Wenn Eso-Tussen in Berlin Mutter Erde anschreien


Quelle: newsage.de

Schrei dich frei
Ein Schrei. Er klingt so, als suche jemand seine eigene Stimme. Die Frau, die schreit, möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie nennt sich Sarita. „Sarita“ bedeutet „Fluss der Liebe“, es ist ein spiritueller Name. Er verrät vielleicht mehr über das Selbstverständnis dieser Frau, die an diesem Sonntagnachmittag am Ufer der Spree in Berlin-Mitte steht – und ohne erkennbaren Anlass schreit.

Von Antje HildebrandtBerliner Morgenpost

Es ist ein warmer Tag, die Sonne sendet mildes Licht auf die Stelle, wo einmal der Palast der Republik stand und wo das Berliner Schloss entstehen soll. Jetzt wächst hier eine Wiese. Jemand hat den Umriss eines Herzens ins saftige Grün des Rasens gemäht. Hier treffen sich an diesem Tag Menschen, die glauben, dies sei ein magischer Ort.

Eine davon ist Sarita. Man erkennt sie schon von weitem. Eine geschmackvoll gekleidete Mittfünfzigerin im regenbogenfarbenen Rock. Sie lässt sich zwar fotografieren, will von sich aber nur preisgeben, dass sie nach dem Tod des Vaters aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. Sie sagt, die Kirche habe sich bis heute nicht für die Jahrtausende lange Unterdrückung der Frau entschuldigt.

Eben noch stand sie Hand in Hand mit neun Männern und Frauen im Kreis, die Augen geschlossen, ein entrücktes Lächeln im Gesicht. Sie haben sich getroffen, um Kontakt mit Mutter Erde und den Elementen aufzunehmen. Sarita schreit: „Wir lieben dich, Wasser!“ Später wird sie sagen, dieses Ritual habe sie gereinigt. Regelrecht befreit habe sie sich nach dem Schrei gefühlt. Sie strahlt die Frau an, die zu dieser Zeremonie eingeladen hat: Christina M.

VOM AUFBRUCH IN EINE NEUE ZEIT

Christina M. ist Lichtarbeiterin und Neo-Schamanin, so nennt sie sich selber, eine warmherzige Mittfünfzigerin mit wachem Blick und sorgenvoll zerfurchter Stirn. Sie redet von der Welle des Maya-Kalenders, die an diesem Sonntag ende, vom Aufbruch in eine neue Zeit und davon, dass das Herz am Spree-Ufer genau der richtige Ort sei, um die nötige Energie zu tanken. Die Touristen, die an diesem Nachmittag träge in der Sonne dösen, schauen ihr halb belustigt, halb entgeistert zu.

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1 Comment

  1. Wen wundert’s !? Der Weg von der Katholen Kirche zur Esoterik ist ja nur ein winziger Schritt. Es ist allerdings eine schreckliche Vorstellung, dass solche Eso-Tussen auch Mütter werden können.

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