Macht und Ohnmacht der Sexualität


Quelle: mainpost.de

Theologie-Professor Hans-Joachim Sander über das öffentliche Interesse an intimen Geständnissen, den Fall Jörg Kachelmann sowie die Missbrauchsfälle und die Sprachlosigkeit in der katholischen Kirche.

Von Christine Jeske MAIN POST

Hans-Joachim Sander (52), Professor für systematische Theologie an der Universität Salzburg, stammt aus einer Bergarbeiterfamilie im Saarland. Er studierte Katholische Theologie, Mathematik und Geschichte an den Universitäten in Bonn, Trier und Würzburg sowie an der Dormition Abbey in Jerusalem. Nach seiner Habilitation an der Universität Würzburg arbeitete er als Dozent in Würzburg, Bamberg, Eichstätt und Salzburg. 2002 folgte er dem Ruf als Professor für Dogmatik an die Uni Salzburg. Anhand von Beispielen wie den Fällen Jörg Kachelmann oder Dominique Strauss-Kahn sowie mit der Philosophie des Franzosen Michel Foucault (1926 bis 1984) erläutert er die Mechanismen der Sexualität. Sie besteht für ihn aus mehr als nur aus Zärtlichkeit, Intimität und Lust. Ein Gespräch über Macht und Ohnmacht, über Geständniszwang und Sprachlosigkeit, und über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.

Frage: Welche Fragestellung treibt Sie beim Thema „Macht der Sexualität“ besonders um?

Hans-Joachim Sander: Für mich ist die Frage entscheidend: Wo findet Sexualität statt? Die Antwort: in der Öffentlichkeit. Das erscheint zunächst ungewöhnlich. Wir sind ja gewohnt, Sexualität als etwas sehr Intimes anzusehen, das normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Das ist sicher richtig, insbesondere für Zärtlichkeit und Lust. Aber der primäre Ort von Sexualität ist dennoch die Öffentlichkeit.

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