Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Ach wie scheinheilig … Erotik ja, Deschner nein
[…]Zum Jahresanfang sorgte die Nachricht für Aufregung, dass nach dem Re­launch des Hugendubel-Online-Shops kirchenkritische Titel plötzlich aus dem Angebot verschwunden waren. Hintergrund war, dass Hugendubel auf eine gemeinsame Datenbank mit der DBH-Schwester Weltbild umgestellt hatte. Dabei verwendet Weltbild einen Filter, der regelmäßig nach rechts­extremen und pornografischen Titeln sucht und diese aussondert. Als auffiel, dass Titel wie etwa Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ fehlten, war von Zensur die Rede. Hugendubel besserte das eigene Online-Angebot nach, während Weltbild, der in Hand der katholischen Kirche ist, bei der Verbreitung papst- oder kirchenkritischer Schriften nicht mitmacht. Frühere Einlassungen, Weltbild verzichte mit Rücksicht auf die katholische Moral auf einigen Umsatz, relativieren sich mittlerweile. Beim Geschäft mit Erotik gibt sich der Versender deutlich aufgeschlossener: Rund 2500 Artikel, mehrheitlich Bücher, liefert eine einschlägige Stichwortsuche im Online-Katalog. Darunter sind auch Titel des Verlags Blue Panther Books mit seiner Sex-Prosa der Reihen „Anwaltshure“, „Vögelbar“ und „Schlampeninternat“. „Diese Artikel werden jedoch nicht aktiv im Shop beworben, sondern nur passiv vorgehalten“, erklärt eine Weltbild-Sprecherin auf Anfrage[…]

Legionäre Christi Journalisten übernehmen Neuevangelisierung per Internet
[…]Mit einem neuen Portal will der Vatikan die Neuevangelisierung nun auch im Internet vorantreiben: Die Seite http://www.Aleteia.org soll «Fragen und Antworten zu Themen des Glaubens» behandeln, wie der Präsident des Päpstlichen Rates zur Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, in einem Interview der Vatikanzeitung «Osservatore Romano» (Freitag) mitteilte. Ob der Auftritt auch eine interaktive Komponente enthält, blieb offen. Die neue Website ist momentan noch nicht öffentlich zugänglich. Vorgestellt werden soll die Initiative nach Worten Fisichellas an diesem Samstag bei der ersten Konferenz zur Neuevangelisierung im Vatikan; dazu werden mehr als 8.000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet. Thema der Zusammenkunft ist die Glaubensverkündigung in einem religionsfernen Umfeld. Das neue Portal ist laut Fisichella mit dem Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel verbunden. Ob es auch eine deutschsprachige Version geben wird, ist noch offen. In den vergangenen Tagen war bekanntgeworden, dass der spanische Journalist und frühere Chefredakteur des mit dem Orden «Legionäre Christi» verbundenen Internetdienstes Zenit, Jesus Colina, das neue Portal zur Neuevangelisierung aufbauen soll. Colina war Ende September wegen Unstimmigkeiten mit der Ordensleitung von seinem Amt zurückgetreten. In dieser Woche folgten mehrere leitende Redakteure, kath.net hatte mehrfach berichtet. Einige von ihnen sollen dem Vernehmen nach ebenfalls zu http://www.Aleteia.org wechseln.[…]

