Das Papst-Orakel


Der Papst empfahl bei seinem Deutschlandbesuch eine „Ent-Weltlichung“ seiner Gemeinschaft

Von Wolfgang BergmannDer Standard

Soll die Katholische Kirche auf Kirchensteuer und Staatssubventionen verzichten? Der Papst empfahl bei seinem Deutschlandbesuch eine „Ent-Weltlichung“ seiner Gemeinschaft und sagte wörtlich: „Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden.“ Kein Wunder, dass rasch Stimmen laut wurden, man möge die Zwangseintreibungen von Mitgliedsbeiträgen beenden. Sichtlich nervös erklärte darauf der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, man solle keine vorschnellen Schlüsse aus der Papstrede ziehen. Es gebe unterschiedliche Interpretationen und Auslegungen, „über die es auch streitige Diskussionen geben kann.“

Da fragt man sich doch:

1. Warum kann der Papst nicht klar sagen, was er meint?
2. Falls 1.) nicht möglich ist, warum fragt Zollitsch nicht einfach seinen Chef, was er wirklich will?

Mittlerweile haben sich schon drei Kardinäle an der munteren Papstexegese über die Deutschlandreise beteiligt. Wozu soll ein Papst-Orakel gut sein? Und: Reden die nicht miteinander?

Der Delphi-Stil hat allerdings Methode: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat die Aussagen des Papstes in Erfurt als „faktische Rehabilitierung Luthers“ bezeichnet. Ist diese Interpretation zulässig? Papstsprecher Lombardi meinte, die Deutung sei „ein bisschen übertrieben“. Alles klar?

Der aktuelle Papst ist in Sachen erhöhten Erklärungsbedarfes insofern Rekordhalter, als sich in seinem Pontifikat sogar die Glaubenskongregation veranlasst sah, Aussagen eines amtierenden Papstes zu interpretieren („Note der Kongregation für die Glaubenslehre über die Banalisierung der Sexualität im Hinblick auf einige Textstellen aus ‚Licht der Welt'“). Mehr Klarheit darüber, warum sich der Papst in diesem Buch mit dem Kondomgebrauch nur im Zusammenhang mit männlichen Prostituierten auseinandersetzte, brachte das allerdings auch nicht.

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2 Comments

  1. Hmm. Das Einzige, was mich an B16 wirklich interessieren würde, wäre die Auswertung eines Hirnscans bei einer Reihe von Standardtests. Ich mache auch gerne das Gleiche parallel mit.

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    1. @klafuenf, wo würdest du denn bei Benny mit dem Hirnscan ansetzen wollen? Ich meine der Scan ist nicht das Problem, es dürfte das Hirn sein. :mrgreen:

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