Gottes Komplizen: Papst, Bundeswehr, Islam und Judentum


Prof. Dr. Walter Homolka (Ph.D. King’s College London, D.H.L. Hebrew Union College - Jewish Institute of Religion New York) geb. 1964, ist deutscher Rabbiner, Rektor des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam und Honorarprofessor an ihrer philosophischen Fakultät. Er ist Mitglied des Executive Board der World Union for Progressive Judaism Jerusalem, Vizepräsident der European Union for Progressive Judaism, Chairman der Leo Baeck Foundation, Mitglied im Gesprächskreis Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Vorsitzender des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks. Foto: Joachim Fieguth

ND: Herr Prof. Homolka, Sie wurden soeben mit dem Muhammad-Nafi-Tschelebi-Friedenspreis geehrt. Diesen Preis vergibt das Islam-Archiv Soest, um den Dialog zwischen den Religionen, vor allem zwischen Muslimen, Juden und Christen zu fördern. Womit haben Sie ihn sich verdient?
Homolka: Das Abraham Geiger Kolleg hat sich über Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass das Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen selbstverständlich wird. So forschen wir u.a. zu der Frage, welche Verbindungen es zwischen Judentum und Islam gibt. Das ist, wie ich glaube, auch der Auftrag unseres Namensgebers Abraham Geiger, der als Begründer der modernen Islamwissenschaften gilt.

ND:Welche Verbindungen zwischen Judentum und Islam gibt es?
Homolka:Verwandtschaftliche. Sie gehen auf die Bibel zurück, auf die hochdramatische Geschichte von Ismail und seinem Halbbruder Isaak. Diese Geschichte verweist uns darauf, dass schon zu jener Zeit die Frage, wer der erbberechtigte Sohn Abrahams ist, Isaak oder Ismail, eine Rolle spielte. Ist nun das Judentum oder der Islam dem Erbe Abrahams treu? Die Bibel und der Koran geben darauf unterschiedliche Antworten. Aber wichtig ist es zunächst, darauf hinzuweisen, dass es eine Verwandtschaft, ein brüderliches Verhältnis gibt. Zum Christentum gibt es für uns Juden eine gewachsene Freundschaft – obwohl das trinitarische Dogma (die Lehre vom dreieinigen Gott – d.R.) die Trennungslinie zwischen Judentum und Christentum deutlicher markiert als zwischen Judentum und Islam. Das gemeinsame Bekenntnis zu dem einen Gott ist für Juden und Muslime die Grundlage für eine starke Verbindung zueinander. Daraus ergibt sich eine konkrete politische Aufgabe für uns Juden in Deutschland: Muslimen, die ähnlich wie das Judentum im 19. Jahrhundert um ihre Emanzipation kämpfen müssen, dabei behilflich zu sein, sich zu integrieren und in der Gesellschaft Anerkennung zu finden.

weiterlesen