Das Gleiche Dilemma wie in Deutschland: Österreich – Religionskritik ist nichts für Volksparteien
[…]Die Parlamentsparteien scheuen weiter das Rütteln am Konkordat, an der völkerrechtlichen Vereinbarung der Republik mit dem Heiligen Stuhl. Niko Alm, Atheist und Initiator des Kirchenvolksbegehrens, sagt: „Dass da etwas aus den Parteien kommt, da sehe ich überhaupt keine Chance.“ Österreichs Parteien meiden die Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“, so gut es nur geht. Schließlich gilt das Kampagnisieren gegen religiöse Erbpachten als verlässlicher Weg, Stimmen zu verlieren. Oder wie Politik-Veteran Herbert Krejci einmal zu derStandard.at sagte: „Mit Kruzifixen punktet man nicht. Wegen so was fängt man keinen Krieg an.“ Da verwundert es doch, dass SPÖ-Justizsprecher Jarolim, wenn auch nur als Privatmann, klar Stellung gegen die herrschende Kirchenmacht bezieht. „Ich wurde dazu gefragt und habe eben meine Meinung gesagt“, erklärt Jarolim gegenüber derStandard.at. „Beim größten Respekt vor der Ausübung des eigenen Glaubens, aber beim Konkordat geht es um vermögensrechtliche Ansprüche, da geht es um machtpolitische Dinge.“ Vor allem störe ihn der Umgang der Kirchenmänner mit den sexuellen Missbrauchsfällen: „Es gab eine innerkirchliche Vorgangsweise, die in hohem Maße kontraproduktiv war.“ Die Sonderbehandlung von Tatverdächtigen – Versetzung statt harte Strafe – rühre auch von der „starken Stellung der Kirche durch das Konkordat“. Stimmt nicht, entgegnet der Sprecher Erzdiözese der Wien, Michael Prüller, es gebe solche rechtlichen Vorteile bei der Strafverfolgung durchs Konkordat nicht. „Es gibt weder eine kürzere Verjährungsfrist noch einen Schutz vor Verfolgung, die Polizei darf auch in kirchliche Archive hinein.“ Und das Beichtgeheimnis gelte übrigens nicht nur für Katholiken, sondern für alle Menschen, die mit einem Priester über ihre Sünden sprechen. Prüller verteidigt auch das Konkordat, es sei im Sinne „all jener Menschen, die beides sind: Staatsbürger und Katholiken. Wir sehen das Konkordat als sehr taugliche Grundlage dafür, dass Staat und Kirche zusammenarbeiten, ohne einander in die Sphären zu kommen.“ Interessanterweise formuliert die SPÖ ihr Bekenntnis zum Konkordat heute fast blumiger als die Erzdiözese. In einer offiziellen Stellungnahme des SPÖ-Nationalratsklubs an derStandard.at heißt es: „Es gibt zwischen der Sozialdemokratie und den Grundwerten des Christentums – etwa der katholischen Soziallehre – viele Berührungspunkte. (…) Gegensätzlichkeiten, die es von der 1. Republik bis in die 60er Jahre zwischen Kirche und SPÖ noch gab, wurden unter Bundeskanzler Bruno Kreisky zu Grabe getragen. Auch in Österreich treten SPÖ und Kirche in vielen Fragen – etwa Armutsbekämpfung, gleiche Bildungschancen für alle – für ähnliche Ziele ein. Es gibt daher für uns keinen Grund, das völkerrechtlich verpflichtende Konkordat in Frage zu stellen.“ Grimmigen Kirchenkritikern wie Alm geht so viel rote Bibeltreue entschieden zu weit: „Die SPÖ halte ich da für ein bisschen verlogen. Die SPÖ hat einen hohen anti-klerikalen Anteil, der aber im öffentlichen Auftritt übertüncht wird. Faymann und Gusenbauer (amtierender und ehem. SPÖ-Chef, Anm.) zeigen sich demonstrativ gläubig. Das ist ähnlich wie in den USA, wo es als Spitzenpolitiker undenkbar ist, nicht gläubig zu sein.“ Alm will aber ohnehin weit mehr, als das Konkordat abschaffen. Das Kirchenvolksbegehren, für das er und Mitstreiter derzeit Unterschriften sammeln, will etwa der steuerlichen Absetzbarkeit der Kirchensteuer, der Erhaltung katholischer Privatschulen und der Bezahlung der Gehälter von Religionslehrern aus Steuergeld ein Ende machen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche lehnen das Ansinnen scharf ab, letztere sah darin eine „gewisse Aggression“ gegen Kirchen. Alm ist dennoch vorsichtig zuversichtlich, dass er bis 15. Oktober mehr als 8.032 Unterschriften beisammen hat, um das Volksbegehren zu starten: „Es müsste sich ausgehen.“ Während Jarolim das Kirchen-Volksbegehren nicht unterschreiben will („zu knapp und zugespitzt“) nicht unterschreiben wird, sichert Grünen-Verfassungssprecherin Musiol Unterstützung zu. „Das Ziel muss die klare Trennung von Kirchen und Staat sein“, sagt Musiol. Im Gespräch mit derStandard.at setzt sie sich für einen verpflichtenden Ethikunterricht ein, die Religionsstunde solle es nur mehr „auf freiwilliger Basis“ geben: als nicht-schulisches Angebot oder als Freifach. „Das kann aber weiterhin ruhig im Schulgebäude sein.“[…]

