Kein Recht auf Ethikunterricht


VG Freiburg, wikipedia

Zu den unbekannteren Passagen im Grundgesetz zählt eine Regelung in Artikel 7 Absatz 3, nach der Religionsunterricht „in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen [ein] ordentliches Lehrfach“ ist. Wenig bekannt ist diese Regelung auch deshalb, weil der Absatz 2 des Artikels 7 Eltern die freie Wahl lässt, ob sie ihr Kind in solch einen Religionsunterricht schicken wollen oder nicht. Die meisten Kinder konfessionsloser Eltern freuen sich über die daraus resultierende Zusatzpause, in der sie Hausaufgaben machen oder mit dem Handy spielen können. Eine Mutter aus Baden-Württemberg sieht sich dadurch allerdings diskriminiert.

Von Peter MühlbauerTelepolis

Anna I. hat drei Söhne. Zwei davon gingen bis zu den Sommerferien in die zweite und die vierte Klasse der Karoline-Kaspar-Grundschule im Freiburger Stadtteil Vauban. Im Februar verlangte I. vom baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, es solle die Grundschule dazu bringen, einen kostenlosen Ethikunterricht für ihre Kinder anzubieten. Das Ministerium lehnte das teure Ansinnen ab und verwies auf eine Verordnung, die solch ein Angebot erst ab der siebten Gymnasial- und der achten Hauptschulklasse vorschreibt.

Gegen diese Ablehnung legte die Freiburgerin im April vor dem örtlichen Verwaltungsgericht Klage ein. In der Begründung dieser Klage argumentiert sie, dass ihr der im Grundgesetz festgeschriebene Gleichheitsgrundsatz und die Trennung von Staat und Kirche einen Anspruch auf einen kostenlosen Ethikunterricht gewähren würden. Außerdem verweist sie darauf, dass an der Grundschule deutlich weniger als die Hälfte der Kinder evangelisch oder katholisch getauft ist.

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