Heinz-Werner Kubitza: „Verführte Jugend“ – Eine Kritik am Jugendkatechismus Youcat


Quelle: neuebuecher.de

Vorwort

Von Heinz-Werner Kubitzayoucat-Kritik

„Wie die katholische Kirche die Jugend verführt“ – bei diesem Titel werden vielleicht manche zuerst an die Missbrauchsfälle denken, die die katholische Kirche in den letzten Jahren erschüttert haben. Doch wer meint, dieses Buch beschäftige sich mit diesem dunklen Kapitel der katholischen Kirche, wer gar auf schlüpfrige Details wartet, ist hier falsch. Hier geht es um eine in hoher Auflage gedruckte geistige bzw. geistliche Verführung, für die nicht einzelne Priester, sondern die katholische Kirche als Institution insgesamt verantwortlich zeichnet.

Im März 2011 erschien die deutsche Ausgabe des katholischen Jugendkatechismus Youcat auf dem deutschen Buchmarkt. Ausgestattet als handliche Ausgabe mit bunten Bildern und einem Vorwort von Benedikt XVI. erlebte dieses Buch einen außergewöhnlich großen Erfolg. Nach drei Monaten waren bereits über 100.000 Exemplare verkauft. Die katholische Kirche hat mit diesem Jugendkatechismus noch viel vor. Er soll in ca. 25 Sprachen erscheinen und in über 50 Ländern verfügbar sein. 700.000 (!) Freiexemplare sollen allein am Weltjugendtag in Madrid verteilt worden sein. Neben den beiden Jesusbüchern von Papst Ratzinger ist dieser Jugendkatechismus Youcat der wohl größte publizistische Feldzug der katholischen Kirche seit Jahren. Der groß angelegte Versuch, sich im Denken und der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen dauerhaft festzusetzen, sie hineinzuziehen in eine fragwürdige Dogmatik mit abstrusen Lehren und Dogmen, gab den Anlass für dieses Buch. Statt vermeintlich modern zum Glauben will es vermeintlich altmodisch zum Denken animieren und aufrufen.

Der Titel mag manchem provokant erscheinen. Muss man wirklich von Verführung sprechen? Hat nicht auch die Kirche das Recht, sich auf dem Markt der Möglichkeiten zu präsentieren und Anhänger zu finden? Dass dieser Ausdruck dennoch seine Berechtigung hat, will dieses Buch aber gerade belegen. Es stellt die 165 Fragen des Youcat, die sich mit den Grundlagen des katholischen Glaubens beschäftigen, erneut und gibt zu jeder Frage eine eigene kritische Antwort. Dabei zeigt sich von Frage zu Frage deutlicher, dass viele Aussagen des Youcat erstens schlicht unseriös sind und dass die sie vertretende Kirche zweitens viele Merkmale einer Ideologie zeigt, in diesem Fall einer religiösen Ideologie, nicht akzeptabel für eine pluralistische und offene Gesellschaft. Beides zusammen, Unseriosität und Ideologiebehaftetsein, im Verbund mit der gewaltigen Propagandamaschinerie, die die katholische Kirche in Gang gesetzt hat, um ihren Jugendkatechismus zu verbreiten, rechtfertigen es, nicht von Werbung um Jugendliche, sondern von Verführung von Jugendlichen zu sprechen.

Im Vorgriff auf die kritischen Antworten zu den katholischen Fragen hier eine erste Begründung.
Unseriös ist die katholische Kirche mit dem von ihr herausgegebenen Katechismus aus folgenden Gründen:

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