Polen: Lutheraner „traurig“ über Wahlerfolg der Antiklerikalen 😀
[…]Der Überraschungserfolg der antiklerikalen „Palikot-Bewegung“ bei den polnischen Nationalwahlen am 9. Oktober bereitet der lutherischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche in dem katholisch geprägten Land keine Genugtuung. Vielmehr sei man überrascht und traurig, sagte ihr Pressesprecher, Wojciech Pracki (Warschau), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage. Die Partei des Multimillionärs Janusz Palikot (46) lehne alle christlichen Werte und das christliche Erbe ab. Damit stelle sie sich gegen das gesamte Christentum, nicht nur gegen den Katholizismus. Die polnischen Lutheraner könnten sich auch nicht darüber freuen, dass die Palikot-Bewegung die strikte Trennung von Staat und Kirche fordere. Vielmehr wäre es „schade“, wenn bei staatlichen Feiern, etwa zum Schuljahresbeginn oder am Nationalfeiertag, keine Gebete mehr gesprochen werden dürften, wie es Palikot verlange. Christen stellten nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung, auch wenn der Staat Anhänger anderer Religionen sowie Nichtreligiöse und Atheisten ebenso respektieren müsse. Für eine abschließende Bewertung der Palikot-Bewegung sei es noch zu früh, sagte Pracki. Man warte ab, welche Politik sie im Parlament vertrete[…]

Evangelischer Kindergarten!!!
[…] Unter dem Titel „Segensflieger“ wird am Reformationstag bundesweit zu einer ungewöhnlichen Aktion eingeladen, um den Glauben ins Gespräch zu bringen. Von zentralen Orten sollen am 31. Oktober um 15:17 Uhr im Gedenken an das Jahr 1517 und den Thesenanschlag Martin Luthers Papierflieger mit Segensworten losgeworfen werden. Über das Internet können sich Menschen verabreden, um „dem Wort auf neue Weise Flügel zu verleihen“, erklärt Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das Ziel der Aktion. Vom Kirchturm, dem Rathaus, dem Feuerwehrturm oder einem anderen Ort aus können Menschen so einen geistlichen Gruß an ihre Mitmenschen fliegen lassen. „Wir wollen mit diesen ‚Flashmobs‘ das Evangelium auf überraschende, ansprechende Weise im öffentlichen Raum kommunizieren“, sagt Göring-Eckardt als Schirmherrin des Projekts[…]

Weil Kirchen gesetzlich besonders geschützt sind …
[…]Ein 24-Jähriger ist am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch wegen Herabwürdigung religiöser Lehren und schwerer Sachbeschädigung zu zwei Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann soll in der Bregenzer Herz-Jesu-Kirche obszöne Einträge ins Kirchenbuch geschrieben haben. Außerdem soll der Mann eine Marienstatue mit einer Zigarette verunziert zu haben, berichteten Vorarlberger Medien am Freitag. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Vandalenakte ereigneten sich im November 2010. Der Arbeitslose gab vor Gericht zu, ins Besucherbuch geschrieben und es dabei beschädigt zu haben, weil er wütend auf den Pfarrer und die Kirche gewesen sei. Die sich über mehrere Seiten erstreckenden Eintragungen soll der mehrfach vorbestrafte Mann offenbar unter Tabletten- und Alkoholeinfluss vorgenommen haben. Dass er einer Madonnenfigur eine Zigarette in den Mund und eine Bierdose in die Hand gesteckt hatte und sie mit Bier übergoss, bestritt der 24-Jährige. DNA-Spuren überführten ihn jedoch. Dass er auch für den Urin am Beichtstuhl verantwortlich war, konnte dem 24-Jährigen nicht nachgewiesen werden. Wegen seiner Vorstrafen und weil Kirchen gesetzlich besonders geschützt sind, sei eine unbedingte Strafe auszusprechen gewesen, begründete Richterin Karin Dragosits. Zusätzlich zu den zwei Monaten Haft wurde eine bedingte Haftentlassung nach einem anderen Delikt widerrufen. Damit muss der 24-Jährige für fünfeinhalb Monate hinter Gittern, sollte das Urteil rechtskräftig werden.[…]

