Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Mixa darf wieder …
[…]Zu einer „Zeit des Schweigens“ hatte der Papst den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa verdonnert – nun soll diese Zwangspause zu Ende sein. Sein Nachfolger Konrad Zdarsa reicht Mixa die Hand zur Versöhnung. Aktiv werden im Bistum soll der Ex-Bischof jedoch nicht. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa will seinem umstrittenen Vorgänger Walter Mixa die Rückkehr in die Mitte der Kirche ermöglichen – allerdings außerhalb des Bistums Augsburg, wie er betont. „Man könnte sagen, dass die Zeit der Heilungen und des Schweigens eigentlich so vorbei ist“, sagte Zdarsa am Dienstag in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Damit könnte Mixa also wieder verstärkt seelsorgerisch tätig werden – allerdings nicht im Bistum Augsburg, wie Zdarsa sogleich betonte. „Es ist aber undenkbar, dass mein Vorgänger jetzt hier vortreten würde, um Firmungen vorzunehmen“, so Zdarsa. „Das würde niemand bejahen.“ Helmut Mangold, der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum, begrüßte die Worte Zdarsas, empfahl Bischof Mixa allerdings eine demütige Reaktion: „Es wäre sicher sinnvoll, wenn Bischof Walter formal um Entschuldigung bittet, das würde die Sympathie für ihn stärken.“[…]

Käßmann kritisiert B16-RatzeBene
[…]Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat der Forderung des Papstes nach einer inneren Loslösung der Kirche von der Welt widersprochen. Christen sollten „mitten in der Welt ihr Leben führen und ihre Umgebung, die persönliche wie die politische, nach den Maßstäben Gottes zu gestalten versuchen“, sagte sie der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat derzeit einen Lehrauftrag an der Ruhr-Universität in Bochum inne und wird ab kommendem Jahr Repräsentantin des 500. Jubiläums der Reformation im Jahr 2017. Käßmann erklärte, sie sehe es nicht als Aufgabe der Kirche, „sich zurückzuziehen in kleine, abgeschottete Räume und da einen weltabgewandten Glauben zu praktizieren“. Der Papst hatte auf seinem Deutschlandbesuch Ende September für eine Entweltlichung der Kirche plädiert. Eine von ihrer „materiellen und politischen Last befreite Kirche“ könne sich besser der Welt zuwenden, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Heftig widersprach Margot Käßmann der Ansicht des Papstes, die Protestanten hätten zur Verweltlichung der Kirche beigetragen. Damit missverstehe das Oberhaupt der katholischen Kirche die Realität im Protestantismus. Auch begebe sich der Papst selber in die Welt, „etwa wenn er als Staatsoberhaupt auftritt“.[…]

Protestanten sehen Staat und Kirche als Partner, was sonst …
[…]Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen haben Kritik am Verhältnis von Kirche und Staat zurückgewiesen. Staat und Kirche seien nach dem Grundgesetz getrennt, stünden sich aber zum Wohl der Allgemeinheit als Partner gegenüber, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, am Dienstag in Düsseldorf. Der westfälische Präses Alfred Buß ergänzte: «Gemeinsam mit vielen anderen leisten wir unseren Beitrag für das Zusammenleben und den Zusammenhalt unserer Zivilgesellschaft.» Schneider wies darauf hin, dass Kirche und Diakonie im Sozialbereich staatliche Aufgaben der Daseinsvorsorge übernehmen, indem sie Kindergärten, Krankenhäuser und Seniorenheime betreiben. Leistungsentgelte von Krankenkassen und staatliche Zuschüsse für diese Arbeit seien aber keine Subvention, sondern Ausdruck der Subsidiarität: Kirchliche Träger handelten als soziale Dienstleister im Auftrag und in Abstimmung mit dem Sozialstaat. Dieses Prinzip gelte auch bei anderen Wohlfahrtsverbänden wie Arbeiterwohlfahrt oder Rotem Kreuz, erläuterte Schneider, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Es widerspreche nicht der staatlichen Neutralität, weil es Freiheit und Pluralität gewährleiste und fördere. «Die Zusammenarbeit von Staat und freien Wohlfahrtsträgern beruht auf einer historisch gewachsenen Partnerschaft, sie funktioniert insgesamt recht gut», sagte der rheinische Präses. Offen zeigten sich die leitenden Geistlichen der rheinischen und der westfälischen Kirche für eine Ablösung der sogenannten Staatsleistungen. Der Staat würde dabei seine laufenden Verpflichtungen gegenüber den Kirchen durch eine Einmalzahlung abgelten. «Der Vorschlag dazu muss aber vom Staat kommen», sagte Präses Buß[…]

