Glaubenssache Aberglaube


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Rituale im Alltag
Ob Daumen drücken, drei Mal auf Holz klopfen oder eine Abneigung gegen die Zahl 13: Das Leben kennt viele abergläubische Praktiken und Ansichten. Oft aber werden sie gar nicht als solche erkannt.

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Scherben bringen Glück. Schwarze Katzen sind dagegen Unglücksboten, vor allem, wenn sie unseren Weg von links kreuzen. Und wenn jemand die Daumen und damit die Dämonen drückt und so in Schach halten will, dann kann das geplante Vorhaben gar nicht schiefgehen: Der Glaube an magische, übernatürliche Dinge ist zwar natürlich Glaubenssache, aber alt und weit verbreitet. Immer noch. Aufklärung, Wissenschaft und Vernunftdenken vermochten es nicht, das Irrationale aus der Welt zu verbannen. Auch die Kirche kämpfte vergebens dafür, dass den Menschen nur ihre Glaubensgrundsätze als Heilmittel gegen das Böse und für das Gute genügten. Vielmehr wurde auf Gottvertrauen gesetzt und zugleich auf Schutzmächte in anderen Sphären – sicher ist sicher, so die Devise und die Überzeugung, dass bewährte Traditionen nicht verkehrt sein konnten.

Heutzutage werden die meisten ihre Verhaltensweisen und Ansichten nicht als abergläubisch ansehen. Der Alltag ist allerdings voll davon. Das zeigt sich in Bezeichnungen wie „Hexenschuss“. Einst war der Volksglaube davon überzeugt, dass der plötzlich auftauchende stechende Schmerz im Lendenwirbelbereich nur durch magische Geschosse verursacht werden konnte. Auch Redewendungen wie „Toi, toi, toi“ weisen auf Abergläubisches hin, ebenso Sätze wie „Beschrei es nicht“ oder Handlungen wie das dreimalige Klopfen auf Holz.

Wer sich seines Glücks versichern möchte, hebt zudem jeden Cent von der Straße auf. Oder er wünscht „Hals und Beinbruch“ – damit genau das nicht geschieht. Beliebt ist es an Neujahr, guten Freunden Karten zu schicken, auf denen als Glückssymbole lachende Schornsteinfeger, rosige Schweinchen, vielpunktige Marienkäfer oder vierblättrige Kleeblätter abgebildet sind. Blaue Augen aus Glas werden gerne als Souvenir aus dem Türkeiurlaub mit nach Hause genommen, denn sie schützen vor dem bösen Blick, heißt es. Abergläubische Praktiken haben für manche Menschen, die nicht ausschließen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als es sich die Schulweisheit erträumt, durchaus eine Funktion: Sie sind unter anderem ein Mittel, einer komplexen Welt voller Unsicher- und Ungewissheiten und Unwägbarkeiten etwas entgegenzusetzen. Sie erscheinen als eine Möglichkeit, nicht hilflos ausgeliefert zu sein, das Schicksal beeinflussen und die Zukunft enträtseln zu können. Wenn dennoch das Leben nicht so verlief wie gewünscht, dann waren in der Vergangenheit die Schuldigen schnell gefunden: neben Dämonen natürlich der Teufel höchstpersönlich, ebenso Hexen, Ketzer, Wiedergänger.

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3 Comments

  1. Glaube ist etwas für Idioten, das war schon immer so und wird durch Abnahme der Gläubigen bei gleichzeitiger Zunahme von Bildung und sozialer Sicherheit belegt.

    Wie total bescheuert die Gläubigen sind, belegt die Reliquiensammlung:
    Die Kirchen in Coulombs, Le Puy-on-Velay/Chartres, Besancon, Langres sur Marne, Conques/Aveyron, Fecamp/Seine-Maritime besitzen als Reliquie die Vorhaut Jesu, alle sind 1000% echt und für DNA Analysen unerreichbar. In Jerusalem um 30 n.C. gab es Leiden wie Lepra, Typhus, TBC und die „genitale Pimmelitis“, es wuchsen immer neue Pimmel.
    Als Reliquie gibt es eine Feder des Engels Gabriel, Dolch und Schild des Erzengels Michael vom Kampf mit dem Satan, Jesus Christi Hauch; die beschissenen Windeln von Jesus, den Schneidezahn vom Täufer Johannes, eine Flasche mit ägyptischer Finsternis, den Schall der Glocken die läuteten als Christus in Jerusalem einzog; die Brustmilch der Maria; die Milchzähne oder die Nägel der Kreuzigung von Jesus; einen Strahl des Sterns der den Weisen aus dem Morgenlande leuchtet; einen Seufzer den Zimmermann Joseph beim Holz hobeln machte; der Stab mit dem Moses das Meer teilte, das Messer mit dem Delila den Simson schor, den Pfahl im Fleische des Apostel Paulus und anderen Unsinn.

    Der all-wissende Ga-Ga im Vatikan hat per Dogma verfügt, Katholiken müssen den Reliquien ihre Ehrerbietung erweisen und daran glauben.sonst fährt der heilige Blitz des Erzengels ins Scheißhaus

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  2. @ rolandw

    Mit Deinem sinnigen Spruch hast Du bei mir einen spontanen Lacher provoziert !

    Ich kann übrigens keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem Gottglauben und dem volkstümlichen Aberglauben ausmachen. Dass gehört doch beides in dieselbe Kategorie.

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