Schamforschung: Religiös unverschämt


Gläubige im Kölner Dom (Bild: AP)

Nicht nur nach Ansicht von Karl Barth, dem Schweizer Theologen, ist Scham eine wichtige menschliche Eigenschaft. In einer individualisierten, selbstsüchtigen Gesellschaft scheint die Scham aber langsam verloren zu gehen. Kann die Religion helfen? Wie viel hat sie mit Scham zu tun?

Von Susanne KraheDeutschlandradio Kultur

„Wie konntest du nur?! Du solltest dich was schämen!“

Scham. Etwas, das besser verborgen geblieben wäre, wird aufgedeckt. Die Pulsfrequenz steigt.

„Ab in die Ecke mit Dir. Schäm Dich!“

Ob es die nasse Hose war oder ob man beim Abschreiben erwischt wurde, ob eine Lüge aufgedeckt oder ein Geheimnis verraten worden ist: Wer sich die Szenen ins Gedächtnis zurückruft, in denen er an den Pranger gestellt und beschämt wurde, fühlt sich von der ganzen Peinlichkeit der damaligen Situation eingeholt und zuckt innerlich zusammen.

Scham, jeder kennt sie. Sie ist ein universales, kultur-übergreifendes Gefühl und gehört zur emotionalen Grundausstattung des Menschen. Nur die Inhalte, also worüber die einen sich schämen und andere eben nicht, sind Kultur- und Zeit-bedingt. Sie werden nicht zuletzt von der persönlichen Geschichte geprägt. Wenn Adam und Eva sich ihrer Nacktheit schämten, wie es in der biblischen Urgeschichte heißt (vgl. Gen 3,7), so mag das durch eine gewisse prüde Einstellung bedingt gewesen sein, die im Israel der biblischen Zeit gang und gäbe war. Wie das ist, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes bloßgestellt wird, wissen aber auch die Mitteleuropäer von heute. Der Psychologie-Professor Wolfgang Hantel-Quitmann von der Universität Hamburg erklärt, wie tief verwurzelt die Grundemotion Scham in unserer Kindheit angelegt ist:

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2 Comments

  1. Spontan würde ich sagen, dass ich mich doch sehr schämen würde, wenn jemand mir unterstellen würde, religiös zu sein und an einen Gott zu glauben. Als so bescheuert möchte ich mich echt nicht hinstellen lassen. Ich würde mich zu sehr schämen, mit diesem hirnverbrannten Schwachsinn in Zusammenhang gebracht zu werden. Um nicht versehentlich als religiöse Type verschrien zu werden – und mich dafür schämen zu müssen – sage ich lieber gleich, dass ich bekennender Atheist bin.

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