Die Kirche und ihre Geldgier, von Hannelore Kraft kräftig unterstützt
[…]Die evangelischen Kirchen in NRW halten das System der Kita-Finanzierung für ungerecht. Das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) diskriminiere die Kirchen, sagte der rheinische Präses Nikolaus Schneider. Ihnen würden nur 88 Prozent der Kosten ihrer Kindertagesstätten ersetzt, anderen Trägern hingegen 100 Prozent: „Innovationen sind dort noch möglich, bei den kirchlichen Kitas dagegen nicht.“ Mit der Neuregelung der Kindergartenfinanzierung 2007 hatte das Land den von den Kirchen aus Steuergeldern zu leistenden Anteil zwar von 20 auf zwölf Prozent gesenkt, ihn aber zugleich gesetzlich festgeschrieben. Die Kirchen hätten sich nach dem Regierungswechsel 2010 vergeblich dafür starkgemacht, den Passus zu streichen, sagte Schneider. Allein die Evangelische Kirche im Rheinland betreibt fast 800 Kitas mit 47 000 Plätzen. Nach eigenen Angaben wendet sie dafür jährlich mehr als 50 Millionen Euro auf. Schneider und sein westfälischer Kollege Alfred Buß betonten, man sei offen für Gespräche, behalte sich aber rechtliche Schritte vor. Weiterer Ausbau sei kaum noch zu finanzieren. „Irgendwo ist die Grenze erreicht“, sagte Buß. Jugendministerin Ute Schäfer (SPD) erklärte, die Kritik sei nicht nachvollziehbar. Die Kirchen hätten zugestimmt, ihr Angebot auf der neuen Basis aufrechtzuerhalten. Zudem hätten bereits viele Kommunen Finanzierungsanteile der Kirchen freiwillig übernommen. Anlass für Buß‘ und Schneiders Äußerungen war das 50-jährige Bestehen des Evangelischen Büros, der „Botschaft“ der Kirchen beim Land. Das Büro leiste „Lobbyarbeit im besten Sinne“, lobte Schneider. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) rief zu entschiedenerer „Lobbyarbeit für die gesellschaftliche Rolle der Kirchen“ auf.[…]

Evangelische Kirche jammert sich arm
[…]„Völlig abwegig“ ist für Ralf Michalowsky, religionspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag NRW, das düstere Bild, das Präses Nikolaus Schneider und Präses Alfred Buß heute in der Landespressekonferenz zeichneten: „Wenn Vertreter der deutschen und damit der reichsten Kirche der Welt behaupten, sie könnten bald ihren Verpflichtungen im sozialen Bereich nicht mehr nachkommen, kann ich nur lachen.“ So hatte die Landesregierung erst Ende August in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE bestätigt, dass die evangelische Kirche immer mehr Geld vom Steuerzahler erhält (Drucksache 15/2727). Demnach bekommt 2011 die evangelische Kirche in NRW 8,5 Millionen Euro aus Steuermitteln. 2001 waren es noch 7,8 Millionen. „Dies ist aber nur ein winziger Teil des kirchlichen Vermögens“, sagte Michalowsky. „Dazu kommen rund 4,5 Milliarden Euro an Kirchensteuern im Bund, die sogenannten Staatsleistungen, das Immobilienaufkommen der Kirchen und einiges mehr.“ Wenn der Präses vor der Presse sozialen Kahlschlag prophezeie, falls die evangelische Kirche nicht noch mehr Geld bekomme, „verschweigt er dabei, dass Kirchengelder die Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime und ähnliche Einrichtungen, auf denen groß Kirche steht, nur zu höchstens zehn Prozent finanzieren – die restlichen 90 Prozent leistet bereits der Staat!“ Weiter sagte Michalowsky: „Würde der Staat die von den Kirchen geleisteten Aufgaben selbst übernehmen, dann müsste er den Anteil der Kirchen selbst zahlen – das sind etwa 800 Millionen Euro.“ Im Gegenzug könnten dann steuerliche Privilegien wie die Absetzbarkeit der Kirchensteuer wegfallen. Dadurch hätte der Staat Mehreinnahmen von rund drei Milliarden Euro – „am Ende also ein Plus von 2,2 Milliarden“, so Michalowsky. „Positiv finde ich immerhin, dass sich Präses Buß der Abgeltung der Staatsleistungen nicht verschließen will und auf ein Signal seitens der Regierung wartet. Darauf warten wir auch!“[…]