Afrikaner missionieren Europa, na klar doch
[…]Afrikas Katholiken sind nach den Worten des senegalesischen Kardinals Theodore-Adrien Sarr als Missionare in Europa gefragt. Zwar kämen immer noch Geistliche in den Senegal, «aber wir schicken mittlerweile auch Priester nach Frankreich», sagte der Erzbischof von Dakar am Donnerstag in München. Die Kirche in Deutschland könne vom Enthusiasmus der jungen Gemeinden in dem westafrikanischen Land lernen. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, der Missionsbegriff sei längst nicht mehr negativ besetzt. «Mission ist heute gegenseitiges Beschenken.»[…]

Ach du meine Güte: „Bartraub“
[…]In den USA sorgen aktuell bizarre Bartabschneide-Übergriffe unter Amischen für Negativschlagzeilen. Die „Washington Post“ und andere Medien berichten über „ungewöhnlich zur Schau gestellte Probleme“ in der eigentlich als gewaltfrei geltenden Glaubensgemeinschaft. Angehörige einer Splittergruppe werden beschuldigt, regulären Mitgliedern Bärte und Haare abgeschnitten zu haben. in Anthropologe bezeichnete die Vorfälle gegenüber der „Washington Post“ als „amisches Paradoxon“. Die Art von Gewalt – von US-Medien „Bartraub“ getauft – von Amischen gegen Amische sei extrem selten. Auch Frauen überfallen: Fünf Männer (im Bild drei davon) müssen sich vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, am späten Abend des 3. Oktober in das Haus von Bischof Raymond Hershberger (74), führendes Mitglied der Amish Community im Holmes County in Ohio, eingedrungen zu sein und den Bischof selbst sowie seinen Sohn niedergeworfen und von ihren Bärten „befreit“ zu haben. Es war nicht der einzige Übergriff mit Schere und Akku-Trimmer in den letzten Wochen. Ein weiterer Mann soll unfreiwillig rasiert worden sein, auch Frauen seien unter den Opfern – ihnen schnitt man die Haare ab. Als mutmaßlicher Kopf hinter den Übergriffen wird ein Mann vermutet, der in den Vereinigten Staaten einen zweifelhaften Ruf genießt: Sam Mullet (zweites Bild), eine Art Extrem-Amisch, der sich vor Jahren mit gut 100 Anhängern von den traditionellen Amischen losgelöst und eine eigene Gruppierung gebildet hatte. Er und seine Geflogschaft leben streng nach den ursprünglichen Regeln der Gemeinschaft: Homosexualität ist Teufelswerk, moderne Technik ebenfalls, die heilige Familie steht über allem. Nur mit der Gewaltfreiheit scheint man es offensichtlich nicht mehr streng zu nehmen[…]

2 Comments

  1. Mir ist längst klar geworden, dass sich in den politischen Parteien Deutschlands keine Mehrheit für die Abschaffung des Konkordats und der Staatsverträge finden wird. Das wird deutlich erkennbar an der Tatsache, das die SPD-Laizisten parteiintern kaum an Einfluß gewinnen konnten. Ändern wird sich bestenfalls dann etwas, wenn es gelingt eine Partei der Konfessionslosen auf die Beine zu stellen. Es muß aber eine Partei sein, die ein umfassendes Programm für alle Bereiche der Politik anzubieten hat. Eine Partei, die sich nur eines Themas annimmt, wird langfristig keine gewichtige Rolle im politischen Geschehen Deutschlands spielen können.

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  2. „Weil Kirchen gesetzlich besonders geschützt sind …“

    Ganz früher war es die NSDAP bzw. ihre Ideologie, in der DDR war es die SED und der Marxismus-Leninismus, die sich des besonderen Schutzes durch die Staatsmacht gewiss sein konnten. Heute ist es eben die Kirche. Das ist doch normal, das hat Tradition. Was könnte man dagegen haben? Wer sich darüber erregt – wie z.B. ich – verhält sich eben nicht systemkonform und muss sehen, wie er damit zurecht kommt. So einfach ist das.

    Früher hieß es: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Offenbar muss noch sehr viel mehr passieren, bis man aufwacht und sich wehrt.

    Damit soll nicht die unnötig provozierende Tat dieses Mannes gutgeheißen werden, es soll lediglich die privilegierte Stellung einer ideologischen Organisation kritisiert werden, die sich ihre Vormachtstellung über die Jahrhunderte mit krimineller Energie erpresst hat und bis heute – dank viefältiger staatlicher Unterstützung – erhalten und teilweise sogar weiter ausbauen konnte.

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