird es spannend: Besteht die Gefahr tatsächlich, dann wäre eine breite kirchliche Aufklärungskampagne dringend geboten (und die Geheimnistuerei wäre der Skandal). Besteht die Gefahr nicht, wäre dem Treiben – um der psychischen Gesundheit der Gläubigen willen – unbedingt Einhalt zu gebieten.

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