Kein Platz für reaktionäre Lebensschützer im Erzbistum München
[…]Trotz heftiger Proteste, unter anderem vom Bundesverband Lebensrecht, hält das Erzbistum München und Freising an seiner Entscheidung fest, weder die St.-Paul-Kirche noch ein anderes Kirchengebäude für eine Messe von katholischen Lebensschützern bereitzustellen. Am morgigen Samstag findet unter der Leitung der EuroProLife der diesjährige Gebetszug „1000 Kreuze für das Leben“ in München statt. Die Erzdiözese unterstellt, daß EuroProLife “rechtsextrem” unterwandert sei, “aus diesem Grund ist den Teilnehmern der Veranstaltung die Nutzung des Kirchenraums der Pfarrei St. Paul und anderer Kirchenräume nicht gestattet”, heißt es in der Erklärung des Erzbistums. Mit dieser Entscheidung des Erzbistums München und Freising wird die bereits vollzogene Verabschiedung der meisten deutschen Bischöfe vom eindeutigen Lebensschutz erneut offensichtlich. Erzbischof Reinhard Marx und die katholische Lebensrechtsbewegung passen nicht zusammen. Donum Vitae, CDU und andere, die Abtreibungen Vorschub leisten, können sich des Schweigens der deutschen Bischöfe zum millionenfachen straflosen Mord am ungeborenen Leben weiterhin sicher sein. Die katholische Lebensrechtsbewegung findet nur noch beim Papst Unterstützung, beim deutschen Episkopat nicht.[…]

Italien: Katholiken basteln an neuer Partei
[…]Mit Berlusconis Sturz könnte auch dessen Partei PdL auseinanderbrechen Nach der Farbe ihrer Parteifahnen nannte man sie balena bianca, den weißen Wal. Ein halbes Jahrhundert lang dominierte die einst allmächtige Democrazia Cristiana die politische Kulisse Italiens. Dann versank sie zu Beginn der 1990er-Jahre ruhmlos im Morast des Korruptionssumpfes. Jetzt, zwei Jahrzehnte nach mani pulite, könnte die Partei des siebenfachen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti zu neuem Leben erwachen: Seit Monaten basteln umtriebige Katholiken im Mutterland der Kirche an einer neuen politischen Kraft. Im mittelalterlichen Franziskanerkloster der umbrischen Stadt Todi trafen sich am Wochenende 130 Vertreter katholischer Organisationen zu einem Forum über „Gute Politik für das Gemeinwohl“. Der Präsident der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, erteilte der Versammlung hinter verschlossenen Türen seinen Segen. Unter den Verbänden mit insgesamt 16 Millionen Mitgliedern befinden sich einflussreiche Organisationen wie die Gewerkschaft CISL, der Bauernbund und der Handwerkerverband[…]

Weltbild-Verlag: Deutsche Bischofskonferenz schreitet ein 😀
[…]2500 Erotik-Artikel im mehrheitlich katholischen Verlag – DBK-Pressesprecher Matthias Kopp gegenüber kath.net: Es wird bald ein Gespräch zwischen DBK-Sekretär Langendörfer und der Weltbild-Konzernleitung über das Buchprogramm geben. Bonn (kath.net) Ein baldiges Gespräch zwischen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem „Weltbild“-Verlag hat der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch gegenüber kath.net angekündigt. „Zu Ihrer gestrigen Anfrage an Pater Dr. Langendörfer kann ich Ihnen mitteilen, dass in der Angelegenheit des Buchprogramms im Weltbild-Verlag bald ein Gespräch zwischen dem Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und der Konzernleitung stattfinden wird“, sagt Pressesprecher Matthias Kopp[…]

Österreich: Allianz für den freien Sonntag
[…]Das Engagement für den freien Sonntag „ist ganz offensichtlich mehrheitsfähig“. Das betonte der Linzer Bischof Ludwig Schwarz als kirchlicher Sprecher der „Allianz für den freien Sonntag“ bei einem Festakt am Dienstag im Parlament anlässlich ihrer Gründung vor zehn Jahren. Rund 300 Vertreter der mehr als 50 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaft und Zivilgesellschaft machten die Breite und Erfolgsgeschichte der Sonntagsallianz deutlich. Im Zentrum der Beiträge stand der humane, religiöse und gesellschaftliche Wert des Sonntags, den es weiterhin zu schützen gilt. Die Veranstaltung im Plenarsaal des Parlaments hatte auf Einladung des Zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer stattgefunden. „Das gute Klima, in dem Gewerkschaften und Kirchen seit Gründung der Sonntagsallianz eng zusammenarbeiten“, ist nach den Worten von Bischof Schwarz ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Sonntagsallianzen. Das unterstrichen auch Gewerkschaftsbund-Präsident Erich Foglar sowie Bischof Maximilian Aichern. Aichern hatte am 3. Oktober 2001 gemeinsam mit dem damaligen Gewerkschaftsbund-Präsidenten Fritz Verzetnitsch und Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel die Österreich-Allianz für den freien Sonntag gegründet[…]